Sonntag, 27. Januar 2013

Rampische Straße

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Es ist schön, dass die Gebäude zur Platzkante nun fast die Traufhöhe erreicht haben. Mann darf auf die Gestaltung und (hoffentlich) einigermaßen authentische Proportion des Dachstuhls gespannt sein, der bis zum Sommer auf dem Rohbau stehen dürfte. Die Betonbauweise unter der kommenden historischen Fassadengestaltung löst bei mir zwar Stirnrunzeln, jedoch keine Besorgnis aus. Es überwiegt weiterhin die Freude, dass zumindest eine Straßenseite der Rampischen Straße zurückgekehrt ist. Über die eher unglückliche Gestaltung des Hotelbaus wurde bereits ausführlich diskutiert, ich verbinde mit diesem nicht mehr rückgängig zu machenden Fehler sogar die Hoffnung, dass die zum Palais Hoym liegende Straßenseite zum "Ausgleich" vielleicht noch die eine oder andere historische bzw. historisierende Fassade mehr erhalten wird. Es mag Wunschdenken sein, aber gerade die Rampische Straße verträgt einfach ihrer "Schönheit" wegen keine modernen Bauten, zumindest nicht aus meiner Sicht.

B.H., Köln

Anonym hat gesagt…

Was ist gegen gemauerten Gasbeton einzuwenden?
Hier wurde immerhin noch Stein auf Stein gebaut, statt komplett mit verschaltem Fließbeton. Ich find´s angemessen.

Gruß!
Thomas

Traditionalist hat gesagt…

Ein gebauter Alptraum. So wird nun bis in den letzten Winkel die Innenstadt mit wertlosem Kitsch zugekleistert. In welcher Zeit leben wir eigentlich?

Darki hat gesagt…

Werter "Traditionalist"?

sie scheinen keine Ahnung von der Größe der Dresdner Innenstadt zu haben. Polemische Einwürfe a la wertlos und Kitsch sind ebenso wenig brauchbar wie 100-fach wiederholte Petersburger-Lobbyisten-Hass-Tiraden.

Zu ihrer Frage...im 21.Jhd! Sie können ganz beruhigt sein.

Traditionalist hat gesagt…

@Darki
Kann schon sein, dass ich keine Ahnung habe, trotzdem lohnt es, sich mit dem Begriff "Kitsch" mal etwas genauer auseinanderzusetzen. Der passt nun leider haargenau zu dem was da zu sehen ist... Ist doch jedem selbst überlassen wie er das findet, oder? Ich finds halt nicht gut, denn das 21. Jhdt hätte auch interessantere Architektur zu bieten.

Darki hat gesagt…

Die Grenze zum Kitsch zieht jeder anders. Für mich sind die barocken Vorbilder der Rekos kein Kitsch, so und nun? Gehen sie auch z.B. durch Görlitz und regen sich über die verkitschten Altstadthäuser auf?
"Ich finds halt nicht gut, denn das 21. Jhdt hätte auch interessantere Architektur zu bieten."

Hat es sicher,da gibt es in Berlin, Hannover, Leipzig usw. vortreffliche Beispiele, aber in Dresden wird halt leider überproportional viel Mist gebaut, der zurecht die Stimmen nach Reko schreien lässt. Der Neumarkt macht 1% der Innenstadt aus. Gestehen
sie doch bitte diesen 1% eine Rückgewinnung des historischen Raumbildes zu. Es ist dann an der Moderne, die Fesseln des Purismus und des Dogmas "formfollowsfunction" abzulegen , das Spielen mit den Formen, der Fassadengliederung wieder zu erlernen und den Mut zu einer regionalen Verortung wieder zuzulassen. Dann steigt vielleicht auch das Vertrauen der Dresdner in die Moderne wieder und lässt die Wogen glätten. Platz für die Moderne ist nämlich noch genug.

Traditionalist hat gesagt…

@Darki
Nein auch ich würde die Barocken Vorbilder nicht als Kitsch bezeichnen. Ich sehe aber einen Zusammenhang zwischen der von Ihnen bemängelten Architekturqualität und den Rekos am Neumarkt. Man hat dort auf Druck der leider größtenteils architektonisch eher unbedarften Bürgerinitiative und den von ihr beeindruckten Politikern den legitimerweise profitorientierten Investoren die Möglichkeit eröffnet, mit oftmals eher geistlosen Kopien (Stuck auf Styropor) kostengünstig und zeitnah Baurecht zu erhalten. Ich glaube nicht, dass dies dazu beiträgt, Architekten zu neuem Formenspiel anzuregen, denn für die Bauträger besteht so natürlich gar kein Anlass in Kunst am Bau und/oder aufwendigere architektonische Gestaltung zu investieren. Gute Architektur entsteht eben nur in einer kultivierten Gesellschaft, die diese Qualität auch nachfragt und bereit ist dafür auch Geld auszugeben. Leider hat Dresden da wirklich großen Nachholbedarf.

