Sonntag, 5. Februar 2012

Dresden | Südvorstadt

Ein kleiner Rundgang durch einen Teil des ehemaligen Amerikanischen Viertels von Dresden unweit des Hauptbahnhofes. Die Bezeichnung Amerikanisches Viertel ist dabei
in Anlehnung an das rechtwinklige Straßensystem und die dichte Bauweise enstanden. Davon ist heute aber fast gar nichts mehr übrig, außer der Straßenanordnung. Weiter-
hin gab es an der Bergstraße eine Amerikanische Kirche, die 1959 zwar zerstört aber aufbaufähig abgerissen wurde. Diese trug jedenfalls auch zur Namensgebung des
Viertels bei. Route: Lukasplatz - Reichenbachstraße - Uhlandstraße - Strehlener Straße - Franklinstraße - Schnorrstraße - Reichenbachstraße









Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Einfach noch viel leergeräumte Fläche zu sehen und ab und zu ein wenig alte Bebauung.
Der Rest wird wieder mal mit mindere Betonriegeln Architektur zugebaut.
Sorry wenn man wenigstens die neue Bebauung an,die Alte angleichen würde,siehe Bild 10,22,23 sehe das schon viel harmonischer(schöner) aus.
Ein Vorschlag wenn es geht,an jeder Stelle von den neuen Fotos,ein altes daneben Stellen,dann kann sich jeder sein Urteil selber Stellen,was schöner aussieht! Das war nur ein Vorschlag von mir.

Peter hat gesagt…

Ein HORRORKABINETT der Stadtgestaltung und Architektur! Bald wird es nicht mehr Elbflorenz sondern Elbstuttgart heissen...

kjhsdfjas hat gesagt…

Danke für die Bilder, obgleich der Anblick einfach nur Schmerzen verursacht. Hier hat man das beste Beispiel für das was passiert wenn man unseren funktionalistischen, anti-ästhetischen Schuldkomplex-Architekturfunktionären und DDR-Nostalgikern das Feld überlässt. Platten-Studentenwohnheime, viele Baracken, Mischwälder und wilde Brachen, primitivste und inferiorste Neubauten für die man sich nur fremdschämen kann.
Wenn niemand genau hinschaut wie am Neumarkt und ein gewisses Niveau einfordert wird es sofort abgrundtief erbärmlich. Hier und da kündet ein einzelnes Gebäude noch von dem dichten, hochwertigen und urbanen Viertel das hier mal stand. Eine äußere Neustadt an der TU!

Anonym hat gesagt…

Willkommen in Legoland....

Anonym hat gesagt…

Horror Horror Horror = 21.Jahrhundert!

Kölner hat gesagt…

Da wurden Kisten, Würfel und Kuben wurden über Südvorstadt von Dresden abgeworfen. Hoffentlich demnächst auch über der Innenstadt. Diese schreit förmlich danach. Dem Betrachter stockt beim Betrachten dieser Baukunst der Atem. Man kann garnicht genug davon bekommen. Diese Einmaligkeit, diese Schönheit der Form, diese Anspruchslosigkeit.Man ist regelrecht verzückt. Liebe Architekten weiter so. Die Architekturinteressierten Europas werden zu diesen euren Baudenkmälern der Moderne pilgern.

Nemo hat gesagt…

Die Bilder zeigen sehr gut das eigentliche Problem Dresdens, nämlich die noch immer vielerorts dominierende Brachlandschaft mitten in der Stadt und daraus folgend, wie deplaziert das ewige Beharren auf eine an die Historie angelehnte oder wenigstens "nichtkubische" Architektur bei jedem einzelnen Bauvorhaben ist, selbst bei einem technisch-gewerblichen Objekt wie der City-Feuerwache.

