Montag, 17. Oktober 2011

Körnerplatz | Schwebebahn

Bilder des Körnerplatzes und der Schwebebahn. Diese wurde 1901 in Betrieb genommen, ist 274m lang und gilt als die älteste, sich in Betrieb befindende Bergschwebebahn
der Welt. Der Höhenunterschied, den sie überwindet beträgt 84m. Oben bietet sich ein schöner Ausblick über Dresden. Wie die Wuppertaler Schwebebahn wurde sie von
Eugen Lang konstruiert. Interessanterweise dachte man ab 1897 über eine Schwebebahn nach Freital nach. Diese sollte vom Postplatz über Löbtau nach Freital, größtenteils
über die damals neu kanalisierte Weißeritz gehen. Das Projekt wurde nicht verwirklicht, da man sich letzendlich nicht über die Streckenführung im Dresdner Stadtzentrum
einigen konnte und die anfallenden Kosten als immens betrachtet wurden. Außerdem kam es auch damals schon zu Protesten von Umweltschützern.







Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schade, dass es so diesig war. Aber eins kann man dennoch gut erkennen: Und zwar, wie abstrus es ist, wenn sich die Dresdner über den Abriss vereinzelter Plattenbauten in der Innenstadt aufregen. ;)

"Man kann doch nicht die ganze Baugeschichte der DDR plattmachen..." *bla bläh blök*

Stephan hat gesagt…

Auf Bild 10 sieht man das grässliche Monster!!
Die elbtalzerstörende Brücke!!!
;-)
Danke für die schönen Bilder.

Anonym hat gesagt…

more authentic than neumarkt itself!
Now i finaly get it why it´s so nice place to live. - greetings from finland.

Anonym hat gesagt…

Manchmal stelle ich mir vor: Was wäre, wenn dieses Gebiet noch nicht bebaut wäre und die heutigen Architekten und Bauunternehmen sich dieser Sache annehmen würden... .
Und dann denke ich ganz schnell wieder an was anderes.

Anonym hat gesagt…

Wenn ich so darüber nachdenk ... Wahnsinn was schon damals alles möglich war/ gewesen wäre.

Georg hat gesagt…

@Anonym:

Manchmal stelle ich mir vor: Was wäre, wenn dieses Gebiet noch nicht bebaut wäre und die heutigen Architekten und Bauunternehmen sich dieser Sache annehmen würden... .


Und jetzt stell Dir mal vor, Blaues Wunder, Schwebe- und Standseilbahn würden nicht stehen und jetzt geplant werden. Das gäbe einen Aufschrei.

Oder die dreistöckige Randbebauung des Körnerplatzes würde jetzt an den Rand von Loschwitz gebaut. Oder die Grundstraße über die Trille gelegt.

Wir sind heute froh, dass unsere Vorväter mutig waren und ihrer Zeit entsprechend ihre damalige moderne Architektur und Technologie gebaut haben. Nur - wenn ich die meisten Kommentare hier lese - manche möchten nicht, dass die jetzigen Architekten aktuelle Formensprache benutzen, sondern lieber so bauen, als habe es in den vergangenen hundert Jahren keine Entwicklung gegeben.

Antja hat gesagt…

Der Ausblick von der oberen Schwebebahnstation ist einfach beeindruckend. Die Elbschlösser kann man auch sehen. Die Waldschlösschenbrücke fügt sich doch recht gut der Elblandschaft ein und wirkt gar nicht so monströs wie erwartet. Jeder wird sich damit arrangieren (müssen). Danke für die Aufnahmen mit dem fantastischen Umfeld.

Anonym hat gesagt…

Ebenso vorhersehbar wie unnötig, an dieser Stelle mal wieder in der üblichen zynischen Art und Weise das Heiligtum Waldschlösschenbrücke zu verteidigen. An dieser ewig weit entfernten Stelle hat nie jemand mit einer "zerstörerischen" Wirkung gerechnet. Es ging immer um die destruktive Wirkung VOR ORT und um die Sichtachsen und Blickwinkel VOR ORT.

