Dienstag, 23. November 2010

Umbauarbeiten | Pirnaischer Platz




Kommentare:

der Wolf hat gesagt…

" Wie liegt die Stadt so wüst..."

petersburg hat gesagt…

Der Pirnaische Platz ist so ziemlich eines der schlimmsten Verbrechen, die jemals einer Stadt zugefügt wurden.

Jetzt wird die Strasse neu asphaltiert, danach stellt Helga ein paar Blumenkübel hin und nennt es "Stadtplanung" - die Albtraumarchitektur hingegen bleibt die gleiche. Solange man die nicht ändert, kann man an dem Platz so viel rumdoktern wie man will - hässlich bleibt hässlich.

Was ein widerwärtig-abartiger Platz das ist. Und man muss sich dabei vergegenwärtigen: auch diese gründlich versaute Ecke Dresdens war urban und schön, bevor man die Modernistenversager ranließ. Unglaublich, was die alles verbrochen haben.

Anonym hat gesagt…

Bin sprachlos. Ich hatte nicht gewusst, daß es relevante Teile von Dresden gibt, die so unglaublich häßlich sind

petersburg hat gesagt…

@Anonym


Das schlimme ist, es handelt sich hier nicht um irgendeinen Platz. Es ist einer der grössten und wichtigsten Plätze der Dresdner Innenstadt, übrigens direkt am Kurländer Palais, also wenige Meter vom Neumarkt. Und er ist völlig zerstört, eine Mischung aus Brache und wild durcheinandergeworfenen Plattenbauten, die keinerlei städtisch-gewachsener Struktur folgen sondern vielmehr jegliche gewachsene Struktur sprengen. (Was damals ja Absicht war, heute längst als Fehler erkannt ist).

Das Neumarktviertel, das meiner Ansicht nach bereits jetzt phantastisch aussieht, wird in wenigen Jahren fast geschlossen sein, übrigens wird auch der "Kulturpalast" dermassen von Neu-Altbauten umstellt sein, dass er vermutlich von Norden aus immer unsichtbarer sein wird, so dass er hauptsächlich nur noch den Altmarkt verunstalten wird. Das heisst, wir haben dann wieder einen geschlossenen, wiederauferstandenen Dresdner Stadtkern, der sich von Zwinger im Westen bis Kurländer Palais erstreckt und zu weiten Teilen so aussieht wie vor der Zerstörung. Aber sobald du dieses "intakte" Viertel verlässt, bricht die Welt weg. Mir so ergangen als ich aus der Landhausstrasse kam, und über die Ampel ging. Man ging von einer Welt (für mich das "echte" Dresden) in eine völlig andere (austauschbare Betonleere ohne Stadt), und das nur beim Ampel überqueren! Ein mehr als absurdes Erlebnis.

Wenn sich aus den Reihen der GHND eine neue Organisation gründet (was sehr wahrscheinlich ist), die über den Neumarkt hinaus Einfluss nehmen will, sollten Plätze wie Pirnanische Platz, Strassburger Platz etc. auf der Prioritätenliste an erster Stelle stehen. Dieses unglaublich hässliche Gebiet kann so nicht bleiben. Wir brauchen einen Bebaungsplan, mit wirklich modernen Häusern, siehe Kollhoff, Krier etc.


mfG

Pollock hat gesagt…

Verstehe die Kommentare hier nicht.
Dass eine Straßenkreuzung im Zustand einer Großbaustelle an einem tristen, grauen Novembermorgen keine ästhetische Verzückung ist, dafür bedarf es keiner Fotos, schon die reine Vorstellungskraft wäre ausreichend.

Einen Rahmenplan für den östlichen Altstadtring gab es bereits. 1995 gewann das stuttgarter Büro MDM diesen Wettbewerb, der einen radikalen Rückbau der Straßenschneise und eine hohe städtebauliche Verdichtung vorsah.
Geprägt war dieser Entwurf damals noch von dem Glaube an ein schnelles wirtschaftliches und demografisches Wachstum Dresdens.
Der Entwurf ist daher aus heutiger Sicht kaum realisierbar, das Schneckentempo am Wiener Platz und Postplatz zeigen zu deutlich, was die Immobilienwirtschaft Dresden zutraut und was daher heute möglich ist [es darf natürlich jeder hier im Forum selbst 25 Mio. Euro auftreiben, und ein Gebäude, dass seinen Ansprüchen Genüge tut, hochziehen].

