Freitag, 8. Juli 2011

Neptunbrunnen | Friedrichstadt

Die Sanierungsarbeiten sind abgeschlossen und somit präsentiert sich der Brunnen wieder in alter Pracht.



Kommentare:

Arwed hat gesagt…

Dieser wunderbare Brunnen hätte ein besseres Umfeld verdient. Die billige Investorenarchitektur dahinter ist ja schon schlimm, aber der Krankenhausneubau mit den undefinierbaren Streifen ist ein schlechter Witz. Zumindest für die Häuser dahinter würde ich mir ein Facelifting wünschen, das Krankenhaus ist leider noch zu neu für eine andere Fassade.
Was ich aber trotz der Schrecklichkeiten drumherum absolut ablehne, ist eine Umsetzung des Brunnens. Er gehört in diese Gartenanlage in der Friedrichstadt.

the woerth hat gesagt…

Die Sanierung ist mir irgendwie fast gleichgültig, solange der Brunnen sein Dasein an diesem vergessenen Ort fristen muss. Aber in Dresden gehobenes Potential zu verschenken, gehört ja fast zur Tagesordnung.

Aaron hat gesagt…

Ich glaube, ich sehe es allerdings ein bisschen optimistischer - es schädet nichts, wenn ein wunderschönes Kunststück auf einem nicht-zu-schönen Ort zu finden ist.

Gründe warum ich das sage:

1. es bringt etwas Schönheit dahin, wo es sonst fehlt. Also macht etwas Besonderes aus einem langweiligen Ort. (Wir bringen Kunst zu den Massen, wenn das nicht zu marxistisch klingt!!)
2. man wird von der unharmonischen Beziehung zwischen Brunnen und Umfeld bewusst, dass die Umgebung schöner werden könnte (oder sollte).
3. dort wo der Brunnen früher hingehört hat, gehört es doch immer noch hin... wenigstens als Zeuge der Geschichte.

Kunst (inkl. Architektur) als Denkanstoß kann auf verschiedene Art verstanden werden!!

ursus magnus hat gesagt…

Den Brunnen in situ zu belassen, ist reiner Schwachsinn - sozusagen Perlen in den Dreck.
Man vergesse auch nicht, dass er für eine reine Parklandschaft geschaffen worden war. Außerdem braucht die Innenstadt dringend barocke Originalsubstanz.

Arwed hat gesagt…

@ursus magnus

Danke für Ihre Einschätzung meines Geisteszustandes.
Ich bleibe aber dabei: Der Brunnen gehört in den Park des Marcolinipalais in der Friedrichstadt und nirgendwo anders hin! Den Stadtteil dadurch weiter abzuwerten, in dem man ihm sein wichtigstes Kunstwerk nimmt, finde ich absolut falsch. Ich würde für eine Aufwertung der Umgebung plädieren. Zudem wäre es ein langfristiger Wunsch von mir, wenn das Klinikgebäude, dass zwischen Palais und Brunnen steht, abgerissen werden würde. Das ist sicherlich schwer zu machen, da es sicher weiterhin vom Klinikum benötigt wird, in gutem baulichen Zustand ist und auch nicht ganz schlecht aussieht.

Nochmal an ursus: Wenn Sie für eine Versetzung in die Innenstadt sind und zugleich für eine Lage in einem Park plädieren, schließt sich das nicht aus?

vitruv hat gesagt…

Wi wärs, wenn man den Brunnen irgendwo im Großen Garten aufstellen würde? Platz ist dort ja genug.

Mirko P. hat gesagt…

Ich glaube, es hat absolut keinen Sinn mehr, über die Versetzung des Brunnens an einen besseren Ort zu diskutieren. Man hat nun hier mit der Sanierung begonnen und somit ist die Sache wohl erledigt.
Allerdings ist die Restaurierung noch lange nicht abgeschlossen. Bisher wurden lediglich die dringendsten Arbeiten durchgeführt. Die Figuren und das obere Becken wurden saniert. Nun bdarf es noch der Restaurierung der beiden unteren Becken, der so genannten "Brunnenstube", die die technische Anlage beherbergt, der gesamten Brunnentechnik und der 4 seitlichen Vasen.
Die Stadt hat zwar zugesagt, hierfür Mittel vorzuschießen, doch wie das in Dresden so üblich ist, ruhen die Arbeiten sanft.
Ursprünglich war für das kommende Frühjahr (2012) die Vollendung der Restaurierungsarbeiten und die Wiederinbetriebnahme des Brunnens vorgesehen. Doch wenn die Arbeiten weiter so vor sich hinschlummern, wird das wohl ein frommer Wunsch bleiben.
Wahrscheinlich wird man wieder kurz vor dem Wintereinbruch munter und beginnt dann damit.
Es lebe die Dresdner Planung!

the woerth hat gesagt…

"Der Brunnen gehört in den Park des Marcolinipalais in der Friedrichstadt und nirgendwo anders hin!"