"Wir sind heute froh, dass unsere Vorväter mutig waren und ihrer Zeit entsprechend ihre damalige moderne Architektur und Technologie gebaut haben. / Manche möchten nicht, dass die jetzigen Architekten aktuelle Formensprache benutzen, sondern lieber so bauen, als habe es in den vergangenen hundert Jahren keine Entwicklung gegeben."

Auch dieses tausendmal gehörte Polemikgeblöke ist wohl leider unvermeidlich. Ich spare mir die Energie, dies alles mal wieder ellenlang zu versachlichen, zu relativieren und zu widerlegen, denn es wäre verschwendete Energie. Solche Leute wird man sowieso nicht dazu bewegen können, reflektiert und differenziert zu denken, völlig vergebene Liebesmühe.

Herr Zorn hat gesagt…

@Georg Es gab in den letzten 100 Jahren keine Entwicklung, Punkt. Vielleicht was Brandschutz angeht aber ästhetisch ist man wohl irgendwo kurz nach dem Höhlenmenschen angelangt.

Nemo hat gesagt…

manche möchten nicht, dass die jetzigen Architekten aktuelle Formensprache benutzen

Da sehe ich aber einen großen Unterschied. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Kreativität, Liebe zum Detail, der intensiven und zeitaufwändigen Beschäftigung mit einer Sache einseits und der Qualität des Ergebnisses andererseits. Man sieht auf den Bildern gut, dass die Bauten nicht das Produkt einer nur oberflächlichen, effizienzgetriebenen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sind.

Mir kann niemand erzählen, dass Bauten aktueller Formensprache (vgl. HolidayInn oder SAP-Würfel in Dresden), die aussehen, wie kleine Kinder sie aufs Papier kritzeln - Rechteck plus paar Fenster - irgendwie das Ergebnis eines besonders mühseligen und arbeitsaufwändigen Planungs- und Gestaltungsprozesses sind. Aus ökonomischen Gründen spart man sich Aufwand - auch an geistiger Leistung - wo es nur geht. Das wird in der Baubranche nicht anders als in anderen Wirtschaftsbereichen sein. Die Liebe zur Rendite hat die Liebe zur Sache ersetzt.

Nicht zufällig erinnern die modernen Kuben in ihrer schlichten Form deutlich an DDR-Plattenbauten. Nur war man seinerzeit ehrlich genug, nicht zu verschweigen, dass es nur darum ging, möglichst schnell und billig Wohnraum für die Massen zu schaffen - und nicht Zeit und Geld übrig hatte für ästhetisches Drumherum. Es war eine Frage der Prioritäten.

Das ist es auch heute, nur schämt man sich, dies offen zu sagen und formuliert daher wolkige Prosa und pseudophilosophische Traktate um den Ratio-Klötzchen etwas zuzuschreiben, was sie aus eigener Kraft nunmal nicht ausstrahlen.

Als Gegenpol zur kunstvollen und detailreichen Stadtgestalt wie man sie auf den Loschwitzer Bildern sieht, lässt mich die moderne Klotzigkeit an Systemarchitektur denken - um den Bezug zur Systemgastronomie herzustellen: Billig zu produzieren, keine Kreativität, einfach und schnell. Das war bestimmt auch irgendwann mutig und innovativ und ist so etwas wie zeitgenössische Esskultur. Dennoch lehnen viele Menschen aus guten Gründen dieses Einheitsfutter ab. Aktuell oder zeitgenössisch zu sein ist eben kein Qualitätsmerkmal, sondern nur eine zeitliche Einordnung und Entwicklungen führen nicht notwendig immer zum Besseren. Wer dies bezweifelt, sollte nur eine beliebige Nachrichtensendung einschalten.