Anonym hat gesagt…

"leider größtenteils architektonisch eher unbedarften Bürgerinitiative"

Sprechen Sie von der GHND? In diesem Fall wäre Ihnen wohl nicht bewusst, welch kunsthistorischer Sachverstand und welch wissenschaftlich fundierte Akribie in diversen Personalien dieses Vereins steckt. Bitte Vorsicht!

Hätten Sie die Alternativen bevorzugt? Atelier 2000, Gestaltungskommission, Böttcher, Bachmann, Gewandhaus & Co?

http://www.neumarkt-dresden.de/image1/prisco-quartier1/kopfbau-bachmann1.jpg

Traditionalist hat gesagt…

@Anonym
Die Art und Weise, wie Sie hier ganz unterschiedliche Architekten und Projekte und Institutionen zusammenwürfeln und über einen Kamm scheren, zeigt doch ganz deutlich wo das Problem liegt! Vor einem solchen "kulturellen" Hintergrund kann nun wirklich nichts gutes Neues entstehen! Da geht man besser mit der praktizierten Kulissenschieberei auf Nummer sicher.

Anonym hat gesagt…

Die genannten Architekten, Projekte und Institutionen haben alle einen ganz konkreten Bezug zum Neumarkt - und man könnte sicher noch einige ergänzen, was an meiner Grundaussage nichts ändern würde. Kritik verlangt Alternativvorschläge, finde ich. Und die bisher reell angedachten Alternativen fand ich zumeist deutlich inadäquater als besagte kunsthistorisch begleiteten originalgetreu rekonstruierten "Kulissen", die immerhin einen deutlichen, nicht abstrakten Bezug zu DRESDEN haben - ganz im Gegensatz zur austauschbaren Globalarchitektur unserer letzten Jahrzehnte. Wie genau stellen Sie sich also den Neumarkt vor? Wie lauten Ihre Alternativen? Und warum?

Traditionalist hat gesagt…

Die Alternative ist doch klar: Eine gesunde Entwicklung hochwertiger Architektur von angehörigen eines anerkannten und geschätzten Berufsstandes entwickelt und verantwortet. Das Ganze begleitet durch eine qualifizierte und verständige Debatte, die in einem öffentlichen Klima geführt wird, in dem Sachverstand auch von denen gewürdigt wird, die eine andere Meinung haben.
Das wäre doch etwas, oder?

Stattdessen werden alle Experten in Mißkredit gebracht, am liebsten verzichtet man ganz auf Architekten weil man stattdessen lieber Kopien errichtet. DAS ist übrigens die echte Billigvariante!

Anonym hat gesagt…

"Stattdessen werden alle Experten in Mißkredit gebracht, am liebsten verzichtet man ganz auf Architekten"

Das ist beides nicht in meinem Sinn. Allerdings vermisse ich bei nicht wenigen Architekten und Städteplanern unserer Zeit ein Verständnis von regionaltypischer Bauweise und ortstypischen Bautraditionen - ich meine, in einer kriegszerstörten Stadt mit gravierendem städtebaulichem Identitätsverlust sollten derlei Aspekte zum "Sachverstand" dazugehören. Jenen Sachverstand findet man jedoch eher in Kreisen wie der GHND, so scheint es mir. Warum also die verschiedenen Seiten gegeneinander ausspielen, anstatt das jeweils Beste der verschiedenen Experten- und Interessengruppen zu kombinieren? Neben dem Sachverstand spielen im Übrigen auch noch Sensibilität, Demut und Respekt sowohl vor dem Baubestand, der Geschichte und der Seele Dresdens - wie auch vor dem Gesprächspartner seine nicht unerhebliche Rolle.

Dem hier:

"Das Ganze begleitet durch eine qualifizierte und verständige Debatte, die in einem öffentlichen Klima geführt wird, in dem Sachverstand auch von denen gewürdigt wird, die eine andere Meinung haben."

möchte ich demgemäß zustimmen.

Sonnige Grüße aus Freiburg,
The Woerth

Micha hat gesagt…

Am Dresdner Neumarkt findet jetzt erst der lange überfällige Wiederaufbau statt, der vor über 60 Jahren aus ideologischen und finanziellen Gründen versäumt wurde. In vielen anderen deutschen Städten wurden wenigstens die wichtigsten Plätze größtenteils wieder aufgebaut bzw. rekonstruiert. Ein gutes Beispiel ist Münster mit seinem schon in den 50er Jahren rekonstruierten Prinzipalmarkt. In Dresden wird tatsächlich nur ein winzig kleiner Teil der Innenstadt, der einmal als einer der schönsten Plätze Europas galt, auch nur teilweise wiederhergestellt. Zum historischen Bild des Dresdner Neumarktes kann es gar keine Alternative bzw. moderne Antwort geben. Wer sich wenigstens ein wenig mit der Geschichte des Neumarktes beschäftigt hat, wird es vielleicht verstehen.
Gruß, Micha