Um nicht missverstanden zu werden: mir gefallen das historische Stadtbild (soweit ich es kenne) und die meisten übriggebliebenen Altbauten auch besser, als Platten oder pseudomoderne Elaborate, und an weitgehend geschlossenen Standorten wie (inzwischen) Neumarkt oder auch Neustadt bin ich unbedingt für die Unterordnung des Neuen an die alten Strukturen.

Aber der Vorkriegszustand wird nicht wiederkommen, schon gar nicht in der Südvorstadt. Dresden hat nicht zu wenige traditionelle" Bauten, sondern ist (in der Innenstadt) noch immer kaum Stadt, wie hier deutlich zu erkennen ist. Um diesen Zustand absehbar zu ändern, muss man viele Großbrachen füllen und zwar tendenziell schnell und billig (also durch Kuben). Die überzogenen Forderungen, überall - selbst mitten in der Wüstenei am Bahndamm zwischen Ruinen und gewerblichen Plattenmonstern - das alte Stadtbild als Vorbild zu nehmen, sind absolut unrealistisch und bedeuten im Klartext, dass der Wiederaufbau der Stadt auf den Sanktnimmerleinstag verschoben wird. Das können nur Leute fordern, die in elitärem Denken befangen sind und nicht selbst in dieser Brachlandschaft leben müssen. Es ist mir egal, ob hinterm Bahndamm Dresden wie Stuttgart oder XY aussieht, Hauptsache überhaupt wieder nach Zivilisation und nicht nach einer Madmax-Kulisse.

Wenn die Ödnis verschwindet und sich allmählich wieder städtische Räume bilden, dann werden auf den verbliebenen Baulücken auch wieder
anspruchsvollere Projekte entstehen.

Nico hat gesagt…

So schlecht sieht dieses Areal nun auch wieder nicht aus. Es sind immerhin attraktive Wohnviertel wie das Lukasareal entstanden. Gegenüber der Lukaskirche ist endlich die Ruine verschwunden. Das Finanzamt wurde auch einer Schönheitskur unterzogen. Man baut gerade die neue Feuerwache und einen Kindergarten. Schicke Gründerzeithäuser findet man dort auch. An architektonischer Vielseitigkeit fehlt es dort also nicht.

Gruss von Nico

2000 kcal hat gesagt…

Die Neubauten sind vielleicht nicht "schön" aber man muss doch auchmal akzeptieren, dass wir nunmal heute so einen Baustil haben! Man muss mit Mut die Zukunft wagen sonst bleibt man doch ewiggestrig oder sieht das ernsthaft jemand anders?!

Anonym hat gesagt…

Schön was hier so geschrieben wird, irgend jemand hat von übriggebliebenen Gründerzeithäusern geredet, es sind weniger als 1% übrig, also 2-3 Stück im ganzen Areal, oder hier wird wieder von "Historien" Sehnsüchtigen und "ewiggestrige" geschrieben wobei keiner hier irgend sowetwas geschrieben hat, Leute lest mal, die ham geschrieben das sieht "sch**ße aus" und nicht das die wieder alles alte aufbauen wollen, also bitte sinnvoll argumentieren. Und jetzt kommt das beste "aber man muss doch auchmal akzeptieren, dass wir nunmal heute so einen Baustil haben!": Sagt mal habt ihr keine Meinung, lesst ihr keine Zeitung, wohin fahrt ihr in den Urlaub, nach Marzahn!!! Wenn es der Baustill unserer Zeit wäre aber er ist aus dem letzten Jahrhundert "Bauhaus" falls euch das was sagt. Proteste gibt es fast nur gegen moderne Bauten aber nie dafür. Mensch warum sind Paris, Barcelona oder Rom solche Anziehungspunkte doch nicht wegen ihrer Satellitenstädte sondern wegen ihren ALTSTÄDTEN. Selbst in Dresden sind die urbansten und lebensfreundlichsten Viertel die Altbauviertel und kein einziges modernes Plattenbaugebiet auch die Nachwendegebiete sind keine kulturellen Glanzpunkte der Stadt.
Und hier am Beispiel Südvorstadt: Kennt kaum einer, weder Tourist noch Dresdner, kein Stadtbild, kein Investoren Interresse es gibt hier zwar Schulen, Verwaltungs, Büro- und Wohneinrichtungen aber alles so solitär das, dass ganze Gebiet immernoch leer wirkt obwohl dort einiges ist. Die Stadtplanung hat über Jarzehnte ohne einen Plan alles hingebaut wofür grad Platz gebraucht wurde genau so wie Sie es jetzt weiter machen will und was kam raus, ein Gewerbegebiet direkt im Zentrum in einer 500.000 Einwohnerstadt, dass ist ein Armutszeugnis und gibt ein deutliches Bild vom Interrese unsere Stadtverwaltung an UNSERER Stadt!
Wir müssen uns endlich gegen die Dogmen der Politiker und Industrie wehren, wir sind die Menschen die in den Städten leben, wir sind 99%.

