Samstag, 14. August 2010

Abriss | Weiße Wand (Q VIII)

Bilder vom kürzlich begonnenen Abriss der weißen Wand im Bereich Stallhof/Quartier VIII. Im Zuge des Auf-
baus des Löwenhofes wird diese dann später neu errichtet. Die Mauer gehörte ursprünglich zum sog. Löwenhaus.




Kommentare:

Muyserin hat gesagt…

Habe ich recht verstanden? Eine alte, d. h. historische Wand wird abgerissen, und dann gemeinsam mit dem Rekonstruktionsbau wieder errichtet?

Lipsius hat gesagt…

Sehr schön zu sehen, dass es auch im Löwenhofquartier losgeht! Ich habe beim Neumarkt ja immer noch die leise Hoffnung, dass in zehn/fünfzehn Jahren die rein touristische Nutzung in ein wirkliches Stadtzentrum übergehen wird. Man darf gespannt sein.

der wolf hat gesagt…

Mir erschließt sich immer noch nicht ganz der Sinn, warum diese Mauer erst abgerissen werden muß, um sie danach wieder zu errichten.
Soweit ich weiß ist diese denkmalgeschützete Wand das EINZIGE erhaltene Stück eines alten Bürgerhauses im gesamten Bereich der inneren Altstadt!
Obwohl das Denkmalamt dagegen war, hat nun ein Gericht der Klage des Investors Baywoba stattgegeben. Die Grünen im Stadtrat sehen "Vetternwirtschaft" am Werk, da das Denkmalamt, als auch das Stadtparlament scheinbar übergangen wurde.
Naja, wäre nicht das erste mal das sowas unglaubliches in Dresden passiert...

Muyserin hat gesagt…

@Lipsius: was macht denn Ihrer Meinung nach ein „wirkliches“ Stadtzentrum aus? Besteht das nicht aus sozialer Durchmischung, aus Spielplätzen, aus Aufenthaltsmöglichkeiten, aus bezahlbaren Wohnungen?

Auf jeder Bautafel ist zur Zeit zu lesen, die Innenstadt werde „exklusiv“ aufgebaut. Wörtlich bedeutet dies nichts anderes, als jemanden auszuschließen.

Mir ist schon klar, dass es einer gewissen Exklusivität bedarf, um Investoren anzuziehen. Aber man darf sich dann nicht der Illusion hingeben, an einem solchen Ort könne jemals ein wirkliches, städtisches Zentrum entstehen.

@der wolf hat gesagt: Darf ich fragen, was Ihre Quelle für den Vorwurf der Grünen ist?

Anonym hat gesagt…

rein touristische Nutzung?
Also ich bin dort gerne mal einen Kaffee oder ein paar Cocktails trinken, gibt ja unzählige Cafés und Bars, so stell ich mir ein Stadtzentrum vor!?

Man sollte mal weggehen davon, dass es in der Stadt EINEN Platz gibt, wo sich alles zentriert. Ist in anderen Städten auch nicht so und finde ich auch sinnvoll, dass Shopping um den Altmarkt und Richtung Prager Straße ist, Café/Bars sowohl in der Weißen Gasse, um die Frauenkirche herum als auch in der Neustadt usw.

der Wolf hat gesagt…

@Muyserin:
Quelle: SZ vom 13.8.2010

Benny hat gesagt…

Ein Teil der unteren Hälfte der weißen Wand ist noch vom alten Bürgerhaus aus dem 17.Jahrhundert. Der Rest wurde zu DDR Zeiten einfach neu errichtet und genau dieser wird jetzt abgetragen. Das bedeutet die ursprünglichen Reste aus dem 17.Jahrhundert bleiben stehen und die 70er Jahre Ziegelsteine werden entsorgt. Die Wand wird wahrscheinlich aus Beton neu aufgebaut, dies alles ist aus Statik Gründen notwendig. Schließlich soll der Löwenhof auch eine Weile halten.

