Samstag, 26. November 2011

Neumarkt | Aktuell

Q VIII & Q II




Kommentare:

Herr Zorn hat gesagt…

Ist diese gerundete, mittige Kreation so eine Art Auenland-Gedächtnisbau für den fortschrittlichen Hobbit von heute? Also wenn das die adäquate Antwort der zeitgenössischen Qualitätsarchitekten ist dann brauchts doch keiner weiteren Argumente pro Klassik, oder? Auch sonst steht nicht viel zu Buche, allein der schmale Füllbau in der Rampischen mag zu gefallen. Weist doch erstmal was vor, dann können wir weiter diskutieren.

Anonym hat gesagt…

Auf dem dritten Bild sieht man eine Fassadenmalerei. Ich weiß nicht, auf welchem Gebäude es sich befindet?

Kann da jemand was zu sagen!

Ich weiß aber,das zeitgenössische Architektur solchen fantasivollen und sensiblen Schmuck nicht fertig bringt, weil die heutigen Architekten nicht fantasivoll und sensibel sind.
Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Architekturstudium sind sehr gute mathematische Fähigkeiten.
Das sagt schon alles, mit welchen Leuten man es hier zu tun hat.

Wir brauchen mehr Künstler in dieser Scene, die mehr Einfühlungsvermögen und Fantasie
mitbringen, die für den Menschen planen und nicht nur für den Profit.
Es muß ja nicht so wie Hundertwasser sein, aber so ein Bruchteil Hundertwasser wäre nicht falsch.

Anonym hat gesagt…

"so ein Bruchteil Hundertwasser wäre nicht falsch"

Ein Bruchteil Dresden wäre mir noch viel lieber.

Anonym hat gesagt…

Wartet beim abgeschrägten Mittelbau doch erst einmal das Ergebnis ab. Momentan kann doch niemand ernsthaft die Wirkung des fertigen Baus antizipieren.
Also ruhig Blut ;)

Georg Gemander hat gesagt…

@Anonym 20:30 Es scheint mir der Übergang zum Fraumutterhaus (das rechte Haus) zu sein.

retiredpeople hat gesagt…

Was macht Dresden aus? Wo hält man sich auf, welches Viertel entwickelt sich und ist attraktiv?
Man kommt hier an, bewundert die Stadt, ihren offenen dörflichen Charakter, die vielen leerstehenden Häuser und brachen Flächen und natürlich was jeder Tourist im Wochenendmarathon so anschaut. Findest schön, malt sich aus wie man auf den Brühlschen Terrassen lernt, zieht hier her und fängt an zu studieren. Und schon nach einem Jahr ist einem klar, dass diese Stadt offensichtlich keinen Wert darauf legt, für junge Leute attraktiv zu sein. So baut und baut und baut man an der seelenlosen Altstadt, dem Disneyland der Unverständigen. Plastikfassaden gepaart mit der Deckenhöhe des 21. Jahrhunderts in dem repräsentativsten Viertel der Stadt. Ja richtig - für 3 Tage ist das schön. Und dann wirds komisch. 3sats kulturzeit berichtet, "Die Zeit" schreibt und einem dämmert wie unfähig hier (zumindest im innersten Zentrum) geplant wird und dann wird einem noch von Politikern direkt aus dem Stadtrat erklärt, dass sie ja irgendwie ihr Amt inne behalten müssen, man hat keine Wahl, muss dem "Volksbegehren" nachgeben.
Sicherlich ist der Postplatz eine einzige Katastrophe und das Passagensystem (Altmarktgalerie, Centrum Galerie) das unattraktivste Einkaufsumfeld, was man so bieten kann, doch würde auch kein renommierter Architekt dies gutheißen! Moderne Architektur ist ungleich dem TLG Zwingerforum! Die wichtigste und größte Herausforderung für einen Architekten ist, das Umfeld so gut wie möglich in das Stadtbild zu integrieren - s. Synagoge, s. Leipzig oder Köln!

Wenn die Neustadt nicht wäre und sich nicht so pulsierend und weiter entwickeln würde, dann sollte man sich wirklich um Dresdens Zuwachs sorgen. Die TU Dresden trägt mit über 36.000 Studenten dazu bei, dass jedes Semester viele junge Leute nach Dresden ziehen. Die Frage ist: Wer von ihnen bleibt?

