Samstag, 16. April 2011

Q VIII | Aktuell







Kommentare:

M. Brock hat gesagt…

Oh mein Gott, sie kleben wieder...
Wenn schon eine (Fassaden-) Rekonstruktion, dann bitte mit wissenschaftlichem Anspruch. Die einzigen Bauten, die diesen Anspruch auch in handwerklicher Weise bisher erfüllen, sind British Hotel (Fassade) und Rampische 29 (Fassade und innere Struktur). Wenn diese Qualität nicht erreicht werden kann, darf die Lösung nur aus neuer, eigenständiger Architektur bestehen! Die hier gezeigten Bauten sind eine Verballhornung der alten Architektur und degradieren diese zur reinen Attrappe, die in spätestens 25, 30 Jahren auf der Bauschuttdeponie landet.
Wer die hervorragenden Rekonstruktionen z. B. in Hildesheim (nur Knochenhaueramtshaus) oder Warschau (Altstadt und Neustadt, zum Teil recht frei nachgeschöpft) kennt, weiß um den Wert dieser Qualität.

Martin hat gesagt…

Gott allein weiss, warum das Haus hinten in der Kanzleigasse ein graues Dach bekommen musste...

the woerth hat gesagt…

"Wenn diese Qualität nicht erreicht werden kann, darf die Lösung nur aus neuer, eigenständiger Architektur bestehen!" = Dogmatik

"Die hier gezeigten Bauten sind eine Verballhornung der alten Architektur und degradieren diese zur reinen Attrappe" = Ideologie

the woerth hat gesagt…

Zitat Martin: "Gott allein weiss, warum das Haus hinten in der Kanzleigasse ein graues Dach bekommen musste..."

Das weiß vor allem die Gestaltungskommission.

Ein alter Dresdener hat gesagt…

An M. Brock : Architektur heißt Gestaltung. Seien wir doch dankbar, daß es noch Investoren und Architekten gibt, die Fassaden gestalten, auch wenn für den Baukörper selbst zeitgemäße Materialien und Techniken angewendet werden. Es bedarf doch gar keiner Diskussion, daß nur auf diese Weise eine urbane Struktur geschaffen werden kann. Die sogenannte moderne Architektur kommt in Dresden über einfallslose Kuben nicht hinaus, zu besichtigen auf der Prager Str., dem Postplatz und aktuell an dem Erweiterungsbau der Altmarktgalerie usw. Gönnen Sie doch der Stadt wenigstens das kleine Neumarktgebiet in historischer und historisierender Bauweise, wo sich die Menschen auch wohlfühlen können.

Stephan hat gesagt…

Ja mein Gott dann hat es halt ein graues Dach!
Sechzig Jahre eine Brache, freut Euch dass diese Wüste, Tristesse endlich ein Ende hat, in Gottes Namen auch mit grauem Dach!!
Und wenn in 30 Jahren vielleicht was "mit wissenschaftlichem Anspruch" gebaut wird, so werden sich abermillionen Touristen an dieser Neubebauung trotzdem erfreut haben.

Anonym hat gesagt…

@Martin
Vermutlich weil der Architekt nichts sinnvolleres auf die Reihe gebracht hat womit das Haus Blicke auf sich ziehen könnte.

Georg Gemander hat gesagt…

Mir macht Bild 11 Mut. Wo bis vor ein paar Jahren eine Parkplatzwüste zwischen der Ruine des Schlosses und des Taschenbergpalais', dem Kulturpalast und dem Polizeipräsidium herrschte, kehrt hier eine Urbanität zurück. Hier entsteht eine Gasse einer normalen mitteleuropäischen Stadt wieder.

Und was das graue Dach angeht. Wenn man sich die Dimensionen der Gasse ansieht, wird das Dach kaum ins Gewicht fallen. Da schaut man schlicht und ergreifend nicht hin. Und der Blick vom Stallhof - ach Gott, man wird einen Blick auf die benachbarte Dachlandschaft haben und um meine Großmutter zu zitieren: Das guckt sich weg.

uc hat gesagt…

@Mr Brock
Nun, so wissenschaftlich war die Reko der Warschauer Altstadt wieder auch nicht. Alles in allem ein Stück des realen Sozialismus, und als solches ein Zeugnis seiner Zeit. An hervorreagenden Rekos wäre in DD noch das Köhlersche Haus und der Erker des Schützhauses anzuführen, insgesamt ist der Schnitt daher gar nicht so schlecht. Dass das Quartier VIII alles andere als optimal ist, braucht nicht extra moniert zu werden, aber auch hier gilt: es ist ein Kind seiner Zeit und der herrschenden ökonomischen und sozialeen Verhältnisse. Und dafür ist es wahrscheinlich sogar mehr, als man erwarten kann. Pragmatisch gesehen: wer unbedingt kritisieren will, soll sich doch an Altmarkt-Willsdruffer- Postplatz halten.

