Donnerstag, 26. Mai 2011

Wettiner Platz

Am ehemaligen Standort der Jakobikirche am Wettiner Platz errichtet man derzeit das sog. Wettiner Dreieck. Nach dem Abbruch der Jakobikirche im Jahre 1953 befand sich hier eine einfache Wiese. Nun
wurde die Platzanlage neu gestaltet, außerdem erinnnert das Areal mit vielen gestalterischen Elementen an die Jakobikirche. So kehrt auch ein Originalteil der Kirche zurück an seinen Ursprungsort.





Kommentare:

peter s. burg hat gesagt…

Stadtplanung à la Dresdner Politiker:

Anstatt die einst schönen Straßen & Plätze einer zerstörten Stadt wiederaufzubauen - und dies geht wohl nur mit Häusern - verweigert man den Wiederaufbau und stopft stattdessen die Lücken mit grüner Wiese und albernen Wasserbecken.
Ein Armutszeugnis!

Kein Geld für Häuser? Seltsam, für hässliche Leichenhallen (ECE-Wilsdruffer), pervertierte Komplettverglasungen plus Siegessäule (Postplatz) oder abartige FLORANA-Schandflecke haben unsere Politiker aber genug Geld aufgetrieben. Was hat die Glaskastisierung zusammen mit der unsinnigen Säule am Postplatz gekostet? Sicherlich nicht mehr als die wenigstens teilweise Wiederherstellung der Südseite des Wettiner Platzes. Wenn Stadtplanern und Architekten nichts mehr einfällt, kommt eben ein bischen Gras dorthin.

Der Wettiner Platz ist einer der wenigen Stellen, wo noch ein bischen "Dresden" erhalten ist und wo noch eine normale Europäische Innenstadt erkennbar ist. Und ausgerechnet hier schlafen die hohen Herren wieder einmal. Ich wette, die kriegen es auch noch hin, diesen letzten wenigstens teilweise erhaltenen Innenstadtplatz gründlich zu versauen. Man kann sich wirklich nur noch aufregen über die Unfähigkeit und Kulturlosigkeit der Stadtplaner in Dresden. Diese Leute sind handfeste Anti-Dresdner.

b100111101 hat gesagt…

Jammer, jammer, blök.

Wir sind uns sicher alle einig, dass der Wiederaufbau dieser Kirche nicht sinnvoll ist. Zum einen, da in Dresden die absolute Mehrheit der Bevölkerung nicht regelmaßig Sakralbauten nutzt und die Verwendung von Steuergeldern (=Vergesellschaftung) allein für das "äußere" eines historischen Gebäudes nicht zu rechtfertigen wäre. Zum anderen, weil es sich hier nicht um ein herausragendes Gebäude handelte, sondern um die in der Gründerzeit gerne errichteten neoromanischen Achteckkirchen, die sich in oft erstaunlich ähnlicher Form in so vielen deutschen Großstädten befinden.

Das der Platz vorher ein Schandfleck war, wird wohl auch niemand bestreiten. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Den Platz mit (Wohn)Gebäuden bebauen, oder einen nutzbaren Platz/Park schaffen. Hier hat man sich für letzteres entschieden. Ob die Platzgestaltung jedem gefällt oder ob man hier bessere Entwürfe hätte anfertigen können, vermag ich nicht zu beurteilen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Umgestaltung imho jedoch sehr wohl.

Aus meiner Sicht als angehender Verkehrsplaner finde ich es jedoch schade, dass der südöstliche Straßenast nicht entfernt wurde. Dieser hat keine Erschließungsfunktion mehr, und es wäre imho eine deutliche Verbesserung der Verkehrsorganisation, den Knoten an der Nordseite zu einer ordentlichen Vorfahrtskreuzung umzubauen und über diese sämtlichen Verkehr abzuwickeln.

ji hat gesagt…

Die Nutzung einer Kirche als Konzertsaal ist schon nicht verkehrt. Würde sie stehen, hätte ich nichts dagegen. Teuer ist es schon, ja …
Somit finde ich die Idee gut, einen Weg durch eine kleine Parkanlage zu basteln direkt hin zum hoffentlich endlich mal kommenden Theaterkoplex. Schlimmer wäre es, würde dort ein weiterer Betonkastenn oder eine abgespacete Mordskunstskulptur zementiert. Tja, da aber die Achse Bhf Mitte-Postplatz-Altmarkt bzw Theaterplatz-Zwinger/Herzogingarten-WettinerPlz durch die selten dämlichen Planung Herzogin Garten und vor allem des Postplatzes und der am Bahnhof kaum Passantenströme diese Achse entlang wandern lässt, wird dieser Platz wohl leider nicht würdigend wahrgenommen. Dieser Stadtteil könnte belebt sein wie die Prager Strasse, aber neeeeiiiiinnn, Debatten um ne breite Bautzner oder Gewandhaus etc sind ja wichtiger … … Wann werden endlich diese Nichtskönner aus ihren Ämtern gejagt?