Am ideellen Ende steht ihr allein da, ihr Übriggebliebenen "Urdresdner", die ihr nur das beste für eure Stadt wollet. Und irgendwann schaut ihr euch um und alle anderen sind gegangen.

Anonym hat gesagt…

"dem Disneyland der Unverständigen"

Der Unverständige scheinst mir eher Du zu sein. ;)

Unglaublich, wie vehement sich diese dümmlichen Polemikfloskeln in den aktuellen Sprachgebrauch eingebürgert haben.

Nutellaschrippe hat gesagt…

Lass mich raten... Nachwuchsarchitekt? Viel zu lernen du hast, Jungtroll. Neustadt= pulsierend aber rekonstruierte Viertel = ewiggestrig?

M.Brock hat gesagt…

Und was ist Nutellaschrippe? Nachwuchskrapfen?
Ein gewachsenes Viertel kann man nicht aus dem Nichts neu erschaffen, ob da jetzt Voluten drankleben oder "Strichcodefenster" für Abwechslung sorgen sollen. Ich denke, irgendwann werden auch diese Bauten als Baudenkmale von unserer Zeit künden, als Versuch, etwas Unersetzbares wieder zurückzuholen.

Anonym hat gesagt…

mal kurz was zu "anonym" vom 26.november 2011:

also ich weiß ja nicht wo du dein wissen bezüglich dem architekturstudium her hast, aber ich habe es studiert und wir brauchten ja mal sowas von null-komma-null höheres (oder sehr gutes) mathematikwissen. einfache grundrechenarten - das reicht aus.

und nochwas: dass heutige architketen nicht fantasievoll und sensibel sind ist einfach nur quatsch! diese geometrischen formen (wie voluten - also schnecken oder kreise oder gar ganz andere mustervariationen) bringen wir auch fertig. meist wird dies aber als unnützer schmuck und als nicht sachlich angesehen und eher verpönt. meist verstehen sich ausschmückende elemente an neubauten auch als purer luxus (= mehrkosten), auf die man verzichten kann und muss, da energieeffiezienz, nutzerfreundlichkeit, ökologische und ökonomische bauweise wesentlich mehr im sinne des bauherren und der gesellschaft sind!
natürlich werden aber verzierende elemente (wie aus barock&co oder moderne muster) auch heute noch verwendet (gerne auch leicht abgewandelt oder uminterpretiert (florale muster) oder einfach kopiert),

ein beispiel: man erinnere sich hier an die bemusterung in kulkas konsumtempel an der prager straße

ist aber wie immer keine wertung, sondern nur eine richtigstellung bzw. anmerkung zu dem kommentar!

soweit sogut. ciao

cs

Herr Zorn hat gesagt…

Ach Brock, mit Ihnen wird es langweilig. WO sind denn die immer wieder propagierten Beispiele exquisiter moderner Architektur? WO? Angeblich nimmt der Neumarkt dieser unverstandenen, verschmähten Kunst ja die Luft zum atmen... buhuuu... Vielleicht soetwas wie rund um den Bahnhof? das neue Kugelhaus? schwebt Ihnen soetwas vor? Überall sonst in Dresden darf sich die Moderne austoben aber WO hat sie etwas überzeugendes hervorgebracht?!?

