Dienstag, 3. August 2010

Motel One | Palaisplatz

Der aktuelle Stand bei diesem Projekt:



Kommentare:

Pollock hat gesagt…

DAS ist eine der größten Katastrophen der jüngsten Geschichte!
An diesem stadträumlich wichtigen Ort in so exponierter Lage einen derart billiges Gebäudes zu genehmigen, disqualifiziert die Dresdner Ämter endgültig.

Wieso wurde hier seitens des Technischen Rathauses und des Stadtplanungsamtes nicht zumindest ein Fassadenwettbewerb durch den Bauherr gefordert?

WDVS, sichtige Fallrohre, billig wirkende Lochfenster ohne absturzsichernde Verglasung, ein Verbindungsbau mit preiswertester Systemfassade und ein Alibi-Sandsteinsockel machen dieses Gebäude-Ensemble reif für den Preis
"Schlechtester Neubau seit dem Kugelhaus"

Unverantwortlich!

Darki hat gesagt…

Ich persönlich denke nicht, dass bei DIESEM Stadtplanungsamt mit Fassadenwettbewerb etwas viel Besseres herausgekommen wäre - leider. Ansonsten Zustimmung - unterirdische Qualität, aber es ist nun einmal eine Billghotelkette, von daher war das zu erwarten.

Petersburg hat gesagt…

Kurzkritik:

A) Erdgeschosszone: befriedigend.

B) Fassade zwischen 1. Stock und Traufhöhe: ausreichend.

C) Verbindung von A + B: gut.

D) Farbe: gut

E) Dach: Absolut unpassend und einem Kulturerbe (Nähe Japanisches Palais) nicht angemessen. Miserable Konzeption, offenbar mutwillig destruktive Einordnung in noch vorhandendene erhalte Bausubstanz. Hat mit Europäischer Dachlandschaft nichts zu tun.

Resümée: Das grottenhässliche Treppendach macht, ähnlich dem Prisco-vonDöring Projekt, den ansonsten akzeptbablen Entwurf kaputt. Wie üblich hätte man mit geringen Mitteln und minimalen Modifizierungen eine gute konventionelle Architektur schaffen können. Dies wurde leider absichtlich verhindert.

Ich finde es eine Unverschämtheit von Architektenschaft und Modernistenlobby eine solch miserable Architektur der Bevölkerung als "modern" verkaufen zu wollen. Die Architektenschaft, die selber in Altbauten mit Ziegeldächer wohnt, weigert sich hartnäckig, sich der Realität zu stellen und sich endlich zu refomieren.

Ausgerechnet in Dresden, das zumindest im kleinen historischen Kern wieder seinem Ruf als schönster Stadt Deutschlands gerecht wird, wird m.E. die schlechteste zeitgenössiche Architektur errichtet. So hässliche Treppendächer gibt es nicht mal am amerikanisierten Potsdamer Platz in Berlin. Die Architekten sollen sich was schämen!

Muyserin hat gesagt…

Sehr, sehr beliebig, ist das Höflichste, was mir dazu einfallen mag.

Muyserin hat gesagt…

@Darki: Kennt man aber das Leipziger Motel One, war es eben nicht unbedingt zu erwarten.
Der L-förmige Bau des Leipziger Architekturbüros ksg rekonstruierte die Flucht der historischen Nikolaistraße und orientiert sich in seinen Proportionen sowie bestimmten Details wie der Gesims- und Traufhöhe am nahegelegenen Specks Hof. Trotzdem besitzt es auch eine eigene, moderne Identität.

