Montag, 25. Juli 2011

Europabrunnen | Königsheimplatz

Nachdem kürzlich hier im Blog eine Diskussion zur Umsetzung des Neptunbunnens geführt wurde, kommen wir heute zum Europabrunnen am Königsheimplatz in Dresden-Blasewitz. Er teilt ein ähnliches
Schicksal und mag sich heute nur schwer in die Umgebung einordnen. Kurz zur Geschichte des Brunnens: er wurde 1922 nach einem Entwurf von Georg Wrba am Königsheimplatz aufgestellt. Dargestellt
wird Europa auf dem Stier, welches einen Teil der griechischen Mythologie darstellt. 1944 wurde die Plastik abgebaut und sollte für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden. Dazu kam es jedoch nicht,
trotzdem blieb die Brunnenanlage bis Mitte der 90er Jahre ohne die charakteristische Figur. Mitte der 80er Jahre wurde die Brunnenanlage saniert und 1995 wurde letzendlich eine Kopie der ursprünglichen
Plastik aufgestellt. Hier ein
Link zur Geschichte des Stadtteils Blasewitz, u.a. auch mit einem historischen Foto der Brunnenanlage


Kommentare:

Darki hat gesagt…

Tja...ein Jammer, was dort verloren ging...dort stand einst das sogenannte "Weiße Schloss"

http://www.dresdner-stadtteile.de/Ost/Blasewitz/Strassen_Blasewitz/Konigsheimplatz/konigsheimplatz.html

:(

Anonym hat gesagt…

Ist wohl deutlich zu sehen, was für eine Sche**e diese Plattenbauten sind. Ich ärger mich jedes mal, wenn ich diese Dinger sind. Das ist einfach ein überholtes, städtisches Wohnkonzept.

Nemo hat gesagt…

Als die Plattenbauten entstanden, war Wohnraumknappheit ein sehr drängendes Thema. Und heute freuen sich die Mieter der sanierten Bestandsbauten gewiss über bezahlbare Mieten, die in Dresden im Schnitt übrigens schon höher sind als in Duisburg oder Dortmund. Bei allem Verständnis für Diskussionen über mehr oder weniger gelungene Architektur: Man kann zwar bedauern, dass der Brunnen kein optimales Umfeld (mehr) hat, aber dies sind vergleichsweise elitäre Problemchen...

Anonym hat gesagt…

@nemo

Ich wohn für 200 in nem Jugendstilhaus mitten (wirklich mitten drin) in einer teuren, deutschen Grossstadt (immer ganz oben dabei bei Qualitätsrankings). Sowas ist möglich. Ausserdem herrscht in Dresden gewiss keine Wohnknappheit mehr. Für die Leute in diesen seelenlosen Plattenbauwohnungen gibt es genügend Ersatz, würde man andere, dresdentypischere Bauten wieder rausputzen. Die Leute würden individueller leben, was lebensqualität steigert. Was ist besser, Omi im 5ten Stock Plattenbau mit Blick auf Plattenbau oder Omi in Stadtvillawohnung mit Garten vor dem Fenster und ebenem Weg zum Briefkasten? Und Studenten lieben Dachgeschosswohnungen und Fahrradschuppen im Hinterhof. ;)

Man setzt in Dresden städtebaulich aufs falsche Pferd, wenn man sich den Plattenbauten widmet.

Nemo hat gesagt…

@anonym
Es geht um die Tendenz, nicht den Einzelfall: Wenn ein Bestandsbau abgerissen und dafür ein Neubau hingesetzt wird, steigt dort die Miete. Wenn dies vermehrt passiert, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass woanders preiswerter Ersatz zu finden ist.