Anonym hat gesagt…

Glaub ich ehrlich gesagt nicht, M. Brock. In Warschau, Danzig oder Posen hat 's auch funktioniert. Sie meinen, dort leben keine Dresdner Lemuren mit ihrem etwas eigenartigen Schönheitsempfinden? Ich sehe dies nicht so pessimistisch, wenngleich man an dem Schwachsinn mancher hier verzweifeln könnte.
Aber zu dem was Sie schrieben: Ich denke sehr wohl, man wird es irgendwann als Selbstverständlichkeit akzeptieren, dass es in Dresden so etwas wie eine (ohnehin klitzekline) Altstadt gibt und sich darüber freuen. Der Verweis auf Leipzig hinkt - das hatte einen ungleich geringeren Zerstörungsgrad und eine vergleichsweise gut überkommenene alte Stadtstruktur. Was hätte man in DD mit dieser rieseigen Brachfläche um die FK machen sollen? Eine Parklandschaft als finale Verwirklichung der Auslöschung? Oder eine x-beliebige
Neubausiedlung? Natürlich, ja, hochwertige zeitgenössische Architektur, klar. Dass man die an jeder anderen Stelle auch bauen könnte, beziehungsweise, dass derartige Wiederaufbaukonzeptionen in so gut wie allen (westdt-)Städten fürchterlich gescheitert sind, dass man das, was damasl als qualitativ und modern angesehen war, heute nicht mehr anschauen kann, will halt nicht in manche Gehirne. Jetzt steht gleich die ganze Zukunft Dresdens auf dem Spiel, nur weil auf der kleinen NM-Fläche ein paar "rückwertsgewandte" Häuslein wiederkehren dürfen. Wo doch die jahrzehntelange Brache so viel schön war... tztztz...
Die Neustadt pulsiert dafür... so n Quatsch. Wenn man dieses Elend gesehen hat, kann man als halbwegs europaweit Herumgekommener nur den Kopf ob soviel "Des-Kaisers-Neue_Kleider"-Dummheit schütteln. Dort, wo sie halbwegs intakt ist, gab es eben keine Zerstörungen. Und diese schäbigsten Plattenbauten nebst Durchzugsstraße, dort, wo einmal das Zentrum war, sind in mitteleuropäischem Maßstab eine derart unwürdige Kuriosität
Offenbar haben in der Dresdner Psyche die Bomben eine sehr tiefgreifende Wirkung hinterlassen, wurde hier mehr zertrümmert als nur Mauern und Steine...
Sicher ist nicht alles gut gegangen im Q VII, was es auch durchaus zu kritisieren gilt. Aber freuen wir uns doch umsomehr an den gelungenen Beispielen des Q II und fordern wir, dass es beim Q VIII besser wird.
Gruß aus Wien, von wo man gewisse Dinge soitiver beobachtet FL

Björn hat gesagt…

Hahaha... köstlich! Bei der Neustadt müsste M.Brock und Gesinnungsgenossen eigentlich die Galle überlaufen! Das ist purer Historismus, vor 100-120 Jahren auf der grünen Wiese hochgezogen (soviel zu gewachsenem Viertel), mit damals modernsten Mitteln gebaut und nach Belieben mit Fassaden versehen. Am Neumarkt wird das jetzt neunmalklug verteufelt... ich lach mich tot. Was soll denn jetzt in den historischen, tausende Jahre alten Siedlungskern für den trendigen Studenten gebaut werden? Späti und Fladachbaracke mit Discothek Lolipop?

retiredpeople hat gesagt…

... vielleicht haben wir uns missverstanden: wenn ich von der Neustadt spreche, dann sicherlich nicht von der Inneren, sondern von der Äußeren Neustadt - die ja weitesgehend verschont wurde. Wieder kann ich zustimmen, dass die Gestaltung der Inneren Neustadt nicht wirklich gelungen ist und auch das Kugelhaus hat absolut nichts mit "guter" Architektur zu tun. Es gibt kaum moderne Architektur in Dresden. Wirklich größere und gelungene Projekte bleiben wie bereits erwähnt die Synagoge und das Militärhistorische Museum.

M.Brock hat gesagt…

@Björn: Die innere und äußere Neustadt sind gewachsene Viertel, auch wenn Sie das vielleicht nicht verstehen können.
Die Neustadt stellt für Dresden sozusagen die neue Altstadt dar. Die Mischung aus echtem Barock, Gründerzeit und Plattenbau mag vielleicht manchem Kosmopoliten nicht zusagen, sagt mir aber mehr zu als alles, was bisher am Neumarkt errichtet wurde.

Björn hat gesagt…

Aha, Plattenödnis in allen Variationen wird nicht zur Moderne gerechnet oder was? Nach 1990 wurde auch noch das ein oder andere Gebäude errichtet und dabei sind Rekonstruktionen die Minderheit... Kaum Moderne in Dresden?