Gruß
Dresdner84

Darki hat gesagt…

@Nemo: "Wenn die Ödnis verschwindet und sich allmählich wieder städtische Räume bilden, dann werden auf den verbliebenen Baulücken auch wieder
anspruchsvollere Projekte entstehen."

Bei einem planlosen Zustellen mit ideenlosen Klötzen, die die randstädtischen Gewerbegebiete ins Zentrum holen und sich NULL um Dresdens Identität scheren, ensteht nur neue Ödnis, dann allerdings durch Beton erneut auf Jahre manivestierte. Und was die Moderne in Dresden für Stadträume schafft, das kann ein jeder am Postplatz, entlang der kleinen Brüdergasse, am Dippoldiswalder Platz usw. erleben - Ein Kabinett des Grauens.
Ich habe auch keine Hoffnung, dass der Anspruch der zukünftigen Bebauung (wann auch immer die folgen soll?) in diesen Gebieten ansteigt, wenn in der Umgebung sowieso nur inferiores Kubusgedöhns steht. Das geht nicht minder an der Realität vorbei, als die Ansichten der hier von ihnen kritisierten Teilnehmer.

Anonym hat gesagt…

Schreibt Eure Kritik doch bitte dem Dresdner Stadtplanungsamt.

http://www.dresden.de/de/02/or/or_struktur/strukturelemente/stadt_dresden_6642.php

stadtplanungsamt@dresden.de

Blogjammern wird nicht viel verändern.

Anonym hat gesagt…

"das alte Stadtbild als Vorbild zu nehmen, sind absolut unrealistisch und bedeuten im Klartext, dass der Wiederaufbau der Stadt auf den Sanktnimmerleinstag verschoben wird."

Das ist nur unrealistisch, weil Dresden von Modernisten regiert wird. Das sollte einen aber nicht davon abhalten, sich aktiv kritisch zu Wort zu melden. Wenn der austauschbare Wiederaubau auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben wird, mache ich drei Kreuze.

"Das können nur Leute fordern, die in elitärem Denken befangen sind"

Und wenn einem die Argumente ausgehen, wird es pauschal-polemisch-persönlich, gell?

"Es ist mir egal, ob hinterm Bahndamm Dresden wie Stuttgart oder XY aussieht"

Mir nicht.

Anonym hat gesagt…

"An architektonischer Vielseitigkeit fehlt es dort also nicht."

Und diese ist in einer kriegszerstörten Stadt anzustreben?

Anonym hat gesagt…

"aber man muss doch auchmal akzeptieren"

Warum?

"dass wir nunmal heute so einen Baustil haben"

Wir haben heute nicht so einen Baustil, sondern dieser Baustil ist der vorgegebene Baustil einer modernistischen Minderheit, die in Deutschland leider die Verantwortung für den Städtebau innehat.