In Dresden wurden in den letzten Jahren tausende Platten vom Markt genommen, der Altbauwohnungsbestand ist in großen Teilen durchsaniert, inzwischen werden sogar alte Kasernen in Eigentumswohnungen verwandelt, viel Potential gibt es nicht mehr. Der Leerstand nimmt kontinuierlich ab und das Mietniveau übertrifft inzwischen viele westdeutsche Großstädte - man will doch hoffentlich nicht in ein paar Jahren Münchner Zustände. Dresden müsste über den Neubau von Sozialwohnungen nachdenken, aber man steckt das Geld lieber in Straßenbau.

Städtebaulich finde ich die Platten auch unattraktiv und öde, aber das Soziale ist wichtiger.

Darki hat gesagt…

Wenn Dresden sich in den Vergleich mit München setzt...bekomm ich jedes Mal wieder einen Lachanfall. Bescheidenheit und Realitätsinn scheinen manchem Elbstädter fern zu sein. Man darf sich mittlerweile auf Augenhöhe mit Duisburg oder Hannover sehen - das ist die Realität und Kleinstädte sind die eben genannten beide nicht.(Wir haben ja sogar ein Stadtplanungsamt, das rein optisch auf eine Hannoverisierung der Innenstadt hinarbeitet ;))) )

Münchener Verhältnisse wird Dresden nie erreichen und das ist in vielerlei Hinsicht sogar wünschenswert.

Anonym hat gesagt…

"aber das Soziale ist wichtiger"

Sagt wer? Städtebau, Architektur und Soziales sind eng miteinander verzahnt.

Stephan hat gesagt…

@ Darki
DD und M verbindet eben einiges. Das Gefühl in einer besonderen Stadt zu leben zum Beispiel.
Das wird einer Hannoveraner nie behaupten.
Es ist das Lebensgefühl, Style, Lebensanschauung, die Art das Leben zu Geniessen etc.
Daraus resultiert mehr Nachfrage als Angebot, zB. auf dem sanierten Altbauwohnungsbestand.
Ich wünsche den Dresdnern gerne Münchener Verhältnisse...
Alles hat Sonnen- und Schattenseiten, aber lieber Porsche-beparkte Altstadtstrassen als Brachen mit Büschen als Zierde.
Mit Grüssen aus München Zentrum, Ludwigsvorstadt

Nemo hat gesagt…

"Städtebau, Architektur und Soziales sind eng miteinander verzahnt."

Richtig - und das heißt, wenn Städtebau & Architektur nur auf Qualität setzen und z.B. den Abriss von Platten wegen eines Brunnens forden würden, dann käme das Soziale unter die Räder.

"Münchener Verhältnisse wird Dresden nie erreichen und das ist in vielerlei Hinsicht sogar wünschenswert"

Hoffentlich haben Sie was den Wohnungsmarkt betrifft (und nur darauf bezog ich mich) damit Recht. Im Übrigen: Ihr könnt gerne lachen, aber ich habe vor Jahren schon gesagt, dass Dresden (trotz vieler Mängel und provinzieller Peinlichkeiten) sich zu einer Art München des Ostens entwickeln wird (das kann langfristig selbst die dilettantische Stadtverwaltung nicht verhindern). Meine Einschätzung bezieht sich nicht nur auf die Stadt als solche, sondern auch die Lage, die Umgebung usw. Ich habe in beiden Städten gelebt und weiß wovon ich rede, auch wenn in Dresden vieles immer einige Nummern kleiner bleiben wird - die Infrastruktur, die Berge und auch der geistige Horizont mancher Beamter...

Anonym hat gesagt…

"Das wird einer Hannoveraner nie behaupten."

Aber sicher tun sie das. An die Dresdner Überheblichkeit kommt allerdings kaum jemand ran. ;)

"das heißt, wenn Städtebau & Architektur nur auf Qualität setzen und z.B. den Abriss von Platten wegen eines Brunnens forden würden, dann käme das Soziale unter die Räder."

Ich wollte eigentlich auf etwas anderes hinaus. Auch das Lebensumfeld prägt die Menschen, nicht nur die Finanzen. Trabantenghettos sagt man nicht unbedingt eine positive Ausstrahlung auf die Seele des Menschen nach.