Anonym hat gesagt…

Bezüglich des Wiederaufbaues der polnischen Städte im Vergleich zu Dresden:
Diese Städte wurde bereits kurz nach dem Krieg wieder aufgebaut. Es wurde sich damit von er Kriegsgeneration zurückgeholt, was sie verloren hatten. Weiterhin war das ein Zeichen nationaler Selbstanstrengung, damit jeder sehen konnte, dass der polnische Staat und die polnische Nation nicht untergegangen ist. In meinen Augen legitimiert das den Wiederaufbau. Nur leider ist das schwerlich auf Dresden anzuwenden. Nationale Symbolorte der staatlichen Behauptung und des Wiederaufstieges in die Weltgemeinschaft haben wir genug.
Was ich nicht verstehe, ist die Gleichsetzung von zeitgenössicher Architektur mit Klötzchen. Gehen wir mal davon aus, dass die Frauenkirche in dieser Form gebaut worden wäre, aber die Quartiere drumherum nicht historisierend aufgebaut worden wären. Ich kann mir nicht vorstellen (ja, damit bin ich hier wahrscheinlich in der Minderheit), dass wir eine x-beliebige Neubausiedlung mit Flachdächern, niedrigen Decken und liebloser Fassade bekommen hätten.
Mfg R-B

Anonym hat gesagt…

"dass heutige architketen nicht fantasievoll und sensibel sind ist einfach nur quatsch! diese geometrischen formen (wie voluten - also schnecken oder kreise oder gar ganz andere mustervariationen) bringen wir auch fertig. meist wird dies aber als unnützer schmuck und als nicht sachlich angesehen und eher verpönt."

Da haben wir ja den Kernpunkt, den ich hier immer wieder zu betonen versuche. Nicht das Können ist das Problem, sondern das Wollen. Und damit einhergehend die Ideologie. "Unfähig" sind Architekten sicherlich nicht. Zumindest nicht pauschal. Die Modernistenideologie mitsamt ihrem arroganten Ausschließlichkeitsanspruch, die ist das Übel der letzten (und leider auch kommenden) Jahrzehnte!

Anonym hat gesagt…

"gerne auch leicht abgewandelt oder uminterpretiert"

Sie meinen wohl eher "stark abstrahiert", bis man das Interpretationsbuch zu Rate ziehen muss.

Anonym hat gesagt…

"Offenbar haben in der Dresdner Psyche die Bomben eine sehr tiefgreifende Wirkung hinterlassen, wurde hier mehr zertrümmert als nur Mauern und Steine..."

Nicht nur die Bomben, v.a. auch der 40jährige Sozialismus.

Anonym hat gesagt…

aus Ivan Reimann: "Ein unlösbares Dilemma"
...und so zerbröselt der Keks nunmal.

"(...)
Er schreibt von dem „anthropologischen Ort“, an dem das Leben als Einheit von Natur, Kultur und Religion stattfindet (von nichts anderem schrieb Adolf Loos im erwähnten Textausschnitt), und den „Nicht – Orten“: Orten des Flüchtigen, des Transits, der Durchreise, Orten, die nicht gelebt, sondern nur erlebt, nur gesehen werden, Orten, die im Vorbeigehen konsumiert werden.
(...)
Stellen wir uns vor, das Dorf, von dem Adolf Loos sprach, steht heute noch. Vielleicht blieben ihm weitere Zerstörungen erspart. Etwas sehr Wesentliches hat sich seitdem verändert. Das Dorf wurde zum Architekturdenkmal erhoben und auch die Villa, möglicherweise war sie von Otto Wagner erbaut, steht unter Denkmalschutz. Nebenan wurde ein Parkplatz errichtet, auf dem tagsüber Busse von Überseetouristen ausgeladen werden, die sich das „Alte Europa“ anschauen wollen. Die Bauern sind in die Stadt gezogen, sie kommen zurück nur um Kindern zu zeigen, wie sie früher gelebt haben. In den Häusern wird regionale Küche serviert und Souvenirs verkauft. Ohne etwas abzureissen, ja mit der festen Überzeugung Geschichte zu bewahren, hat man sie erfolgreich beseitigt.
(...)
Am Neumarkt schien sich einmal die Gesamtheit der Stadt Dresden, seiner Kultur und seiner Geschichte zu manifestieren. (...) Das Problem des Neumarkts ist nicht der Nachbau historischer Architektur. Architektonisch gesehen ist sein Problem, dass dieser Nachbau, wenn man sich für ihn entschieden hat, nicht konsequent betrieben wurde. Sein eigentliches Problem ist aber nicht architektonischer Art. Es liegt darin, dass er mit Dresden, außer einer Postkartenrealität, nichts zu tun hat. Daran würde weder eine noch genauere historische Kopie, noch eine „moderne“ Verpackung der Gebäude etwas ändern. (...)"