"Man muss mit Mut die Zukunft wagen sonst bleibt man doch ewiggestrig oder sieht das ernsthaft jemand anders"

Allerdings. Ihre dümmlichen, unreflektierten, nachgeplapperten, polemischen Worthülsen können Sie gerne für Sich behalten. Mir ist schon schlecht, Danke.

Anonym hat gesagt…

Ja, vielleicht sind die Neubauten nicht schön,aber man kann sie ästhetisch,schön bauen!
Ich wiederhohle mich,aber vor 80-100 Jahren konnte man auch schön bauen,was fürs Auge.
Nur jetzt geht das auf einmal nicht,weil die Kosten zu hoch wären.
Es geht schon,es muß nicht
schnell und (billig) gebaut werden.
Ansonsten leben wir in einer kalten und gleichgültigen Welt,dann nur noch viele Kuben,Gute Nacht....

Anonym hat gesagt…

2000 kcal: Heißt "mit Mut in die Zukunft", sich mit solch abstoßender Architektur (die Bezeichnung Architektur erscheint mir in dem Zusammenhang schon unangebracht!) anfreunden zu müssen?
Nein, dann bin ich lieber ein ehrlicher Schisser und will zurück zur Tradition!!!!!

Oliver Twist hat gesagt…

an Nemo

Die überzogenen Forderungen, überall - selbst mitten in der Wüstenei am Bahndamm zwischen Ruinen und gewerblichen Plattenmonstern - das alte Stadtbild als Vorbild zu nehmen, sind absolut unrealistisch und bedeuten im Klartext, dass der Wiederaufbau der Stadt auf den Sanktnimmerleinstag verschoben wird. Das können nur Leute fordern, die in elitärem Denken befangen sind und nicht selbst in dieser Brachlandschaft leben müssen.

Wenn man alle Brachen Dresdens mit billigen "Kuben" füllen würde, hätte man dann tatsächlich etwas gewonnen? Hätte man ein Stadtbild, das wie das Werk einer kulturell fortgeschrittenen und reichen Zivilisation aussieht? In meinen Augen wäre das ein absolutes Armutszeugnis für unsere Kultur und damit für unsere Gesellschaft. Ich selber würde viel lieber in einer Mad-Max-Umgebung, bestehend aus vermoderten Schönheiten, wohnen, in der noch ausreichend Platz für Einfallsreichtum ist, als in einer Umgebung in der sich Beton gewordene, überdimensionierte Phantasielosigkeit für viele Jahrzehnte breit gemacht hat.

Die vielen Brachen in Dresden sind eigentlich ganz wunderbar, weil sie viele Chancen für eine wirklich moderne aber auch traditionsbewusste Architektur und Formensprache bereithalten, die Dresden endlich wieder bereichern könnten. Sie sind Chancen, die man nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte, indem man, wie es schon seit Jahrzehnten geschieht, immer mehr Provisorien installiert, die niemand als schön empfinden kann und die Dresdens Gesamtbild mehr und mehr schaden zufügen.

Um nicht missverstanden zu werden: mir gefallen das historische Stadtbild (soweit ich es kenne) und die meisten übriggebliebenen Altbauten auch besser, als Platten oder pseudomoderne Elaborate

Wenn Ihnen das historische Stadtbild besser gefällt, dann kämpfen Sie doch dafür. Suchen Sie doch lieber geduldig nach Möglichkeiten wie man nach und nach ein an die Historie angelehntes Stadtbild realisieren könnte, anstatt von unrealisierbaren Forderungen zu sprechen.

