Dienstag, 31. August 2010

Sachsenbad | Wurzener Straße 18

Bilder vom aktuellen Zustand des Sachsenbads in Pieschen. Kürzlich gab die Stadt eine Studie in Auftrag, wie
eine künftige Nutzung aussehen könnte. Problem ist die Finanzierung, für keines der Varianten stehen Gelder
zur Verfügung. Die Geschichte des Sachsenbades kann man hier sehr schön nachlesen.






Kommentare:

Christiane hat gesagt…

Schade, dass es dem Verein Pro Pieschen bisher nicht gelungen ist Fördermittel für den Erhalt und die Umwandlung des Sachsenbades zu erhalten. An Ideen mangelt es nicht. So verkommt dieses markante Bauwerk aus den 20-er Jahren weiter. Genauso, wie es dem Alpenverein nicht gelungen ist, Fördermittel für den Erhalt und die Umwandlung des alten Getreidespeichers der Bienertmühle, auch ein Bau der 20- er Jahre, wenn auch ein Industriebau, in Dresden Plauen zu erhalten.

THE WOERTH hat gesagt…

Dafür hat man ja jetzt die Autobahnbrücke am Waldschlösschen. Man muß Prioritäten setzen.

Muyserin hat gesagt…

Also, ich weiß ja nicht: diese 20er-Jahre-Formen. Dieser Bauhaus-Stil. Das passt einfach nicht nach Dresden! In unser schönes Elbflorenz gehört einfach auch ein barockes Schwimmb … – was sagen Sie? Zu Augusts Zeiten keine öffentlichen Bäder? Das glaube ich nicht, dass ein so kunstsinniger Herrscher sich nicht auch um die Volkshygiene verdient gemacht hätte. Zumindest einmal wöchentlich allgemeines Pudern auf dem Neumarkt wird es doch gegeben haben. Und Perücken für die Untertanen! Insofern ist der Volksgedanke vielmehr eine Dresdner, denn eine Weimaranisch-Dessauische Philosophie.

P.S. Kunstaktion fürs Sachsenbad!

gmargtrader hat gesagt…

passt wirklich nicht. Meiner Meinung nach schreckliches Ding.

Robby hat gesagt…

@ THE WOERTH
... jetzt ist natürlich an diesem Bauzustand auch die Waldschlößchenbrücke schuld. Schon klar...

Perücke hat gesagt…

@Muyserin
...ich finde auch, man hat sich in Dresden halt für eine andere Epoche und einen anderen Stil entschieden und damit basta! Das öffentliche Pudern fand übrigens meines Wissens im großen Garten statt... auf dem Neumarkt schwieg man andächtig ob der Pracht des Gesamtkunstwerks...
Der Zustand des Sachsenbades ist traurig..

THE WOERTH hat gesagt…

Tja Robby, vielleicht öfter mal SZ lesen? Als Grund für die Nichtsanierung nennt die Stadt die Mehrkosten bei der Waldschlösschenbrücke in Millionenhöhe . ;) Und das ist nicht das erste Projekt, dass wegen der WSB momentan nicht angegangen werden kann.

THE WOERTH hat gesagt…

Perücke hat geschrieben:

"...ich finde auch, man hat sich in Dresden halt für eine andere Epoche und einen anderen Stil entschieden und damit basta!"

Diese Aussage ist ebenso sinnvoll wie ihr letzter großer "Anti-Beitrag".

Robby hat gesagt…

Nur leider ist das Bad seit 1994 geschlossen und da war von Mehrkosten der WSB nun wirklich noch keine Rede. Es gab immer einen Grund warum die Stadt als Betreiber die Sanierung gescheut hat. In erster Linie wird sicherlich die Wirtschaftlichkeit gestanden haben. Ich bin immer für eine Sanierung zu haben, aber es muss auch einen Nutzen haben.

Bauing. hat gesagt…

Bei dem Gebäude kann man nur eins machen, Sicherung der Vorderfront für eine neue Nutzung und den Rest abreißen.
Hier muss ein privater Investor her, die Stadt kann so was nicht weiter halten und noch betreiben.

Muyserin hat gesagt…

@THE WOERTH: Ich kann mich irren, aber ich glaube, Perücke meinte das ironisch (ich hoffe es zumindest). :)

Perücke hat gesagt…

...natürlich war das ironisch gemeint. Es ist eben so, dass Pieschen nicht unbedingt im Mittelpunkt des Interesses steht und sich der Betrieb des Bades wohl wirtschaftlich gar nicht so einfach darstellen lässt. Früher hatten die Leute keine Bäder zuhause und waren auf solche Einrichtungen angewiesen, heute ist das anders und die Energiepreise machen den Betrieb zusätzlich schwer. Hier wird einfaches Fordern und Jammern nicht viel helfen, da muss eine gute Idee her.

