Freitag, 21. September 2012

Florana | Hauptstraße



Eine Abschlußbetrachtung des Florana Bauprojekts auf der Hauptstraße. Architekten: Thomas Knerer und Eva Lang. 

Kommentare:

Antonstädter hat gesagt…

Kaum zu glauben, dass dieses ohnehin architektonisch herausragende Kleinod noch weiter aufgehübscht werden konnte, es ist aber ohne Abstriche gelungen. Das Gute daran: Die geschmacksbefreite Hässlichkeit und Tristesse der Farbgebung lenkt erfreulicherweise erfolgreich von der Plumpheit und Trivialität der eigentlichen Kubatur ab, Glückwunsch hierfür an den Gestalter! Ich würde jetzt nur noch unbedingt dafür plädieren, den viel zu üppigen Baumbestand der Hauptstraße gründlich zu rasieren, damit das Kunstwerk auch aus der Entfernung das Auge des unfreiwilligen Betrachters noch besser zu erfreuen vermag...

Britt hat gesagt…

Westdeutschland - 70er Jahre - Sozialer Wohnungsbau. Alles so Wörter die mir für dieses Bauwerk einfallen. Hieran sieht man, welchen Strömungen der Architekt an der TU München ausgesetzt war. Nun heißt es: übertragen auf Dresden! Mit aller brachialer Gewalt. An einer exponierten Stelle, an einer der Keimzellen dieser großartigen Stadt, der Hauptstraße. Einer Stadt die vor ein paar Jahrhunderten zu den bedeutensten innerhalb Europas zählte. Hier setzt Herr Knerer nun, durchgesetzt und durchgedrückt durch willige Helfer im Stadtplanungsamt so eine (höflich ausgedrückt) schlechte Arbeit ab, dass man sich nur annähernd fragen kann, ob sich dieser Mann überhaupt mit dem Ort und der Geschichte auseinandergesetzt hat? Eher nicht, denn das ist es ja was unbedingt vermieden werden muss - die Geschichte eines Ortes. Und sowas kommt dann dabei raus. Ganz ehrlich: die Verantwortlichen gehören für diesen Entwurf & Umsetzung davongejagt! Es sollte hinterfragt werden, was sind die wahren Ziele dieser Institution, die hier scheinbar Hand in Hand gehen und der Stadt gewissen Schaden zufügen wollen!

Anonym hat gesagt…

Einfach verwunderlich oder eigentlich nicht,wenn man bei der Stadtverwaltung nur blinde Bauinvestoren,die nur nach größtmöglicher Rendite schauen,bauen läßt.
Denn dieser Florana-Bau passt sich nur an den WBS70 Blöcken der DDR an.
Einfach ein nichtsagender Betonklotz,wie viele der ehemals gebauten DDR-Wohnkomplexe ala Prohlis,Gorbitz....Nein Danke!

Anonym hat gesagt…

Liebe Britt,

da muss man gar nicht in den fernen Westen schauen - in Dresden gibt es mehr als genug Inspiration für derlei Architektur. Nicht zuletzt genau nebendran, am Neustädter Markt.

Anonym hat gesagt…

Trefflich formuliert, Antonstädter und vor allem Britt!
Bei mir in der äußersten Vorstadt einer Wiener Vorstadt haben sie auch einen Bau hingestellt, der diesem da weitgehend gleicht. Da stört er nicht, hier in der Vorstadt der Vorstadt, aber so etwas ins Zentrum zu stellen, ist ein Armutszeugnis!
Franz Lechner, Wien

Kölner hat gesagt…

Nach jeder Bausünde in Dresden hofft man, daß dies die letzte sein möge. Aber weit gefehlt, die Stadtverwaltung scheint nicht lernfähig zu sein. Ein immerwährendes Ärgernis.