peter s. burg hat gesagt…

Dass jemand, der seine Argumente mit "jammer jammer blök" beginnt und gleichzeitig Stadtplaner sein möchte, passt absolut gut zusammen.

Genau so sehen die Planungen ihrer armseligen Kollegen nämlich aus: Jammer, jammer, blök. Beim Anblick dessen, was Ihre "Experten" aus Dresden machen, kann man tatächlich nur jammnern.


Viel Spass noch beim Spielen mit Ihrer infantilen Entchen-Kulisse auf dem Pirnaischen Autobahnkreuz-Platz.

Dresdner hat gesagt…

Ich finds ne gute Idee.
Und es verbessert das gesamte Umfeld.
Man sollte sich nun nicht immer, und über alles, aufregen.

alt&neu hat gesagt…

volle zustimmung für b100111101! der platz war eine brache und wird nun endlich gestaltet, meiner meinung auch ein adäquater entwurf. sichher hätte man mit viel mehr geld etwas viel besseres machen können. wenn in der zukunft die südseite bebaut wird, könnten das sehr nette wohnungen mit blick auf einen park und (kultur?)-fabrik werden. langfristig macht die straße also schon noch sinn.

was soll das, hier wieder von allen anderen vertanen chancen in dd zu sprechen?! endlich mal was positives aus der stadt und immer die selben sprüche der selben leute! der platz funktioniert sehr gut als platz und pendant zur grünanlage vor der musikhochschule. eine bebauung ist nicht nötig!

der Wolf hat gesagt…

@Petersburg: sehs positiv!
Besser einen Park, als weitere Glas/Beton-Kuben, oder?
Die Zeit ist einfach noch nicht reif für großzügige Rekos! Aber diese Zeit wird kommen - tröste dich!
Ein Umdenken hat bereits begonnen...

b100111101 hat gesagt…

@Petersburg:

Das Schafsgeblöke bezog sich selbstverständlich auf den immer-gleichen, polemischen und platitüdenüberladenen Kommentar über mir. Interessanterweise haben Sie es geschafft, sich nicht im Geringsten über die Platzgestaltung als solche auszulassen, Detailkritik zu üben oder Verbesserungsvorschläge anzubringen, sondern sind sofort wieder auf die Generalkritikebene zurückgefallen.
Originalität schlägt bekanntlich Repitition.

Überhaupt haben Sie meinen Kommentar anscheinend nur überflogen, nicht aber gelesen. Ich habe in keinster Weise behauptet, dass mir persönlich der Entwurf gefällt. Ich habe auch nicht vorgeschlagen, minimalistische Bauten zu errichten oder Straßen zu verbreitern. Ich habe lediglich angemerkt, dass eine Rekonstruktion an dieser Stelle meiner Meinung nach (sic!) wenig sinnvoll wäre und die Neugstaltung des Platzes als Verbesserung gegenüber dem Status Quo bezeichnet.

Würden Sie meine Kommentare genauer verfolgen, wüssten Sie, dass meine Interessen in der Architektur im Berech des Historismus, Jugendstil und des Reformstils, nicht jedoch des Minimalismus liegen. Sie wüssten auch, dass ich ein multimodal und integrativ denkender Mensch bin und keineswegs die autogerechte, unmaßstäbliche und wenig Lebensqualität schaffende Stadt-/Verkehrsplanung Dresdens unterstütze. Vor allem aber wüssten Sie, dass die ABWÄGUNG das Kernstück jeder Planung ist. Maximalforderungen (alles wiederaufbauen, ja kein Detail verfälschen, und bloß keine modernen Bauverfahren) sind idR wenig zielführend und realitätsfremd, es geht darum, tragbare Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten Vorteile bringen und zudem noch finanzierbar sind. Und genau das ist bei der Umgestaltung der Platzanlage, unabhängig vom Detailentwurf der Platzelemente, nunmal der Fall.