Es ist sicherlich unrealistisch eine Art "Neumarkt-Konzept" (Verwendung traditioneller Baumaterialien, Wiederaufgreifen alter Straßenverläufe und Parzellengrößen, Kleinteiligkeit, Kunstfertigkeit, an historische Fassaden angelehnte Bauelemente und Proportionalität, etc.) augenblicklich, zur gleichen Zeit und diffus über die ganze Stadt verteilt auszusäen. So ein Konzept lohnt sich erst, wenn es hochkonzentriert, Stück für Stück, zum Einsatz kommt. Wenn vollständige Quartiere entstehen, die ganze Stadtviertel aufwerten und mit neuem Leben füllen können. Am Neumarkt lohnt sich ein solches Konzept für die Investoren, weil der Neumarkt ein von Dresdnern und Touristen viel besuchter Ort ist, der noch dazu mit einer geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeit in seinem Zentrum aufwarten kann. Man könnte dieses Konzept jedenfalls auf andere Gebiete Dresdens ausweiten. Man könnte neuen attraktiven innerstädtischen Wohnraum schaffen und im Gegenzug Plattenbauten nach und nach entfernen. Vielleicht bekommt Dresden eines Tages sogar moderne Sehenswürdigkeiten dazu, die das Zentrum einzelner Quartiere bilden.

Warum sind wir Menschen denn auf der Welt, um zu sagen: "Nein, das geht nicht, das ist zwar schön aber unrealistisch."? Wir sollten, jeder für sich und alle zusammen unseren Teil dazu beitragen, dass wir die Welt bereichern. Es geht alles. Wenn man es nur will.

Anonym hat gesagt…

"Wir sollten, jeder für sich und alle zusammen unseren Teil dazu beitragen"

Und der erste Schritt wäre eine fundierte Mail an's Stadtplanungsamt:

stadtplanungsamt@dresden.de

Anonym hat gesagt…

Zweiter Schritt: Aktive Mitarbeit bei StadtbilDD.

http://de-de.facebook.com/pages/StadtbilDD-das-Korrektiv/277690905574283

Blogjammern ist zwar am einfachsten, aber leider auch sehr uneffektiv.

Anonym hat gesagt…

Ich finde man soll ja modern bauen, aber man dürfte auf traditionelle Formen nicht ganz verzichten. Sie sollten sich auch in modernen Gebäude etwas wiederspiegeln. Es gibt doch eigentlich so eine Formenvielfalt
in der Architektur aber die Architekten bedienen sich leider der einfachsten Formen.Eigentlich bräuchte man für viele Gebäude keine Architekten mehr, das können
bestimmt auch gute Bauingenieure entwerfen.
In den meisten gegenwärtigen Gebäuden zeigt sich immer wieder Bauhaus. Bauhaus war ein Architekturstiel der kurz nach dem ersten Weltkrieg entstand als Deutschland kaum Geld hatte und man sich verständlicher Weise über spartanische Formen Gedanken machen musste. Aber es ist doch sicherlich heute bei vielen Bauprojekten nicht mehr notwendig so einfallslos zu bauen. Klaus

Nemo hat gesagt…

Die vielen Brachen in Dresden sind eigentlich ganz wunderbar

Das finde ich eben nicht, zumal viele Brachen schon 60 Jahre lang Chancen bereithalten, wie Sie es nennen. Andererseits zeigt sich auch, dass selbst große Provisorien wieder abgerissen werden, wenn genügend Entwicklungsdruck da ist (Centrum-Warenhaus, Linde-Haus, Polizeipräsidium, Fresswürfel etc.)

Es wird aber niemand Perlen vor die Säue werfen und mitten in uferlose Ödnis architektonische Schmuckstücke setzen. Also muss zunächst mal lokal eine bestimmte Entwicklung einsetzen, die dann auch zu Folgeinvestitionen führen kann (Schneeballeffekt). Letztlich zählen harte, quantifizierbare Fakten: Gibt es hier genug Laufkundschaft? Werde ich in diesem Umfeld genug Mieter für Büros oder Wohnungen finden etc? Diese Daten werden auch durch Kuben in der Nachbarschaft positiv beeinflusst, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich ein Standort entwickelt, weil sich dessen Lagegunst verbessert. Und die ist entscheidend bei Neubauprojekten.