Peter S. Burg hat gesagt…

Es ist schon amüsant zu sehen wie ausgerechnet die Baulobby-hörigen Modernisten "mit wissenschaftlichem Anspruch" fordern. Wer bekämpft denn die Bürgerinitiativen wie die mutige GHND, die seit Jahren nichts anderes sagen, bis aufs Messer? Das ist doch wohl die Modernistenlobby. Die GHND hat stets wissenschaftlich korrekte Rekonstruktionen gefordert. Es ergibt doch keinen Sinn, erst die GHND zu bekämpfen und diffamieren, und dann, kaum dass die Gebäude stehen, vorzugeben das Gleiche zu fordern. Absurd.

Zur beliebten Frage, ob Rekonstruieren "erlaubt" ist: diese Frage ist eine höchst alberne, wird aber immer wieder gerne von der Modernisten- und Finanzlobby aus der Mottenkiste der Geschichte hervorgekramt. Rein rechtlich gibt es keine Norm die das untersagt, und von Ethischen Standpunkt gesehen ist es unstrittig dass Rekonstruktionen sogar notwendig sind. Ausserdem frage ich mich: Wer maßt sich überhaupt an, den Menschen den Wiederaufbau ihrer Stadt verbieten zu wollen?

Zum BAYWOBAU-Projekt speziell: Ich denke wir alle sind uns einig, wenn Rekonstruktion, dann wissenschaftlich korrekte. Da aber gerade die Modernistenlobby z.b. in Form des reaktionären Gestaltungsbeirates genau dies immer verhindert hat (und sich hinterher witzigerweise laut darüber beschwert), müssen wir uns mit Realitäten auseinandersetzen. Das Projekt steht nun mal, ob es jemandem gefällt oder nicht - und es wird nicht das letzte dieser Art sein. Anfangs war ich nicht sicher was ich davon halten soll. Aber inzwischen ist meine Meinung zu diesen "Hybrid-"Rekonstruktionen ist inzwischen relativ klar: Wie den meisten, wäre auch mir die wissenschaftlich korrekte Reko lieber. Dennoch ist auch die wissenschaftlich weniger korrekte Rekonstruktion noch immer eine Rekonstruktion, und wenn ich die Wahl habe zwischen "hybrid"-reko oder und Volksverdummungs-Architektur à la ECE und ähnlichen Bunkern, dann entscheide ich mich für die "Reko II Wahl".

Ich jedenfalls freue mich sehr über das Projekt, hier wird ein ganz entscheidendes Areal der Dresdner Altstadt wiederaufgebaut, und ausser dem hässlichen Löwenhof und den Kassenbon-Fenstern Ecke Kanzleigässchen kann ich wenig entdecken was zu kritisieren wäre. Die Betonplatten dahinter finde ich wie gesagt nicht so toll, da sie aber das Bauwerk optisch nicht verschandeln sehe ich darüber hinweg. Ausserdem: Das sind doch "moderne Materialien", "Baustoffe unserer Zeit", oder? Ich weiss also gar nicht was die wieder mal überreagierende Modernistenlobby will? Reko mit hochmodernen Mitteln, na wenn das nicht avantgardistisch ist? Wer auf "Zeitschichten" scharf ist, kommt doch hier voll auf seine Kosten: Nirgendwo sieht man den Konflikt Modernistenlobby versus Bevölkerung besser als an diesen Hybrid-Rekos: Die Bevölkerung hat sich bei der Gestaltung durchgesetzt, und die Modernistenlobby z.b. bei der Materialwahl. Das Ergebnis sind hybride Bauwerke, die genau diesen Interessenkonflikt wunderbar widerspiegeln.

Dennoch bin ich der Meinung, die GHND sollte unbedingt weiterhin mutig und mit Kraft darauf drängen, wissenschaftlich korrekte Rekos zu bauen, diese bleiben nach wie vor das Ideal. Was aber für mich nicht unbedingt heisst, dass wenn Hybrid-Rekos kommen, wir diese ablehnen müssen. Ein ganz entscheidender Faktor ist nun mal das Stadbild , und dieses Projekt fügt sich wunderbar ins Dresdner Stadtbild ein.

Ich sage ganz klar: Lieber Rekos "II.Wahl", als noch mehr ECE- und Florana-Katastrophen.

Kurt hat gesagt…

Für mich sieht das nicht nach zweiter Wahl aus. Und das liegt vor allem an der Kleinteiligkeit.

Es gibt immer die Möglichkeit die Ansprüche noch höher zu fahren. Zum Beispiel könnte man das Hilton teilweise wieder abreissen und es besser, kleinteiliger machen. Zum Beispiel könnte man auf Kleinteiligkeit am Altmarkt drängen. Wenn das Palais de Saxe gebaut werden wird hat man inzwischen noch höhere Standards und noch mehr Erfahrung. Auch der Pirnaische Platz drängt sich nach einer Verbesserung. Der Advantariegel wird eines Tages der Sophienkirche weichen.

Man kann am Kröpke in Hannover oder am Berliner Alexanderplatz ganz gut sehen, wie man sich im Erscheinungsbild durch Einfügen ins Weichbild verbessern kann.