Warum?

Eine Abwertung der relativ unbedeutenden Friedrichstadt würde mit der AUFwertung einer evtl. viel wichtigeren Stelle einhergehen - das sollte nicht unerwähnt bleiben. ;)

HelgeK hat gesagt…

Ich frage mich als nicht-Ortskundiger, was an der Umgebung so schlimm sein soll. Sicher war es früher alles viel schöner. Aber es sieht, verglichen mit vielem, was man sonst so von Dresden sieht, doch noch völlig OK aus. Keine Plattenbau-Ödnis, sondern ein gewachsener Mix aus richtigen Häusern mit größtenteils intakten Blockrändern. Alles in gutem Zustand. Sicher kein Brennpunkt des urbanen Lebens, aber immerhin normale mitteleuropäische Stadtlandschaft.

Dresdner hat gesagt…

...gerade weil die Friedrichstadt "relativ unbedeutend" ist, bleibt der Brunnen genau da wo er jetzt ist, und dort gebaut wurde.

Wir können doch nicht wie im Baukasten einfach Objekte in der Stadt hin und herschieben je nach Belieben. Da verlieren wir doch jede Authentizität.

Das Friedrich-August-Denkmal vor dem Ständehaus ist schon so ein Beispiel....
dort hätte das König-Albert-Denkmal wiederrichtet werden müssen.

Stefanius hat gesagt…

@HelgeK

also wenn Dresden überwiegend aus Plattenbau Ödnis bestehen würde, kämen vermutlich nicht so viele Touristen. Insofern besteht das Problem aus meiner Sicht darin, das dass Umfeld dem Brunnen nicht mehr angemessen ist, und Dresden wesentlich würdigere Orte zu bieten hätte.

the woerth hat gesagt…

"bleibt der Brunnen genau da wo er jetzt ist, und dort gebaut wurde."

Ah, das Brunnenoberhaupt. Na, letztlich hast Du die Entscheidungsgewalt, da kann ich nix machen. ;)

Dogmatische Authentizitätstheorien haben mich noch nie beeindruckt. Ich bin sehr froh, dass das Friedrich-August-Denkmal jetzt an einem ihm würdigeren Platz steht.

HelgeK hat gesagt…

@ Stefanius: Ich habe nicht gesagt, daß Dresden überwiegend aus Plattenbauödnis besteht. Das letzte Mal in Dresden war ich 1 Jahr vor der Wende - nur für einen Tag, und diesen einen Tag war ich nur im Zentrum. Ich kann die Stadt als Ganzes nicht beurteilen. Aber das sowohl in der DDR-Zeit als auch danach vieles in der Stadt häßlich und lieblos erbaut wurde, den Eindruck kann ich als Nutzer dieses Forums sehr wohl gewinnen. Und ich finde, die hier gezeigte Ecke hebt sich davon wohltuend hat. Nichts Besonderes, aber eben auch nicht häßlich. Meiner Meinung nach gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, diesem Viertel seinen schönen Brunnen wegzunehmen.

ursus magnus hat gesagt…

@arwed
ich habe nicht für eine Parklage plädiert, sondern nur damit argumentiert, dass das historische Umfeld ohnehin perdu ist und dass ein stures Festhalten am historischen Ort daher sinnentleert ist. Natürlich kann man den Brunnen auch in den Großen Garten oder an sonst einen schönen Ort stellen m(wenngleich ich die Innenstadt bevorzuge, die ihn so bitter nötig hätte), aber doch nie und nimmer dort belassen - wie gesagt: Perlen in den Dreck.


Dresdner schrieb: Wir können doch nicht wie im Baukasten einfach Objekte in der Stadt hin und herschieben je nach Belieben. Da verlieren wir doch jede Authentizität.
Anwort:
Und wie wir das können! Das Versetzen von Brunnen und Denkmälern war stets gang und gäbe, egal ob aus politischen, ästhetischen oder verkehrstechnischen Gründen. Niemand hat da jemals was dabei gefunden, sogar ganze Häuser wurden versetzt (was zugegebenermaßen etwas fragwürdiger erscheint).