Anonym hat gesagt…

@Nemo:

Ich glaube nicht, dass modernistische Architektur in erster Linie auf Kostenersparnis und Gewinnmaximierung fußt. Architektur, die sich an regionalen Bautraditionen orientiert, ist nicht zwingend teurer. Vielmehr dürften vor allem ideologische Hintergründe zu den seit Jahrzehnten üblichen Kontrastkästen führen. Der bewusste Bruch mit Tradition und Geschichte basiert auf einem falsch verstandenen "Mut&Selbstbewusstseins-Ansatz", fehlinterpretiertem "Fortschrittsdenken" und scheinbar (nicht anscheinend!) modernem Trendgehabe. Ich erinnere an das Gesülze der entscheidenden Wettbewerbsjurys, die immer wieder ganz bewusst Entwürfe prämieren, die der modernistischen Ideologie am nähesten stehen. Das Ornament ist ein Verbrechen und die durch Kriegszerstörung dezimierte Identität eines Ortes wird in den Überlegungen ausgeblendet. Architektur wird isoliert betrachtet und die sogenannte Moderne ist sowieso über alle anderen Denkmuster erhaben. Erst dann kommen wirtschaftliche Überlegungen in's Spiel. Danke für's Zuhören.

Darki hat gesagt…

Wieder einmal Danke an Nemo, besser hätte ich es auch nicht schreiben können. :)

Nemo hat gesagt…

Architektur, die sich an regionalen Bautraditionen orientiert, ist nicht zwingend teurer

Das kann ich natürlich nicht pauschal widerlegen, aber hier gibt es vielleicht ein Missverständnis: Ich meine nicht unbedingt den Preis, den der Bauherr zum Schluss auf den Tisch legt, sondern den Aufwand, der sowohl in (architektonische) Planung als auch in Bauausführung fließt.

Die geforderte Beschäftigung mit dem genius loci, mit der regionalen Tradition, das Kreative, das Kleinteilige und Schmückende usw. als auch die bauliche Umsetzung von Formen, die komplizierter sind als ein paar Sichtbetonwände mit Fensterlöchern drin kostet nach meinem laienhaften Verständnis selbstverständlich Zeit und damit Geld. Man sieht doch (wenigstens tendenziell) einem Haus an, ob der Planungs- und Arbeitsaufwand eher kleiner oder eher größér gewesen sein muss. Natürlich kann es sein, dass der Bauherr auch einen Einfachstkubus teuer bezahlt (und es vielleicht sogar aus Prestigegründen gerne tut) - den (durch reduzieren Aufwand) höheren Gewinn machen dann andere (was man ihnen als Wirtschaftssubjekte nicht vorwerfen muss).

Ich erinnere an das Gesülze der entscheidenden Wettbewerbsjurys

Das meinte ich mit pseudophilosophischen Traktaten. Sich so etwas auszudenken, ist wohl der Daseinszweck entsprechender Kommissionen bzw. der Fachleute, die damit zeigen müssen, was sie als Experten auszeichnet und vom "gewöhnlichen" Bürger unterscheidet, der zu solch klarsichtiger Prosa nicht fähig ist. Außerdem muss man ja irgendwie begründen, weshalb der schlichte Klotz so genial und folglich teuer ist.

Florian Berlin hat gesagt…

Man könnte in diesen Blog wahrscheinlich auch Fotos von Karies oder von Achim Menzel stellen und es braucht keine zwei Kommentare bis wieder das übliche Gehacke und Gezerre losgeht. Böse Plattenbauten, guter Neumarkt, böse Modernisten, gute Traditionsbewahrer, etc. Es sind ja Variationen des immer gleichen Themas. Das ist total schrill!

Anonym hat gesagt…

Seltsamer Beitrag aus Berlin?! Sie verwundert, dass man in einem Blog, auf dem Architektur gezeigt wird, über Architektur diskutiert?

Desweiteren kann ich ihrem Beitrag nichts Konstruktives entnehmen, ganz im Gegensatz zu jenem von "Nemo"

Anonym hat gesagt…

Und ein Florian aus Berlin ist in diesem Blog nur dazu da, um argumentfreies polemisches Gedöns in den Raum zu schmeißen. ;)

Anonym hat gesagt…

@Nemo:

Es ist tatsächlich so, dass Modernistenkuben nicht selten sogar kostenintensiver sind als es vergleichbare traditionelle Architektur wäre! Man muss sich ja nicht zwingend verkünsteln - eine einfache ockergelbe Putzfassade mit rotem Spitzdach, die eindeutig nach Dresden aussieht, ist sicher nicht aufwändiger als metallene Vorhangfassaden oder mysteriöse Paluccakritzeltechniken. Man sollte tatsächlich viel deutlicher betonen, dass die Modernistenideologie das eigentliche Übel ist.