Ehrlich gesagt, bin ich aber irgendwie auch froh, dass der Pirnaische Platz von den aktionistischen Überformungen bisher verschont geblieben ist. Es ja gerade nicht so, dass hier schon irgendjemand "modernistische" Investorenarchitektur hingestellt hätte. Vielmehr verstehe ich den Platz heute als Freilichtmuseum sozialistischen Stadtbauverständnisses. Dresden sollte erst einmal seine Hausaufgaben machen und die bereits in Planung befindlichen Stadtgebiete entwickeln, statt ohne Grund immer mehr urbane Brandherde zu generieren.

Max hat gesagt…

Dieses Bauvorhaben ist ein typisches Beispiel dafür, das der Stadtplanung das nötige Gefühl für eine sinnvolle vor allem ästhetische Stadtentwicklung fehlt.

Diese riesige Kreuzung mitten in der Stadt ist doch völlig unsinnig. -> Die beiden Fahrspuren auf die in Richtung Hbf führende Seite zusammenlegen. Strassenbahn daneben, schon ist es eine ganz normale Kreuzung 2er Stadtstraßen.

Und vor allem diesen abgründigen Hochhausbau im Stil und Ambiente von Decins Vorstadt abreißen..

Und es gibt wieder Platz für Kaiserpalast und einen würdigen Anschluss an die Altstadt.

usw. usw.

der Wolf hat gesagt…

wunderbar eure Vorschläge! Ihr werdet gebraucht Leute! Jeder einzelne kann etwas tun... es hat sich in DD vor kurzem eine kleine Gruppe gegründet, die bald mit eigener Homepage und Aktionen an die Öffentlichkeit treten wird, als Ergänzung zur GHND.
Weitere Infos folgen zur gegebenen Zeit...

UrKa hat gesagt…

Herr Pollock hat völlig recht!
Man braucht sich überdies nicht einzubilden, dass derartige Plätze im urbanistisch-verdichteten Westen irgendwie besser aussehen. Ganz abgesehen davon, dass dieser Platz immer funktional definiert war und dass hier niemals etwas wirklich Bedeutendes gestanden ist. Natürlich wird jener formal völlig verunglückte Protzbau von dem einen oder anderen 'zurückgesehnt', aber das ändert nichts am grundsätzlichen Sachverhalt. Der Pirnaische Platz war immer eine dem Verkehr diende Freifläche am Rand der Innenstadt, und solche Flächen sehen eben heute anders aus als anno dazumal, wie sich auch die Art des Verkehrs und dessen Aufkommen geändert haben. Das kann man durchaus kritisieren, man kann auch autofreie Städte fordern, aber den Pirnaischen Platz isoliert zu beklagen ist ein Geschrei um Symtome.

perücke/Bieberkopp/fischgrätenmantel hat gesagt…

Ich halte auch so Äußerungen wie jene vom schlimmsten Verbrechen, das je einer Stadt zugefügt wurde, für völlig überzogen. Vernünftige stadtplanerische Konzepte wie hier zumeist anzutreffen werden dadurch nur desavouiert oder gar ins Lächerliche gezogen. eine Kreuzug ist eben eine Kreuzung, und hierin erschöpft sich ihre Funktionalität, so wie die Funktionalität des Neumarktes nicht mehr agoral zu verstehen ist, sondern ausschließlich in seiner Ästhetik liegt. Plätze wie der Pirnaische können erst dann gestaltet werden, wenn das Umfeld, also der Raum der mittelalterlichen Inenstadt sinnvoll gefüllt ist, bis dahin ist er ein auf seine Funktionalität beschränktes Provisorium.
Abgesehen davon, dass er nicht so übel aussieht: in der ästhetischen Anspruchlosigkeit, der Beschränkung auf bloße Funktionalität liegt eine gewisse innere Wahrhaftigkeit. Vielleicht fehlen manchen allerdings die grellen Reklameschilder des Westens. Vielleicht ist damit jene Belebung gemeint, die hier so fehlen soll.

Anonym hat gesagt…

"Und man muss sich dabei vergegenwärtigen: auch diese gründlich versaute Ecke Dresdens war urban und schön, bevor man die Modernistenversager ranließ. Unglaublich, was die alles verbrochen haben."

Etwas verwirrt, diese Zeilen. Diese Ecke war vor der Versauung durch die Modernistenversager keineswegs urban und schön, sondern eine trostlose Ruinenlandschaft, wie auch die restliche Stadt.

Irgendwie scheint sich für manche Übertreiber von Berufswegen der Umstand der Bombenangriffe auf Dresden noch nicht durchgesprochen zu haben. Nein, zwischen dem heutigen und dem alten Zustand gab es noch das Zwischenstadium des Nichts, Herr Petersburger. Und die braven Leute, die hier Wohnraum für die werktätige Bevölkerung geschaffen haben, waren nicht diejenigen, die die alte Substanz beseitigt haben. Das bürgerliche Dresden wurde nicht von hasserfüllten Kommunisten zerstört, was man bei Ihren Ergüssen leicht vergessen könnte. "Zweite, dritte Zerstörung - das ist doch alles Quatsch. Was zerstört ist, kann man nicht nochmals zerstören. Wenn auch der Wiederaufbau sicher nicht alles richtig gemacht hat, besteht für Ihre Hetzerein kein Grund.