Aber warum schreibe ich dies überhaupt, Sie werden es doch eh nicht lesen, sondern bestenfalls überfliegen und das Formblatt F745a mit den Empörungsschlagwörtern zur Antwortfindung konsultieren.
Stimmt's?

the woerth hat gesagt…

Gibt wirklich genügend andere Dinge in Dresden, über die man sich aufregen kann.

Aber Zustimmung an ji bzgl. der Stadtplanung. Die einzige relativ urbane Ausfallachse gen Westen wird vom Zentrum abgeschnitten, dafür die hässlichste (Freiberger) zur Hauptachse umgemodelt.

the woerth hat gesagt…

Neues aus dem System Dresden:

"Seit Freitag schmücken informative Planen die Bauzäune gegenüber der Frauenkirche. Die Stadt will damit Bürger aufklären. (...) Das Stadtplanungsamt hatte Fritsche mit der Gestaltung der Motive beauftragt. „Wir möchten damit einerseits die Diskussion der Bürger über die Stadt fördern und andererseits von der Baustelle am Quartier VI ablenken“, erklärt Stadtplanerin Barbara Engel. (...) „Es gibt zwar schon Konzepte, aber wir suchen derzeit noch einen Investor für das Quartier VI“, sagt Engel. Solange dieser nicht gefunden ist, sollen Fritsches Motive die Blicke auf sich ziehen.

Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/abo/base.asp?sc=1

the woerth hat gesagt…

Zur Info: Einen Investor für das QVI gibt es schon lange. Aber die Stadt hat ja bekanntlich ein Problem mit Herrn Blobel (und mit der geplanten historisierenden Gestaltung zum Neumarkt sowieso). Dann lieber mal wieder die Bürger verarschen und hübsch ablenken, damit man sich nicht mit Bürgerkritik auseinandersetzen muss.

petersburg hat gesagt…

@woerth

Stimmt, aber zu den Dir erwähnten anderen Dingen habe ich mit Sicherheit nicht geschwiegen.

Der Wettiner Platz ist praktisch der einzige Platz in der Dresdner City, der zum Teil unzerstört blieb und daher überhaupt noch als Platz erkennbar ist. Sogar noch eine halbe Gründerzeitstrasse um die Ecke erhalten, wo gibts das denn noch in der Dresdner City? Für mich sind die wenigen Stellen in DD, die den Krieg und kommunistische Dynamit-Diktatur überlebten, besonders wertvoll. Dieser Platz ist eine der wenigen solchen Stellen. Und da man ja eben diese anti-dresdner Stadtplanung in Dresden zur Genüge kennt, darf man ja befürchten dass sie auch diese Chance verhunzen werden. Was ist daran verkehrt?

Würde das Thema hier "Dippoldiswalder Platz" heissen - als Platz praktisch nicht mehr erkennbar - würde ich mich über diesen aufregen.

petersburg hat gesagt…

@Wolff

Stimmt....aber sobald das Stadtplanungsamt ein Projekt ankündigt, zucke ich schon zusammen und es gehen sämtliche Alarmglocken bei mir an. Seien es armselige Oros-Blumenkübel oder infantile Entchen im Plaste-Becken. Aber bei solch leicht wiederentfernbaren Dingen haben wir ja noch Glück.

Insofern hast du Recht - lieber Grüne Wiese als "moderne" Bausünde.

Basti hat gesagt…

@peter s. burg
hier hat ja jeder seine meinung, allerdings gebe ich zu bedenken, dass da ein gewaltiger unterschied zwischen "angehender VERKEHRSplaner" und "STADTplaner" besteht...

danzwoot hat gesagt…

Es ist ja nicht die Schuld der Kirche, dass sie von den Stalinisten abgerissen wurde. Diese Schuld der Diktatur muss durch ihre Wiedererrichtung gesühnt werden. Auf geweihtem Boden darf man nicht einfach etwas anderes hinbauen.
Solange die Kirche nicht wiedererstanden ist, ist ein Park ein gutes Mahnmal für die Kulturverbrechen des Stalinismus. Sparkalküle sind Unsinn, durch hochwertiges Bauen und prächtige Bauten erhöht man den Wert der Immobilien der Stadt insgesamt. Und was bei uns gebaut wird, das geht im Sinne eines Baukeynesianismus auch nicht der Volkswirtschaft verloren.