HK hat gesagt…

In den letzten Jahren wurde zu recht oft bemängelt, dass es in der Dresdner Innenstadt zu wenig Hotels der unteren Preiskategorien gibt. Um billige Räume anbieten zu können, muss man entweder "preiswert" Arbeitskräfte beschäftigen oder/und billig bauen und dabei kommt dann halt so etwas raus - kein Hingucker sondern eben ein Zweckbau ohne Schnörkel. Dass es sich bei dieser Lage um einen "stadträumlich" wichtigen Ort handelt, darüber lässt sich streiten - eines ist dieser Ort mit Sicherheit: laut, da verkehrsreich. Wohnen möchte ich dort jedenfalls nicht, zumindest nicht auf Dauer - mag sich auch der Investor gedacht haben und hat mit diesem Konzept wohl auch die richtige Wahl getroffen - Glückwunsch.
Was war denn da vorher? Ein wilder Parkplatz? Ein Gebrauchtwagenhändler? Brache...

Petersburg hat gesagt…

@HK

Sorry, Du hast seltsame Argumente. Stimmen vorne und hinten nicht.

1.
Die "mehr war im Budget nicht drin"-Schiene wird oft herangezogen: "Billig gebaut - dann kommt halt ein Zweckbau ohne Schnörkel heraus", so oder ähnlich hören wir das häufig. Der Postplatz-Kubus hat auch keine Schnörkel, auch reiner Zweckbau. War er kostengüstig? Teuer und dennoch von unglaublich plumper Abartigkeit. Das Argument, kostengünstig bauen müsse zwangsläufig hässlich sein, ist Unsinn.

2.
Wer in einer schwer kriegszerstörten Stadt, in einer Kulturstadt zudem, direkt im Stadtzentrum zwischen historischen Gebäuden nähe Japanischem Palais neue Stadtsubstanz sinnvoll einfügen will, tut dies an einem "stadträumlich wichtigen Ort", aber selbstverständlich.

3.
Mit dem Argument "vorher war wilder Parkplatz, Brache" etc. kann man jede Bauünde legitimieren - denn Dresden ist durch Kriegszerstörung noch heute meilenweit voller Brachen. Folglich ist alles "besser", weil besser als Brache. Das ist absurd.

Mein Credo:
Baukunst sollte sich nicht am untersten Standard orientieren - und in einer weltberühmten Kunststadt erst recht nicht.

Darki hat gesagt…

@Muyserin:

Ja, das ist schon wahr, aber auch dort ist die Dachlösung sehr unbefriedigend, zumindest nach meinem Empfinden.

Pollock hat gesagt…

@ Petersburg:
Ich verstehe Ihre Kommentare nicht ganz. Sie schreiben: "Mein Credo:
Baukunst sollte sich nicht am untersten Standard orientieren (...)" - und dann stellen Sie diesem Bau ein solches Zeugnis [in Ihrem vorangegangenen Post] aus?
Dieses Gebäude stellt so ungeniert seine Billigkeit zur Schau und gerade in dem Billig-System-Verbinder und dem Sockel aus alberner Sandsteinsockel-Nacheiferung manifestiert sich dies besonders.

Gerade diese Sockelfliesen ärgern mich in ganz Dresden und sind eine grassierende Unart, mit der man auf den Behörden die Rufer nach "ortsüblicher" gestalterischer Eingliederung mundtot machen kann: Minimalanforderung formal erfüllt, Optik egal, gestalterische Absicht nicht erkennbar, da ja nicht vorhanden - und ja nicht nach oben schauen, denn ab 3,50m ist Schluss mit "hochwertigem" Fassadenfeeling.

Jede Innenstadt verdient Gebäude mit mehr Esprit, als diese Kist.

Ach ja HK, dass eine Straßenkreuzung laut ist, mach sie ja städtebaulich nicht weniger städtebaulich wichtig.

Muyserin hat gesagt…

@Darki: Inwiefern denn? Das würde mich interessieren.

ApparatBauske hat gesagt…

Ich finde den Entwurf gar nicht so schlimm - er paßt sich an die benachbarte Bebauung in Farbe und Höhe an, hat eine Putzfassade und ein klar abgegrenztes Erdgeschoß. Das Dach stört mich auch nicht - wahrscheinlich sind dort Aufenthalts- oder Frühstücksräume untergebracht, mit Blick auf die Stadt.