Pedder's Burch hat gesagt…

Die Moderne wird wieder mal Opfer ihrer eigenen Dogmen: Jemand schrieb korrekterweise, früher hatten die Leute keine Bäder zuhause und waren auf solche Einrichtungen angewiesen. Heute erfüllt das Gebäude diese Funktion nicht mehr, und ist somit durch den Wandel der Zeiten obsolet.

Nun könnte man zwar die Funktion ändern und das Gebäude erhalten, wie es ja häufig getan wird (Getreidespeicher wird Hotel etc); aber nach der reinen Doktrin des Funktionalismus wäre das verboten. Das heisst: Die "modernen" Erbauer dieses Gebäudes, die vor 100 Jahren dachten sie blieben ewig "jung und modern", haben durch ihre eigene Funktionalistische Doktrin gleichzeitig die Existenzberechtigung für ihr Gebäude verneint; nach ihrer Doktrin müsste es jetzt weg, da es seine Funktion nicht mehr erfüllt. Natürlich könnte man es trotzdem erhalten, aber dann widerspräche es der Intention seiner Erbauer.

Mir zwar völlig wurscht, ich finde das Gebäude wie gesagt nicht schlecht (ein Meisterwerk allerdings auch nicht). Wollte nur darauf hinweisen, wie unehrlich "moderne" Architektur in ihrer Argumentation ist.


@Muyserin

Doch, Bauhaus passt sehr gut nach Dresden. Wenn es gut gemacht ist. Sehr viele der Füllbauten am Neumarkt erfüllen die Bauhaus-Dogmen (z.B. Köckeritz) , und die fügen sich sehr gut ein. Ich finde das Sachsenbad nicht schlecht. Vielleicht können Sie dennoch nachvollziehen, dass die Menschen weltweit eben doch Theaterplatz & Co. beeindruckender finden....aber nicht weil man sich dort so toll die Neese pudern kann. Übrigens, 1920er ist kein einheitlicher Stil. Dieses Gebäude orientiert sich noch definitiv an Europäischer Architektur, während z.b. die gestapelten Schacheln an der Herzogin Garten dies nicht tun. Ich denke es ist ein Vorurteil wenn Sie glauben dass die Dresdner keine moderne Architektur mögen: Ich denke, die Dresdner mögen einfach keine schlechte Architektur.

THE WOERTH hat gesagt…

Nun denn, es sei mir vergeben (wobei ich auch der ironischen Aussage nicht ganz folgen kann).

Ihrem letzten Kommentar allerdings möchte ich mich teilanschließen.

Modernix hat gesagt…

@pedders burch

Diesen Kommentar kann man so nicht stehenlassen. Wer hat denn behauptet das Gebäude sei obsolet? Ich glaube niemand hier, oder? Lediglich als Schwimmbad wird es sich vermutlich schwer wieder betreiben lassen.
Die Überlegungen zur Nachnutzung folgen wohl auch eher Belangen des Denkmalschutzes als rein funktionalistischen Erwägungen. Ich glaube so manche Nutzung historischer Gebäude widerspräche der Intention der Erbauer und der Hinweis, dass "modernistische Architektur unehrlich in der Argumentation" sei, ist völlig unverständlich. Architektur argumentiert nicht, weder ehrlich noch unehrlich. Das können nur die Kritiker..

Petersburg hat gesagt…

S.g. Herr ModerNix,

der Funktionalismus, Grundlage angeblich "moderner" Architektur, besagt dass Form und Struktur eines Gebäudes sich ausschliesslich nach seiner Funktion zu richten haben - Elementarwissen der Architekturtheorie. Ist die Funktion nicht mehr gegeben, ist somit auch das Gebäude obsolet und muss abgerissen werden. (Und kann dann z.b. durch einen geschmackvollen Glaskasten mit kalten, seelenlosen Fassaden ersetzt werden).

Das sage nicht ich, sondern die Funktionalisten. Heutige Architektur beruht noch immer auf dem veralteten Funktionalismus; "moderne" Architekten reden ständig von der Nutzung, nie von der urbanen Integrität. Wie das Gebäude aussieht, scheint völlig egal.

Dass man historische Gebäude funktionsfremd weiternutzt, hatte ich ja erwähnt. Das ist aber nicht im Sinne modernistischer Theorie. Ich halte "Form follows function"-Modernismus und diesen ganzen verstaubten 100 Jahre alten Unsinn für überholt.

Und: Ja, modernistische Architektur bzw. ihre Erbauer sind häufig unehrlich. Ich akzeptiere, wenn Sie anderer Meinung sind.

mfG

Modernix hat gesagt…

@Petersburg

So tiefgreifend wie Sie sich mit "Modernismus" beschäftigt haben, sind Sie natürlich zu kompetenter Kritik berufen (ist ja schließlich "Elementarwissen").
Immerhin akzeptieren Sie, dass ich anderer Meinung bin. Was halten Sie denn für "unehrlich" an den Erbauern zeitgenössischer Architektur??