Aber: wir reden hier von Brachlandschaften (wie das ex. Amerikanische Viertel), worauf ich diesen Mechanismus beziehe. In dichten, traditionell erhaltenen oder aufgebauten Lagen finde ich billig oder provokant wirkende Schachteln auch äußerst ärgerlich.

Ich halte diese meine Sicht für realistisch und wäre froh, wenn die de-urbanisierten Mondlanschaften auf diese Weise nach und nach verschwinden würden (dieser Wunsch ist schon kühn genug).

Die alte Stadt außerhalb der "Traditionsinseln" historisch angelehnt wieder aufbauen zu wollen, fände ich bestenfalls idealistisch, aber auch aus der Zeit gefallen: Man sollte zwar das Erbe (unbedingt)bewahren und pflegen, aber die heutigen Menschen leben (jedenfalls mehrheitlich) in einem anderen Geist und in anderen Denk- und Wertestrukturen als die Erbauer Vorkriegsdresdens. Ich würde behaupten, dass in einer schnelllebigen, hochmobilen und vielfältig vernetzten Welt die ästhetische Qualität des momentanen physischen Aufenthaltsortes vielen weniger wichtig ist, als sie es in Zeiten
der Langsamkeit und des dauerhaften räumlichen Gebundenseins war.

Man kann diese Entwicklung begrüßen oder bedauern, aber man wird sie nicht aufhalten, indem man darauf besteht, Häuser oder Strukturen zu errichten, die dem Geist und dem Wertesystem früherer (statt heutiger) Generationen entsprungen sind.

Anonym hat gesagt…

"zumal viele Brachen schon 60 Jahre lang Chancen bereithalten"

Lieber eine hundertjährige Chance als eine hundertjährige Entfremdung.

"weil sich dessen Lagegunst verbessert. Und die ist entscheidend bei Neubauprojekten."

Wie sich "Lagegunst" in Dresden auf die architektonische Qualität auswirkt, kann man ja am Postplatz betrachten.

"wäre froh, wenn die de-urbanisierten Mondlanschaften auf diese Weise nach und nach verschwinden würden"

Ich halte austauschbare Modernistenurbanität für destruktiver als Brache mit Chance auf eine andere Zeit und damit einhergehend andere Baukultur.

"aber auch aus der Zeit gefallen"

Dann haben Sie den Zeitgeist wohl noch nicht erkannt. Davon abgesehen, dass Architektur und Städtebau lediglich eine Minderheit interessiert, gibt es innerhalb dieser Minderheiten durchaus Tendenzen hin zu einer neuen Baukultur, die sich an lokalen Bautraditionen orientiert. Die einzigen, die davon nichts wissen und hören wollen, sind die Modernisten in der städtebaulichen Verantwortung. Und das ist das eigentliche Problem.

Nemo hat gesagt…

Dann haben Sie den Zeitgeist wohl noch nicht erkannt.

Dem Zeitgeist begegnen Sie im Vorabendprogramm, aber Vorsicht, einschalten auf eigene Gefahr!

Ansonsten ist es in diesem Lande egal, ob Minderheiten oder meinetwegen auch die Mehrheit irgendwelche Tendenzen ausmacht - das hat selten Einfluss auf tatsächliche administrative Entscheidungen. Deswegen sprach ich auch von Realismus.

Oliver Twist hat gesagt…

Das finde ich eben nicht, zumal viele Brachen schon 60 Jahre lang Chancen bereithalten, wie Sie es nennen. Andererseits zeigt sich auch, dass selbst große Provisorien wieder abgerissen werden, wenn genügend Entwicklungsdruck da ist (Centrum-Warenhaus, Linde-Haus, Polizeipräsidium, Fresswürfel etc.)