Kein besonders toller, aber ein akzeptabler Entwurf... auf jeden Fall wesentlich besser als das neue Einkaufszentrum am Postplatz oder das unsägliche neue Parkhaus und Hotel gleich neben dem Yenidze, das sich auch noch "Dresden Altstadt" schimpft...

Ansonsten: wenn man sich mal anschaut, wie unglaublich fragmentiert Dresden an dieser Ecke ist (Brachen, dahinter noch eine Ruine), sind mir tatsächlich solche Projekte lieber als der Ist-Zustand. Das trifft aber andererseits auf wirklich gruselige Neubauten wie das genannte Hotel "Dresden Altstadt" nicht mehr zu...

Klar würde ich mir überall einen einfühlsamen Lückenschluß wie in der Köningstraße mit wirklich großartigen Neubauten wie dem Bülow Residenz wünschen, aber realistischerweise werden solche aufwendigen Projekte niemals in der Fläche realisiert werden können...

Darki hat gesagt…

@Muyserin: Betrifft vor allem die Ansicht vom Nikolaikirchhof aus. Da fehlt mir das Vermittelnde zwischen der alten Nikolaischule. Wie man es auch dreht und wendet, es wirkt einfach, als hätte das Motel-One eine Etage zu viel, zudem natürlich, was auch sonst, ein Flachdach. Dies mag in der Flucht zur Nikolaistraße noch angehen, vom Nikolaikirchhof aus wirkt es plump.

Beobachter L hat gesagt…

Nur so funktioniert Motel One.

Die Gebäude ansich sind überall so schlicht, preiswert - optisch vielleicht billig.
Aber die Hotelkette legt ihren Fokus ganz klar auf die Innengestaltung. Die ist hochwertiger als bei manch einem 4* Sterne Hotel. Das geht bei Loewe Fernsehern und Dornbracht Armaturen los, geht über Artemide Leseleuchten zu ganz speziell angefertigten Teppichen und hochwertigen Bädern mit echtem Granit.

Von "Billig"-Kette kann daher schon einmal keine Rede sein.

Da das aber ein Baublog ist, verstehe ich, dass der Bau ansich auseinander genommen wird.

Muyserin hat gesagt…

@Darki: danke für die Klarstellung. Ich werde das beim nächsten Leipzig-Besuch nochmals kritisch beäugen.

Anonym hat gesagt…

Von der Ästhetik her stimmt einzig die Dimensionalität dieses Baus. Fassadengestaltung und vor allem Dach sind unterste Schublade. Ich gebe Petersburger recht, an dieser Stelle (Japanisches Palais, Eckbau) einfach unpassend.

THE WOERTH hat gesagt…

Ich schließe mich ApparatBauske an. Im Vergleich zum neuesten Schmankerl in der Friedrichstadt geradezu eine Offenbarung. Peinlich genug...

Anonym hat gesagt…

Sorry das Motel passt an dieser Stelle gar nicht,Japanisches Palais und gleich nebenan 08/15 billig Motels...
Farbgestaltung schönes Krankenhaus weiß anstatt farblich "wenigstens" sich am Umfeld zu orientieren!
Es ist wie immer nur billig Bauweise und schnelles Geld verdienen wichtig!!

Gruß Ronny

Muyserin hat gesagt…

@ Ronny: Über die ästhetischen Qualitäten des Baus mag man geteilter Ansicht sein, aber das Argument, neben ein Palais gehöre kein Billigmotel, ist ein wenig naiv. Soll man denn neben Palais' nur hochherrschaftliche Residenzen bauen? Wohlgemerkt, es handelt sich um ein EHEMALIGES Palais, das heute Kunstgüter verwaltet, die dem Volk gehören, und nicht um den Buckingham Palace! Es muss auch Unterkünfte für weniger betuchte Touristen geben, ohne dass diese an den Stadtrand verfrachtet werden.