Muyserin hat gesagt…

@ der wolf hat gesagt: Vielen Dank!

@ Anonym: Der Ruf nach (nur) einem Stadtzentrum ist in der Tat einer, der sich an den Maßstäben einer Klein- bis Mittelstadt bemisst: da die Kirche, dort das Rathaus, eine Hauptstraße und der Marktplatz, wo sich alles gesellschaftliche Leben abspielt.

Für eine Stadt von Dresdens Größe, und vor allem für eine Stadt von Dresdens historischer Komplexität sicher nicht realistisch.

Dennoch hoffe ich, dass es den Dresdnern mit dem exklusiven Neumarkt nicht eines Tages so geht wie den Syltern mit Sylt

Anonym hat gesagt…

@ der Wolf,
ich bin zwar nicht vom Fach, aber ich stelle es mir fast unmöglich vor, eine einzeln glatte Häuserwand in ein statisch stabiles Gebilde einzubinden.

@ Benny,
ist der Oberteil der Wand wirklich neueren Datums? Gibt's da eine Quelle?
Und mit dem Beton ist hoffentlich auch nur eine Vermutung von dir?
Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass die Mauer mit den abgetragenen Baumaterialien wieder hochgezogen wird.

Holger

Stefan hat gesagt…

Also ich kann dieses Jammern und Klagen nicht ganz nachvollziehen.
Seien wir lieber froh, daß die Löwenhofresidenz endlich aufgebaut wird. Oder wollen wir lieber für immer auf eine angeblich historische Mauer blicken und Alles drumherum als Brachland lassen?
Man kann ja wohl außerdem nicht gerade am Neumarkt verlangen, daß hier der soziale Wohnungsbau verwirklicht wird. Dies ist wohl in keiner großen Stadt üblich.
Sonst müßte man ja auch am Münchner Marienplatz oder am Berliner Kurfürstendamm nach Sozialwohnungen schreien.
Im Übrigen könnte man auch von diesen 2 genannten Beispielen behaupten, daß sie "ausschließlich touristisch" genutzt werden.
So ein Schwachsinn!
Mann sollte lieber glücklich darüber sein, daß 65 Jahre nach der Zerstörung Dresden endlich wenigstens einen kleinen Teil seiner alten Schönheit zurück erhält.

Muyserin hat gesagt…

@Stefan: Worüber „man“ glücklich sein sollte, lässt sich allemal diskutieren: was für ein homogenes Kollektiv soll denn dieses „man“ sein?

Im übrigen war die Diskussion bis dato ein interessanter Austausch von Informationen und Meinungen. Andere (auch meine) Ansichten kann man gerne kritisieren; sie als Schwachsinn zu diffamieren, ist nicht besonders konstruktiv.

Dakir@DD hat gesagt…

So Jungs, hier für euch zum Nachlesen:

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2530322

Bitte schön...danke schön :-)

Hier ein kleiner Auszug aus dem Artikel:

"Das im 17. Jahrhundert erbaute Löwenhaus diente der Unterbringung wilder Tiere für die Hatzen im Schlosshof und auf dem Altmarkt. Davon übrig blieb nach den Bombenangriffen im Februar 1945 nur ein kleiner Mauerrest. Auf ihm wurde Ende der 1970er-Jahre eine Mauer nahezu vollständig neu errichtet, sagt Baywobau-Chef Berndt Dietze. Die Reste der Renaissancemauer seien nach dem Krieg nur nicht völlig beseitigt worden, um den ungehinderten Zugang zum Stallhof zu verhindern. Nach der Wende erhielt die Mauer neue Farben und ein Blechdach."