Stephan hat gesagt…

"manche möchten nicht, dass die jetzigen Architekten aktuelle Formensprache benutzen, sondern lieber so bauen"

Tja, "aktuelle Formensprache", was ist das genau?

In Deutschland ist das ganz einfach der vollständige Verzicht auf Gestaltung - ein Würfel, gern aus Glas, und mit nackten Betonwänden, wegen der "Materialehrlichkeit". Oder man baut ohne Rücksicht auf Kosten und Nutzbarkeit schiefe Wände, weil man ja "Stararchitekt" ist und einen "spektakulären" Entwurf abliefern will. Das höchste der Gefühle ist dann, wenn noch ein verrostetes Metall-Etwas davorgelegt oder gehängt wird.

Dies scheint ein bundesweites Phänomen zu sein und nicht nur auf Dresden beschränkt - man schaue sich mal die gruselige "Architektur" an, die heutzutage in München entsteht, sei es in Schwabing, in Riem oder am Stiglmaierplatz, wo auf dem ehemaligen Brauereigelände Bauten von geradezu sensationeller Belanglosigkeit entstehen (von Stuttgart mal ganz zu schweigen).

Wenn unter "zeitgemäßer Architektur" hingegen die Baurichtung verstanden wird, die beispielsweise in Portugal, Belgien oder den Niederlanden immer mehr Anhänger findet - eine kleinteilige Architektur mit lokalen Stilelementen - dann wäre ich tatsächlich auch für eine "zeitgemäße" Bebauung.

Beispiel Chiado: hier wurde nach dem Brand 1988 in Lissabon nicht einfach rekonstruiert, sondern eine moderne Formensprache für den Wiederaufbau entwickelt, die so lokaltypische Details wie Ziergitter, Fenster- oder Dachformen und ortstypische Fassadenmaterialien einbezog.

Wäre eine ähnliche Katastrophe in Deutschland passiert, hätte man wohl die üblichen "Gestaltungsmerkmale" wie Betonwände und Glasflächen herangezogen. Aber vermutlich sind die meisten deutschen "Architekten" von heute gar nicht in der Lage, irgendetwas Kreatives zu schaffen, sondern reproduzieren immer nur dieselben belanglosen Strukturen...

Nemo hat gesagt…

dass die Modernistenideologie das eigentliche Übel ist.

Ich bestreite ja nicht, dass es eine solche Ideologie gibt. Aber ich glaube, dass die eigentliche Ursache des baulichen Primitivismus' ökonomischer Natur ist und die Ideologie (im Sinne einer Symbiose) heute überwiegend nur zur Rechtfertigung und Durchsetzung benutzt wird (unabhängig davon, ob sich Baubürgermeister X oder Jurymitglied Y dessen bewusst sind).

Denn diesen Primitivismus gibt es zunehmend überall: was der Einheitsflachdachkubus ohne regionalen Bezug darstellt, ist wie das global verbreitete Fernsehprogramm, wie die Einheitspresse, die ohne Recherche nur noch Agenturmeldungen kopiert, ist wie grenzenlose Fastfood-Esskultur usw. Bauwirtschaft ist ein Teil der Wirtschaft - es gelten gleiche Gesetzmäßigkeiten: Rationalisierung zwecks Rendite - Rücksichten auf lokale Besonderheiten werden auf dem Weltmarkt möglichst eingespart.

Ich halte es in diesem Zusammenhang für eine sehr clevere Strategie, Gewinnmaximierungsabsichten nicht zu offensichtlich vorzubringen, sondern statt dessen scheinbar progressive, als liberal und modern geltende und vom (veröffentlichten) Zeitgeist daher positiv bewertete Ideologieversatzstücke zu befördern, deren Verbreitung dann quasi als "zufällige Nebenwirkung" die eigenen ökonomischen Ziele erfüllen hilft.