Petersburg hat gesagt…

Positiv:

- Gesims gibt dem Gebäude optischen Halt, Fassung, und widersetzt sich somit mutig der herrschenden dogmatischen Meinung
- Balkone sind elegant und verzichten auf "Kastenform"

Negativ:

- Gebäude steht am falschen Platz. Es zerstört ein grösseres Planwerk, nämlich das des kohärenten Wiederaufbaus, und raubt den geplanten Rekonstruktionen den Raum ,wozu es in keinster Weise demokratisch legitimiert ist.

- Knerer-Lang unterwerfen sich einem zwanghaften Herdentrieb der Architektenschaft, nämlich Fensterreihen möglichst chaotisch durcheinanderzuschütteln und dann zu glauben, dies sei bereits himmelstürmend "modern" (vgl. Problematik der unseligen "Schüttelfenster"). Diese "Mode" ist eher als Epidemie zu werten, denn sie zerstört Stadtbild, widersetzt sich Europäischen Werten und bricht gewaltsam die in Dresden so bitter notwendige formensprachliche Kohärenz. Anstatt Dresden zu heilen, werden die Wunden weiter aufgerissen.

Mein FAZIT:
An einer anderen Stelle hätte ich dieses Gebäude begrüßt. Ein wenig mehr Relief und Fassadengliederung, und das Gebäude wäre sogar ein Schmuckstück - und zwar ein Modernes! Aber leider denkt Knerer-Lang in vorgegebenen Denkschablonen, und glaubt, durch Unterwerfen unter die herrschende Meinung seien sie bereits "modern".

Dieses Gebäude wäre, mit klar strukturierter europäischer Fensterfront, z.B. am Postplatz oder am Pirnaischen Platz ein absoluter Gewinn.

Durch die fehlende Demokratische Legitimierung und das gewaltsame Aufbrechen formensprachlicher urbaner Kohärenz ist das Gebäude allerdings, jedenfalls an dieser Stelle, klar abzulehnen. Besonders bedauerlich finde ich, dass die Verantwortlichen für diesen mutwilligen destruktiven Akt keinerlei Konsequenzen zu befürchten haben. Würde man Architekten klare Konsequenzen androhen, wären unsere Städte schöner, doch leider ist "intentionale Stadtzerstörung" kein Straftatbestand.



Edit: Bausituation-Dresden/Kommentar um einige Stellen gekürzt. Falls eine Erklärung gewünscht wird, mich bitte kurz per Email kontaktieren.

André hat gesagt…

Erinnert mich irgendwie an den Atlantikwall. Gar keine schlechte Assoziation. Das ist mehr eine neupreussische als eine dresdnerisch-sächsische Architektur. Mir gefällt es.

Anonym hat gesagt…

"Das ist mehr eine neupreussische als eine dresdnerisch-sächsische Architektur."

Und was hat sie dann in Dresden zu suchen?

LG The Woerth

Jan hat gesagt…

Mir graut es, wenn ich diese Bilder sehe. Live sieht es auch nicht besser aus. Die Fassade langweilig und belanglos. Das Gebäude fügt sich harmonisch in die angrenzenden Plattenbauen ein. Wunderbar. Wie einfach doch "moderne" Architektur ist. Am schrägsten finde ich die blau und lila bemalten Fenster. Was bitte soll das darstellen? Sieht einfach nur scheußlich aus !!

Hamburger hat gesagt…

Also ich finde es wirklich ganz gut. Was soll denn an dieser Stelle schon "sensationelles" entstehen? Man hat sich hier für zeitgemäße Gebrauchsarchitektur entschieden und das ist doch völlig in Ordnung! Wer die Farben nicht mag, der soll sich erst einmal die Farbigkeit der Nachbarbauten ansehen. Da passt der Neubau nämlich ganz gut dazu.

Anonym hat gesagt…

"Was soll denn an dieser Stelle schon "sensationelles" entstehen?"

Hat das jemand verlangt? Ich würde z.Bsp. etwas Regionaltypisches befürworten und das muss keineswegs sensationell sein.