Muyserin hat gesagt…

@ Dakir@DD: Vielen Dank! Noch schöner wäre gewesen, es hätte auch noch für ein „& Mädels“ gelangt! ;)

ChriSGD hat gesagt…

Hallo Jungs UND Mädchen,
ob die Mauer abgerissen werden musste, können wir alle nicht endgültig beurteilen. Sicherlich hätte die Mauer unterfangen werden können, der Bauablauf würde aber verlängert, verteuert und die statische Einbindung ist auch schwieriger. Ob die Mauer jetzt so wertvoll ist, dass man solche einen Mehraufwand rechtfertigen könnte, würde ich für mich mit "Eher nein" beurteilen. Sollte die Mauer für eine "moderne" Fassade weichen müssen, würde ich da deutlich weniger Spaßß verstehen. Die werden sich schon Mühe mit dem Wiederaufbau geben.

@Muyserin:
Ich bin z.B. Teil des homogenen "man", da ich auch als Nichttourist gern am Neumarkt bin. Wer nicht hingeht, ist selber schuld. Stefan hat nach meiner Einschätzung recht, dass nur eine hochwertige Nutzung die Errichtung historischer Fassaden möglich machte. (Kaum) (K)ein Investor baut am Neumarkt nur zum Spass, es muss sich rechnen! Man kann nicht alles haben.


Im Übrigen ist die touristische Nutzung der schönsten Bereiche in den Städten dieser Welt nicht eine Dresdner Besonderheit, obwohl das oft so rüber kommt. Ich sehe das eher als Bestätigung für den eingeschlagenen Weg der teilweisen Rekonstruktion. Eiffelturm, Freiheitsstatue, Spanische Treppe, Tower Bridge, Markusplatz - überall viele Touristen und deswegen Un-Orte, die es zu kritisieren gilt?

Benny hat gesagt…

An alle die sich aufregen und keine Ahnung haben speziell Herr Wolf:

Die "komplette" Mauer wurde 1972/73 aus Ziegelsteine errichtet. Da diese teils so marode ist und ihre Standfestigkeit nach der Fertigstellung des Löwenhofes überhaupt nicht gesichert wäre, wird sie nun komplett weggerissen und so wie der Rest aus Beton neu aufgebaut. Die darunter liegenden Kellergewölbe aus dem 17. Jahrhundert bleiben erhalten und werden befestigt.
Der Abriss sollte an sich auch erst später losgehen. Aber bevor wiedermal die Bauspezialisten auch die Grünen genannt, einen Baustopp aushängen, wurde jetzt schon damit angefangen. Somit können die Grünen auch nichts mehr dagegen machen.

Außerdem es ist nur eine Außen Mauer vom Löwenhof! diese war früher nie sichtbar und wird es auch nach der Fertigstellung nicht sein.
Benny

Fotos von den Gewölben und der Mauer auf meiner Seite

Muyserin hat gesagt…

@ ChriSGD: ich stimme Ihrer Einschätzung weitestgehend zu. Es liegt mir fern, die Situation am Neumarkt zu dämonisieren.

Allerdings besteht zwischen den von Ihnen angeführten Sehenswürdigkeiten und dem Neumarkt ein gravierender Unterschied: während Eiffelturm, Freiheitsstatue und Spanische Treppe primär zu Repräsentationszwecken errichtet wurden (d. h. der primär öffentliche Charakter war konzipiert), hatte der Neumarkt als bürgerliches Stadtgefüge immer den Mischcharakter einer Bebauung, die zuvorderst funktional war (Wohnen und Handel) und erst in zweiter Linie dekorativ (Repräsentation). Heute hat sich dieses Verhältnis wohl umgekehrt. In der Mitte das Hyper-Symbolhafte der Frauenkirche, und drumherum Häuser, die in jeder Hinsicht dem Luxus dienen. Noch einmal: das ist keine Kritik, sondern eine nüchterne (wenngleich subjektive) Einschätzung.

Benny hat gesagt…

Kleine Verbesserung zu mein Kommentar (17. August 2010 23:10) und zwar ist nicht die komplette Wand aus den 70er. Sondern nur fast, sprich überwiegend der obere Teil

Benny

ji hat gesagt…

Es ist viel viel VIEL tragischer, dass der Innenhof einfach grausam aussehen wird!