Anonym hat gesagt…

Mir gefällt das letzte Bild am besten. Auch der zweite Wagen sollte so gestaltet werden.

Florian Berlin hat gesagt…

Nein, Anonym 6:13, falsch verstanden. Was mich wundert: dass hier Loschwitz gezeigt wird, aber in der Debatte gleich wieder Neumarkt rauskommt. Man kann ja vieles diskutieren anhand der Fotos, z.B. die Verkehrssituation am Körnerplatz oder die elegante Eisenkonstruktion der Schwebebahn oder die Farbe der Elbe. Stattdessen gehts um "Modernistenkuben" oder überhaupt die sog. Modernisten oder den Stiglmaierplatz in München. Vielleicht laufen auf den Bildern ja ein paar erkennbare "Modernisten" herum, aber von deren böser, böser Architektur ist weit und breit auf den Bildern nix zu sehen. Also mal kein Grund zur Aufregung, oder?

Nemo hat gesagt…

Stattdessen gehts um "Modernistenkuben"

Das Thema dieses Blogs lautet Bausituation Dresden. Und wenn man über die Bausituation in Dresden spricht, wird man am Neumarkt einerseits und den vielen aus dem Boden schießenden Kubusbauten andererseits, wie z.B. Zwingerforum, Hotelneubauten oder reihenweise geplante Florana-Kisten (offenbar der Versuch, die Stadt mittels großer Parkhäuser wieder aufzubauen) nicht vorbeikommen.

Und was die Bilder von Loschwitz, aber auch aus anderen Städten betrifft: Wenn man etwas kritisiert - hier: Architektur zeitgenössischer Formensprache als Merkmal der Dresdner Bausituation (oder wie ich es sehe: lieblose Billigkisten, die sich hinter pseudointellektuellem Geschwafel tarnen müssen) - dann sollte man auch Beispiele bringen, wie es besser ginge, wie man es früher gemacht hat oder wie es anderenorts gelöst wird. Erst durch diesen Vergleich wird für den, der es sehen will, deutlich, worum es hier geht.

Anonym hat gesagt…

"Aber vermutlich sind die meisten deutschen "Architekten" von heute gar nicht in der Lage, irgendetwas Kreatives zu schaffen"

Falsch. Die Architekten machen nur das, was von ihnen erwartet wird. Man weiß ja genau, welche Art von Entwürfen die Dresdner Gestaltungskommission, das SPA, der Baubürgermeister oder diverse Modernistenjurys honorieren - und welche ignoriert und belächelt werden. Bestes Beispiel ist die völlig konträre Situation in Frankfurt. Die stadtbaupolitischen Vorgaben sind im Römerbereich völlig anders geartet als im Dresdner Neumarktbereich. Und was entwerfen die Architekten?

Siehe da:

http://www.domroemer.de/site/neubauten/markt-40/

Anonym hat gesagt…

Naja, in Frankfurt ist auch nicht alles Gold. Siehe dieses Meisterwerk:
Markt 30
Da schüttelt es mich heftigst.

Roberta hat gesagt…

Hallo Stephan, Dein Beitrag vom 17.10. ist falsch! Das Bild 10 zeigt das Blaue Wunder, von der
anderen Brücke ist nichts zu sehen!
Mach mal einen Ausflug bei diesem schönen Herbstwetter!Wir können uns
ja treffen!
MfG
Roberta

Anonym hat gesagt…

"von der anderen Brücke ist nichts zu sehen!"

Augen auf, Roberta! Ändert aber nix dran, dass die WSB aus dieser Perspektive nie zur Debatte stand. Ist doch klar, dass man aus mehreren Kilometern Entfernung keine "zerstörerische Wirkung" mehr wahrnimmt - und ich wüsste auch nicht, dass das im Zuge der unsensibel geführten Brückendiskussionen irgendjemand behauptet hätte.

Anonym hat gesagt…

"Da schüttelt es mich heftigst."