Dresdner hat gesagt…

"Brunnenoberhaupt".. ja das könnte ich mir gut vorstellen...
Vielleicht sollte auch mal daran gedacht werden, dass Dresden nicht nur aus den Touristik-Orten besteht, "die aufgewertet werden müssen"...und auch am Rande Leben stattfindet. Und wenn aussenstehende behaupten es müsse hier dies und jenes so gemacht werden, dann bringt Euch bitte in Eurem Umfeld ein...
Ich befinde mich fast täglich in der "unbedeutenden"
Friedrichstadt, und das Potential erschliesst sich wahrscheinlich nur denjenigen die auch dort, oder
wenigstens in Dresden leben.

Und mit "Perlen in den Dreck" ist dann ja wohl ziemlich anmaßend. Viele Besucher und Patienten des Friedrichstädter Krankenhauses wissen diesen Ort sehr zu schätzen.

freundliche Grüße

Mirko P. hat gesagt…

Ich glaube, Ihr könnt hier soviel diskutieren, wie Ihr wollt. Der Brunnen wird an seinem Standort bleiben, was ich auch nicht gerade begrüße. Doch wenn man die Trägheit der Dresdner Stadtführung bei solchen Entscheidungen kennt und bedenkt, muß man wohl schon froh sein, daß der Brunnen wenigstens erstmal bildhauerisch gerettet wurde. Wenn nun auch noch irgendwann der restliche Teil saniert wird, wie ich es oben beschrieben habe, muß man schon von einem Riesenschritt sprechen. Wer jetzt noch erwartet, daß ein würdigerer Standort für den Brunnen gefunden wird, kennt die Ignoranz und Unfähigkeit der Dresdner Stadtführung nicht.

Bühlauer hat gesagt…

Wenn wir schon mal bei der Brunnenversetzungsdebate sind, wäre dann nicht als erstes der Europabrunnen am Königsheimplatz (Europa auf dem Stier)dran? Hier sind sicherlich die zuvor beschworenen Horrorszenarien seit Jahren Realität. (maximale Differenz zwischen ursprünglicher Situation und neuzeitlichen Plattenbauten im Hintergrund)
@Admin: Vielleicht wäre das ja eine Idee für die nächsten Bilder?

Nymphe hat gesagt…

Nymphe hat gesagt:
Bei allen Diskussionen sollte man doch nicht vergessen, daß die großzügige Spenderin der Renovierungskosten (eine Arzt-Witwe)in ihrem Testament festgelegt hat, daß der Brunnen dort bleibt wo er hingehört.

the woerth hat gesagt…

Na super. Da würde ich glatt auf die Spende verzichten. Ist das ein Gerücht, oder ist diese Aussage belegbar?

Rian hat gesagt…

Ich finde diesen Schlagabtausch wirklich sehr interessant, doch auch ich bin der Auffassung, dass der Brunnen dort bleiben muss, wo er jetzt ist. Und ich versuche auch, meine Meinung zu begründen.

Ich weiß nicht, ob ich damit zu weit gehe, aber ich behaupte, dass die Autoren, die sich die Umsetzung wünschen, nicht gesamt Dresden betrachten, sondern ausschließlich die Innenstadt und den Neumarkt.
Die Qualität Dresdens liegt doch darin, dass wirklich jeder Stadtteil auf seine Art etwas Besonderes ist. Auch nach Jahren entdeckt man wieder etwas Neues und wieder und wieder stellt man fest, was Dresden alles zu bieten hat. Fahren sie mal nach Pieschen. Ich liebe Pieschen….oder Strehlen, Löbtau usw. Und dazu zähle ich auch die Friedrichstadt. Man muss nur durch die Friedrichstraße gehen und sofort weht einem der Hauch der Geschichte entgegen.

Natürlich ist in der Friedrichstadt vieles zerstört worden, aber meines Erachtens hat sie unheimliches Potenzial.
Und für mich trägt auch der Brunnen selbst erheblich zur Qualität der Friedrichtstadt bei.