Es ist doch ganz normal, dass nach einer großflächigen Zerstörung und dem anschließenden Abriss tausender beschädigter und zerstörter Gebäude auch nach 67 Jahren noch längst nicht alle Brachen geschlossen sein können. Zumal ja durch Neubausiedlungen zum Beispiel in Johannstadt, Gorbitz und Prohlis so unglaublich viel neuer Wohnraum entstanden ist, dass heute einfach nicht so dringend neuer Wohnraum benötigt wird. Kleinteiligkeit wurde ersetzt durch Plattenbauten. Wie soll man denn da diese ganzen Brachen füllen?

Man kann nur geduldig sein und hoffen, dass nach und nach Plattenbauten verschwinden und viele neue, kleinteilige, anspruchsvolle, moderne obgleich traditionsbewusste Wohngebäude, vielleicht auch mit den klassischen Ladenzeilen im Erdgeschoss, entstehen werden. Oder man begräbt die Idee diese Brachen in absehbarer Zeit wieder zu bebauen und lässt ambitionierte Landschaftsgestalter und Künstler ran. Anstelle eines seltsamen, scheinbar willkürlich gestalteten Haltestellengerüsts am Postplatz lädt man dann zum Beispiel Künstler wie Peter Makolies ein ihre großen Sandsteinfiguren umgeben von Parks in eine gestaltete Landschaft einzubetten.

Diese Brachen aber mit Kistenarchitektur zuzubauen, nur um sie zuzubauen und dann darauf zu setzen, dass sich irgendwann anspruchsvollere Architektur dazugesellt und die Entwicklung zur Kistenstadt rückgängig macht, wird Dresden nicht weiterhelfen. Es wird nur einen Teil Dresdens, der für Kultur und Kunst steht relativ zum, in meinen Augen schon viel zu groß gewucherten, Kistenteil, der synonym für unsere außer Rand und Band geratene Konsumgesellschaft steht, nur weiter verkleinern und damit weiterhin das zerstören, was Menschen an Dresden so liebgewonnen haben.

Ich denke, wie mein Vorredner auch, dass mittlerweile ein generationsbedingtes Umdenken bei Menschen, die sich für Architektur und Städtebau interessieren, darunter auch Architekten, eingesetzt hat. Die Diktatur der Kisten neigt sich so langsam dem Ende zu. Hoffen wir, dass die Kastenköpfe bald in Rente geschickt werden oder durch unseren Protest zum Einlenken bewegt werden.

Nemo hat gesagt…

Die Diktatur der Kisten neigt sich so langsam dem Ende zu

Es ist zwar richtig, dass seit einigen Jahren hierzulande der Bann gebrochen scheint, was Rekoprojekte betrifft und das ist auch gut so. Dies betrifft aber lediglich die Schwächung der ideologischen Barriere, nicht den Renditemechanismus (auch wenn dieser hier gerne geleugnet wird). Und ich glaube weder an ein baldiges Verschwinden der Konsumgesellschaft noch der dazugehörigen Kistenarchitektur.

Es bleibt Ihnen jedoch unbenommen, auf diesen Wandel oder die Wiederbelebung traditioneller Dresdner Stadtansichten zu hoffen - die nächsten Jahrzehnte.

Ich halte mich lieber an die alte Weisheit, dass Optimismus immer bloß Mangel an Information ist. Derweil kann ich mich wenigstens hier und heute über die Beseitigung von verwahrlosten und verrotteten, toten Nicht-Orten und die Entstehung neuer, mehr oder weniger verdichteter Räume freuen, die überhaupt erst wieder so etwas wie lebendige Stadt spürbar machen - auch wenn die Architektur langweilig und schlecht und deren Nutzer bloß Konsumenten sind.

Einer der sichersten Wege, seine Freiheit zu vergößern, ist, seine Wünsche zu verkleinern (P. Horton).

Anonym hat gesagt…

"auch wenn dieser hier gerne geleugnet wird"

Der wird nicht geleugnet, sondern in einem ganzheitlichen Zusammenhang differenziert betrachtet.