Brian hat gesagt…

Es ist auch nicht die Schuld des ehemaligen Stadtkrankenhauses, dass es für den Bau dieser Kirche abgerissen wurde. Diese Schuld des Christentums muss durch die Wiedererrichtung des Krankenhauses gesühnt werden. Auf ehemals öffentlichem Boden darf man nicht einfach Sakralbauten errichten.

Mit diesem Argument lässt sich dummerweise die Wiedererrichtung _jedes_ Gebäudes fordern, und zumeist die Wiedererrichtung aller Gebäude, die jemals auf dem gleichen Stück Erde gestanden haben. Selbst die Wiederherstellung des Waldes, der dort zuvor durch die Bebauung zerstört wurde, hätte seine Wiederherstellungsberechtigung.

Brechen lässt sich die Argumentationskette nur dadurch, dass du behaupten würdest, ein Sakralbau wäre in irgendeiner Form "wertvoller" als ein Profanbau - Irrtum.
Und "geweiht" bedeutet nichts weiter, als dass das Christentum ein Stück Land für die alleinige Nutzung beansprucht, während die alternativen Nutzer (in Dresden die _absolute_ Mehrheit) diese egozentrische Form der Inanspruchnahme nicht anerkennen. Kein guter Ausgangspunkt für Diskussionen und Kompromisse.

danzwoot hat gesagt…

Nette Polemik, aber es gibt einen Unterschied, ob ein Grundstück einer Kirche gekauft wurde, wo vorher was anderes stand, oder ob eine Kirche oder Synagoge durch einen Staat aus ideologischen Gründen getilgt wird. Das ist der Unterschied.

Brian hat gesagt…

Auch hier kann man "Kirche" wieder durch "Wohnhaus", "Straße", "Park" ersetzen.
Ihrer Meinung nach hat eine aus ideologischen Gründen (wobei Sie sicher zugeben, dass die Kriegszerstörung nicht ganz unbeteiligt war...) zerstörte Kirche das Recht, am Gleichen Ort wieder aufgebaut zu werden. Wenn ein Sakralbau dies beanspruchen kann, müsste es doch auch jedes andere Gebäude, oder? Selbst Freiflächen und Verkehrsflächen könnten dann vom Baulastträger wieder errichtet werden, frei nach dem Motto: Hier war früher mal eine Straße, also muss hier wieder eine hin. Die alte wurde ja nur aus ideologischen Gründen (z.B. Verkehrsberuhigung) zurückgebaut.

Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass der Grund, auf dem früher eine Kirche stand, nicht zwangsläufig mit einer neuen Kirche bebaut werden sollte, sondern eine Diskussion unter den Anwohnern im Quartier stattfinden sollte, welche Nutzung dort tatsächlich gewünscht ist. Wer wirklich in die Kirche gehen möchte, kann dies im Zweifelsfall auch in der 5 Gehminuten entfernten Annenkirche tun.

danzwoot hat gesagt…

Es geht hierbei um eine stark symbolische Handlung. Ihr Recht auf Existenz leitet sich aus der ideologisch motivierten Vernichtung her. Die Sophienkirche ist ein exzellent dokumentierter Bau.

Brian hat gesagt…

Das Ergebnis wäre dann der Aufbau der aus ideologischer Motivation heraus abgerissenen Kirche AUS IDEOLOGISCHEN GRÜNDEN. Dies wäre selbstverständlich nur dann zu rechtfertigen, wenn die eine Ideologie (alles zerstörte wiederaufbauen) der anderen (alles zerstörte abreißen) unwiderlegbar überlegen wäre. Wie immer liegt die Wahrheit wohl in der Mitte.

Aber ganz ehrlich, gibt es nicht bessere Aufgaben, denen sich die Stadtverwaltung, Geldgeber und Bürger in dieser Stadt widmen könnten, als der Wiederaufbau eines imposanten/aufdringlichen Kirchengebäudes in einer Umgebung, die heute (leider) nicht mehr von gründerzeitlicher Blockrandbebauung, sondern von großen Freiflächen und aufgelockerter Zeilenbebauung geprägt ist? Wenn es um Sakralbauten geht, würde ich persönlich eher der Lukaskirche und Zionskirche den Vorzug geben. Mal ganz davon abgesehen, dass sich eine atheistisch und agnostisch geprägte Gesellschaft wie die Dresdner Bevölkerung sicher auch andere Prioritäten setzen könnte/würde/tut.