Das wäre mein erstes Argument. Mein zweites Argument bezieht die auf die Qualität des Brunnens selber.
Würde, rein hypothetisch, der Brunnen ins Zentrum verlegt werden, wäre er nur weiteres Beiwerk inmitten der tollen Kulisse der Altstadt. Beiwerk zu sein, hat der Brunnen nicht verdient.
Hier in der Friedrichstadt ist er zwar etwas versteckt, aber kommt er in die Aufmerksamkeit der Besucher, hat er deren VOLLE Bewunderung. Der Brunnen entfaltet an seiner jetzigen Stelle seine Einzigartigkeit. Der Brunnen ist etwas Besonderes und an dieser Stelle kommt das vollends zur Geltung (ganz anders in der Innenstadt). Was ich damit sagen möchte, ist, dass der Brunnen in der Innenstadt an Ausdruckskraft verlieren würde, weil er dort schlicht untergehen würde.
Ähnlich geht es dem Cholerabrunnen westlich des Taschenbergpalais.

Und mein drittes Argument bezieht sich auf das Krankenhaus. Vor einigen Wochen haben wir mal mit dem Krankenhausdirektor einen Rundgang über das Gelände des Krankenhauses gemacht und er hat voller Stolz erzählt, wie schön er es findet, dass sie diesen Brunnen auf ihrem Gelände haben. Er meinte, jeder Besucher erfreut sich an seiner Pracht und besonders die Patienten wissen ihn sehr zu schätzen. (Aus wissenschaftlichen Quellen weiß ich, dass ein schönes und auch grünes Umfeld extrem zur besseren Genesung der Patienten beiträgt.)

Also würde ich im Sinne der Friedrichstadt, des Krankenhauses, der Patienten, der Dresdner und auch des Brunnens selber dafür plädieren, dass der Brunnen an seiner ursprünglichen Stelle verbleibt.

Ich hoffe, dass ich niemandem zu Nahe getreten bin. Ich freue mich auf konstruktive Kritik.

Euch allen noch einen schönen Mittwoch!

Liebe Grüße

Aaron hat gesagt…

@nymphe

Genau - und zum Thema Königsheimplatz sollte man auch nicht vergessen, dass der Europabrunnen nicht saniert, sondern Anfang der 90er Jahren komplett neu gegossen wurde, um sie und ihren Stier wieder auf ihren usprünglichen Ort setzen zu können!!

the woerth hat gesagt…

Rian: "ich behaupte, dass die Autoren, die sich die Umsetzung wünschen, nicht gesamt Dresden betrachten, sondern ausschließlich die Innenstadt und den Neumarkt."

Na besten Dank. Zumindest in meinem Fall grober Unsinn. ;)

Die Friedrichstadt bezieht ihren Charakter nicht durch den Brunnen und eine Versetzung wird an diesem Stadtteil nicht viel ändern. Die wunderbare Friedrichstraße, die gerade von der Florana versaut wird, bliebe ebenso erhalten bleiben wie die völlig verkommene Schäferstraße. Und die zehn Leute, die sich pro Monat in den Hinterhof verirren, müssen halt in Zukunft woanders nach dem Brunnen suchen, da sehe ich kein Problem.

Beiwerk inmitten der tollen Altstadt? Wo ist sie denn, die tolle Altstadt? Oder sprichst Du von den drei Straßen am Elbufer? Wenn schon die Germania nicht wiederkommt, würde ich den Brunnen z.Bsp. auf den Altmarkt versetzen (statt dem schiefen Mast von Dresden).

Das mit den Patienten ist das einzige Argument, dem ich ein Stück weit folgen kann. Aber dann bekommen die halt einen netten Ersatz. ;)

Aaron hat gesagt…

Es wäre natürlich Klasse, einen Brunnen oder so etwas auf dem Altmarkt zu haben statt des schiefen Masts, aber dort schlüge ich vor, entweder Spenden für eine Rekonstruktion der Germania zu sammeln, oder (wenn dies politisch ein bisschen zu nationalistisch aussehen sollte) etwas ganz Neues etwerfen lassen.

Also lieber nicht etwas von anderswo dort hinsetzen :)

Anonym hat gesagt…

Germania, warum denn eigentlich nicht? Da ist ja sogar wenig Originalsubstanz erhalten.

Anonym hat gesagt…

Die Germania auf dem Altmark wäre ebenso eine Bereicherung wie auch der Neptunbrunnen im Stadtzentrum. (vllt. Postplatz zwischen Schauspielhaus und Hotelneubau?)

Es fehlt trotz Frauenkirche und Semperoper an Schönen in Dresden, an Bäumen und Bänken, historischen Laternen und kleinen Oasen, die zum Verweilen einladen. An zu vielen Ecken finden wir eine austauschbare, scheinbar seelenlose Architektur.