Das mag sein, ändert aber nichts an meiner grundsätzlichen Aussage. Die Tendenz in Frankfurt stimmt - und selbst die weniger gelungene Ausnahme Markt 30 orientiert sich immer noch am Genius Loci (schwarzer Schiefer, giebelständig, vorkragende Geschosse, kleinteilig) - in Richtung Lämmchen gibt's sogar ein historisierendes Erdgeschoss aus rotem Sandstein.

Und wie gesagt, dieses Gebäude markiert die untere Niveaugrenze. Wenn man da die primitiv-austauschbaren Graubauten der Dresdner Verunstaltungskommission zum Vergleich heranzieht, bleiben mir nur zwei Worte und ein Satzzeichen in Richtung Elbtal: Gute Nacht!

Phoenix hat gesagt…

Nemo:"Ich halte es in diesem Zusammenhang für eine sehr clevere Strategie, Gewinnmaximierungsabsichten nicht zu offensichtlich vorzubringen, sondern statt dessen scheinbar progressive, als liberal und modern geltende und vom (veröffentlichten) Zeitgeist daher positiv bewertete Ideologieversatzstücke zu befördern, deren Verbreitung dann quasi als "zufällige Nebenwirkung" die eigenen ökonomischen Ziele erfüllen hilft. "

Sehr richtig erkannt.

Anonym hat gesagt…

Zitat Phoenix: "Sehr richtig erkannt."

Bitte vergessen Sie nicht, dass es sich hierbei um eine These handelt und nicht um eine belegte Tatsache. Ich habe oft genug die Erfahrung gemacht, dass die Ideologie über allem steht - auch über der Wirtschaftlichkeit. In den Studiengängen der Architektur und Städteplanung geht es m.E. vordergründig darum, Modernistenideologien zu verinnerlichen - und nicht, möglichst wirtschaftlich zu entwerfen. Sicher spielen Finanzen bei Investitionen eine nicht zu unterschätzende Rolle, aber eben keineswegs ausschließlich. Die Bewertung der Ideologie als Scheinideologie, um Gewinnmaximierungen zu verschleiern, halte ich für gewagt. Letztlich würde ich Nemos Einschätzungen nur bedingt zustimmen.

Matthias hat gesagt…

Zitat Anonym: „Die Bewertung der Ideologie als Scheinideologie, um Gewinnmaximierungen zu verschleiern, halte ich für gewagt.“

Für Nemos These spräche z.B. auch die Fehlinterpretation des Satzes „Die Form folgt aus der Funktion.“, durch Vertreter der Moderne, der durch Sullivans 1896 erschienenen Aufsatz populär wurde.

So wie Sullivan es beschreibt, meint er damit wohl eine Gesetzmäßigkeit, der alle Formen unterliegen, unabhängig davon welche Intensionen dem Prozess der Formgebung zu Grunde liegen. (Sullivan selbst hat bei seinen Hochhäusern auf Ornamentik ja nicht verzichtet.)

Was uns Sullivan mit diesem Satz auch immer sagen wollte, er forderte ganz bestimmt nicht, die totale Reduktion aller Formen auf das sogenannte „Nützliche“ (Selbst wenn — Was zählt denn alles zum Nützlichen? Kann nicht ein Ornament, das für den einen Menschen unnütz ist, für einen anderen sehr nützlich sein?).

Wenn also eine Ideologie, die eine völlig unnötige Reduktion der Ausdrucksmöglichkeiten fordert und die Jahrhunderte früherer Baugeschichte um jeden Preis ablehnt — eine Ideologie, die also dem gesunden Schaffensdrang der Menschen, der zudem von Mensch zu Mensch verschieden ist, vollkommen widerstrebt — über 100 Jahre lang Bestand hat, kann sie dann ohne diesen (verschleierten) wirtschaftlichen Aspekt so erfolgreich sein?

„Weniger ist mehr“, ist auch einer dieser Leitsätze der Moderne, auf den sich heute noch so viele Architekten berufen, vermutlich ohne ihn jemals ernsthaft zu hinterfragen.