"zeitgemäße Gebrauchsarchitektur"

würde ich sagen.

"der soll sich erst einmal die Farbigkeit der Nachbarbauten ansehen."

Wie wärs mit regionaltypischen Farben?

Sonnige Grüße aus Südwest!
The Woerth

Lodenbub hat gesagt…

Was soll das sein? "regionaltypisch"??

Anonym hat gesagt…

regionaltypisch = vorherrschend, prägend, typisch für eine bestimmte Region.

Z.Bsp: Roter Backstein als Baumaterial in Norddeutschland, schwarze Schieferdächer im Rheinland, Fassadenmalereien in Oberbayern, Elbsandstein in Dresden, usw.

Studieren Sie die lokalen Bautraditionen Dresdens anhand erhaltener Vorkriegsbauten und diverser Literatur, z.Bsp. von Volker Helas.

Eine regionaltypische Bauweise halte ich in kriegszerstörten Städten vonnöten, um städtebauliche Identität zurückzugewinnen. Die austauschbare Architektur unserer Zeit, ohne Rücksicht auf Ort und Geschichte, lässt unsere europäischen Städte schleichend immer ähnlicher werden (Nivellierung) und verleugnet die einzigartige Aura des Ortes / der Region. Globalisierung im Städtebau, sozusagen.

LG The Woerth

Anonym hat gesagt…

In meinem Beitrag vom 2. Oktober 2012 17:20 vermisse ich ein wichtiges Wort, und zwar:

"zeitgenössich" würde ich sagen.

Das hatte ich auch auf jeden Fall so geschrieben. ;)

Macht aber nix...

LG The Woerth

Petersburg hat gesagt…

Jemand auf dieser Seite machte unlängst die Assoziation mit dem sozialen Wohnungsbau der 70er Jahre. Dies ist m.E. ein sehr zutreffender Vergleich.

Das KnererLang-Gebäude, eine der spektakulärsten Fehlplanungen der letzten Jahre, ist tatsächlich ein absoluter Rückschritt in die 70er Jahre, und somit reaktionär. Bedenklich, dass ausgerechnet rückwärtsgewandte Architektur als "modern" gepriesen, moderne Projekte wie der Neumarkt hingegen als "unmodern" diffamiert werden.

Barocke Architektur ist wieder sehr stark im Kommen. KnererLang haben hinreichend bewiesen - und dies nicht nur hier sondern mit zahlreichen Projekten - dass sie zu solcher Baukunst nicht fähig sind. Daher griffen sie auf die Zerstörung eines intakten europäischen Viertels zurück - offenbar aus Neid, da man dem Umfeld den Erfolg nicht gönnt.

Das Gebäude ist eine Beleidigung für jeden Betrachter. Und zwar auch für die Liebhaber moderner Architektur - denn das Gebäude ist nicht zeitgenössisch, sondern nur Ausdruck von Zerstörungswillen.

MMagnus hat gesagt…

Tja es schmertzt schon, dass dort diese Bausünde steht, zumal diese ganze Straße als Prachtstraße mal angedacht wurde, als Weg zu der zauberhaften Innenstadt. Und rings um diese schlimmen Klötze gibt es so wunderbare Gebäude (Königstraße,Rähnitzgasse) man weiß ja nicht wer genau es genehmigt, aber dieser jemand sollte einfach mal beim durchlaufen die Atmosphäre und den Charme der teils barocken Rähnitzgasse und der wunderschönen Hauptstraße vergleichen. Lichtpunkte der Rekonstruktion isnd doch gerade die 3Königskirche und Markthalle, warum sollen Wohnhäuser sich dort nicht passend einfügen.
Ich finde den ersten Kommentar sehr gelungen, sehr schön bissig.

Lg MMagnus

Anonym hat gesagt…

Wenn man sich das so anschaut, da muss man zugeben, dass Prohlis so schlecht nun auch wieder nicht ist. ;-)

(STA-DD)