StefaniusBieberPerücke hat gesagt…

@ Anonym,

na das ist nich ganz richtig, es gab damals bei Dresdens Entscheidern, die Tendenz zur modernen sozialistischen Großsstadt. Dieser Vorstellung wurde in der Tat eine Menge Bausubstanz geopfert, welche ggf. sogar nur leicht beschädigt war. So war z.B die halbe Prager Strasse in so "gutem" Zustand, das bereits in den 40iger Jahren Geschäfte wiedereröffnet wurden und die Inhaber anfingen die Häuser zu reaprieren. Es gab damals eine relativ große Lobby, welche sich im Rat der Stadt für Reperatur und Wiederaufbau der Prager einsetzte. Letztendlich setzte sich allerdings der "moderne" Vorschlag eines Leipziger Architekturbüros durch.

Dase hat gesagt…

@ Max: Soso, man legt also die Autospuren zusammen, reißt die Häuser im Hintergrund und hat? Noch mehr Brachfläche. Die auch noch mit anderen wieder zu bebauenden Flächen im Dresdner Stadtzentrum konkurriert. Grandiose Idee. In dieser Hinsicht vollkommene Zustimmung an Pollock, ein allzuschnelles Schaffen von Tatsachen hätte hier in der Tat einen neuen urbanen Brandherd generiert.

Max hat gesagt…

@Dase:
Wer redet denn von neuen Brachflächen.

Der Bedarf an innerstädtichem Bauland wird weiter steigen. In Paris werden zum Bsp. Rekorderlöse erziehlt. (Ja sicher Paris ist nicht Dresden.... warum eigentlich nicht!)

Es geht doch darum Perspektiven zu schaffen, und nicht auf Jahrzehnte hinaus das teure und wertvolle Stadtgebiet mit Straßen zu versiegeln.
Ein Blick auf den Grundriss von vor '45 zeigt doch wie eine Stadt ästhetisch und sinnvoll gestaltet werden kann.
Auch bei zeitgemäßen Verkehrsverhältnissen.

Ja sicher, wir lassen alles beim Bestand und erfreuen uns an der Fehlplanung der letzten Jahrzehnte.

Diese steht doch wohl außer Frage...

Wenn Dresden nicht durch die 45er Katastrophe geglättet worden wäre, würden wir uns heute über enge Straßen und, zwangsweise weniger Verkehr in der Innenstadt freuen. Und es müsste auch gehen.

Was sollen diese ganzen Bundesstraßen, mitten durch die Stadt. Es fehlen doch Konzepte diese ganz aus der Mitte zu bringen.

Was aus vielerlei Hinsicht von Vorteil wäre.

So wird nur ... Straßenöde "generiert"

Dingge hat gesagt…

Wer redet denn von Brachflächen? Die Realität.

Dresden hat jede Menge nicht bebauter Flächen in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum. Da wäre zunächst der Ferdinandplatz, als ich studienbedingt nach Dresden gezogen bin befand sich dort eine Wiese, heute versiegelte Parkplätze. Eine bessere Lage als diese Flurstücke gibt es kaum, trotzdem hat in den letzten 20 Jahren niemand drauf gebaut.
Richtung Westen schließt sich die Wilsdruffer Vorstadt an. Riesige Brachen und leerstehende Industrie- und Gewerbebauten z.B. am Schützenplatz, Am Schießhaus, Wettiner Platz, entlang der Schützenstraße. In der inneren Neustadt gibt es an den Ost- und Westrändern großflächige Brachen (Robert-Blum-Straße, Hainstraße, Wigardstraße, Wihelm-Buck-Straße,...). Die Hälfte der Südvorstadt-Ost besteht aus Brachen bzw. Baracken, und direkt außerhalb des Bahndamms schließen sich Brachen von der Größe der Dresdner Altstadt an.

Ja, es stimmt, ab und an wird neu gebaut, Townhouses, Musikschule, Netto, Parks. Aber bei dem derzeitigen Bau-Tempo wird es Jahrzehnte dauern, bis sich alle Brachen der Innenstadt gefüllt haben - Und Hoffnungen, die Geschhwindigkeit würde sich erhöhen, habe ich kaum. Der demographische Trend sagt ziemlich eindeutig anderes voraus.