Man kann sicherlich auf Schmuckelemente in der Architektur verzichten und trotzdem ein für unsere Augen angenehmes Gebäude kreieren. (Mir kommt da als erstes Mendelsohns Einsteinturm in den Sinn. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/36/Einsteinturm_7443.jpg)
Trotzdem entstehen in Dresden und anderen deutschen Städten, ja Städten weltweit, seit Jahrzehnten zu einem großen Teil ganz abscheuliche Gebäude. Die Abscheulichkeit dieser Gebäude hat aber wenig mit einer ernstgemeinten Ideologie zu tun. Ich bezweifle, dass Menschen absichtlich und so unglaublich ausdauernd derart destruktiv sein können. Unser ausgeartetes kapitalistisches System, in welchem Egoismus und Konkurrenzkampf zu den moralischen Eckpfeilern zählen, ist doch ausschlaggebend für vieles Destruktive unserer Zeit. Talentlosigkeit wäre eine weitere Erklärung.

Gebäude werden in Windeseile hochgezogen und geplant. Wie harmonisch oder unharmonisch diese Gebäude sich dann in Städte einfügen ist nebensächlich, die Hauptsache ist, dass sie Gewinn versprechen und sich für den Auftraggeber und Architekten rentieren. Um die einfachen Bürger, die von Architektur und Gestaltung ja keine Ahnung haben, ruhig zu halten, werden dann (100 Jahre alte) Sätze wie „Die Form folgt der Funktion.“ oder „Weniger ist mehr.“ herangezogen, die aufzeigen sollen wie intelligent, zeitgemäß und fortschrittlich die Gebäude seien.

Es gibt die Architekten und Investoren, die sich hinter einer Scheinideologie verstecken um ihre, eigentlich so offensichtlichen, wirtschaftlichen Interessen zu verschleiern. (Wenn sich dann mal jemand, zu Recht, gegen die scheußliche Gestaltung auflehnt, kann man als Investor immer noch sagen: „Wenn Sie gegen mein Gebäude sind, dann sind sie gegen das Schaffen neuer Arbeitsplätze.“ — ein Totschlagargument, das der einfache Bürger sofort versteht und jederzeit unterstützt.)

Andererseits gibt es gewiss auch diejenigen, die ernsthaft solch alte Sätze nachplabbern, weil sie sich selbst zu den wenigen Privilegierten zählen, die imstande sind, diese vollends zu verstehen und schließlich deren Botschaft in die Welt hinauszutragen helfen. (Was sie dabei vergessen: Menschen sind Individuen. Manche mögen Ornamente, manche mögen Sachlickeit. Auf ausschließlich das eine oder das andere zu beharren und es von anderen Menschen einzufordern, ist purer Egoismus.)

Ich bin mir nicht sicher, welche Variante ich persönlich mehr verachten soll.

Anonym hat gesagt…

Natürlich gibt es immer mehrere Varianten und Möglichkeiten, Matthias. Ich habe den wirtschaftlichen Aspekt ja mit keinem Wort geleugnet, im Gegenteil. Aber das Modernistensystem basiert eben nicht NUR, sondern AUCH auf Gewinnabsichten.

Der Herr Marx z.Bsp. bezeichnet sich öffentlich als Kind der 60er/70er und bekennt sich vehement zu den Ideologien dieser Zeit. Und was ein Herr Glaser in der Gestaltungskommission für abstruses Zeug von sich gibt, spricht ebenfalls Bände. Nein, solche Herrschaften sind tatsächlich felsenfest von ihren verzerrten Gedankengängen überzeugt. Das Modernistensystem besteht ja nicht nur aus Investoren, die Gewinn generieren wollen, sondern auch aus zahlreichen Ideologierepräsentanten, die ohne jede Gewinnabsicht nur auf der Welt sind, um ihre Dogmen durchzudrücken!

Es ist viel zu einfach, alles auf's Geld zu schieben. Ich empfehle jedem, sich mal ein Probesemester eines relevanten Studiengangs anzutun. Wenn man mal die stark manipulativen und ideologisch durchdrungenen Formulierungen der ein- oder anderen Aufgabenstellung vor Gesicht hatte (ich hatte das Vergnügen), erschließt sich einem die ganze Tragweite vielleicht eher...