traditionalist hat gesagt…

@Micha

Sehen Sie, kaum versuche ich hier ganz sachlich eine Meinung zu äussern, wird mir auch schon von Ihnen unterstellt, ich hätte mich nicht einmal "ein wenig mit der Geschichte des Neumarktes beschäftigt". Das ist eben genau der Stil, der für die Diskussion in Dresden leider typisch ist. Auf dieser Ebene wird es kein besseres Ergebnis geben können. Das ist traurig, aber solange Leute wie sie nicht einmal Ihre eigenen Kommentare reflektieren müssen wir uns wohl mit mehr oder weniger erträglichen Kopien zufriedengeben und eine lebendige Kultur findet woanders statt.

Anonym hat gesagt…

Hallo traditionalist
"und eine lebendige Kultur findet
woanders statt."
Wollen Sie uns damit sagen,dass die
zeitgenössische Architektur Kultur ist?
Wenn Kultur, dann nur eine Kultur des Profits,der Einfaltslosigkeit
und des Stupfsinnes.
Moderne Architektur ist menschenfeindlich und langweilig.

Traditionalist hat gesagt…

@Anonym
Wenn Sie Ihren Beitrag für kulturell irgendwie relevant halten, dann können Sie sich ungefähr vorstellen, welche "kulturelle" Qualität diese ganze Diskussion über moderne Architektur derzeit überwiegend aufweist! Traurig ist das und ein weiterer Beleg für meine Eingangsthese.

Anonym hat gesagt…

Abgesehen davon,das mir die Polemik über den Neumarkt hier ein Gähnen verursacht,kann ich über den Anonymus vom 10.Februar 22.18 Uhr nur den Kopf schütteln.Das ist genau der Ton,der diskussionswürdige Meinungen mit dem Holzhammer erschlagen soll:Menschenfeindliche Architektur-so ein Nonsens!

SingerZ

Anonym hat gesagt…

Hallo SingerZ

Welches Lebensgefühl vermittelt die zeitgenössische Architektur, die ja wohl Ihr Favorit ist?

Keine Wohlfühlatmosphäre

kein sich geborgen fühlen

keine Verweilqualität

kein sich daran erinnern können

kein entdecken wollen

keine Phantasie anregen

nur Verstand, Ratio und Rendite

was ist das alles traurig

sponte hat gesagt…

Wo ist Petersburg?
Mein Lieblingsschreiber, der Wortartist der Reko-Bewegung.

Diese orthodoxen Bauhausjünger meinen immer noch, sie machen alles richtig
Wir müssen sie belehren!

Anonym hat gesagt…

"Abgesehen davon,das mir die Polemik über den Neumarkt hier ein Gähnen verursacht"

War mein Beitrag auch polemisch? Interessant, dass niemand darauf antwortet. ;)

LG The Woerth

Anonym hat gesagt…

"Da geht man besser mit der praktizierten Kulissenschieberei auf Nummer sicher"

Ist das polemisch oder nicht?

Was du nicht willst das man dir tu das füg auch keinem andern zu.

Anonym hat gesagt…

TRADITIONALIST: "Da geht man besser mit der praktizierten Kulissenschieberei auf Nummer sicher"

Solche Formulierungen werden dem wohlgemeinten Ansinnen nach sachlicher und reflektierter Diskussion auch nicht gerecht, das stimmt.

Traditionalist hat gesagt…

Oje, hier geht es aber streng zu. Na gut, anstelle von "Kulissenschieberei" setzen Sie bitte: "Möglichst wirtschaftliche Errichtung von mehr oder weniger orginalgetreu aussehenden Nachbauten historischer Fassaden mit deren Hilfe eine dem Zeitgeschmack von Rekonstruktionsfreunden entsprechende Anmutung eines Teiles der im Krieg zerstörten Dresdner Innenstadt erzeugt werden soll".
Ich weiss auch nicht, vermutlich war mir das einfach zu lang.

Anonym hat gesagt…

"Ich weiss auch nicht, vermutlich war mir das einfach zu lang."

Dennoch ist die lange Version konstruktiver, da man auf sie sachlich und differenziert reagieren kann. :)

1, "möglichst wirtschaftliche Errichtung"

Wäre das bei regionalfremder "moderner" Architektur anders?

2. "mehr oder weniger orginalgetreu aussehenden Nachbauten historischer Fassaden"

Das Bemühen um eine möglichst große Originaltreue ist bei der GHND auf jeden Fall erkennbar.

3. "Zeitgeschmack von Rekonstruktionsfreunden"

Bitte argumentieren Sie, warum Sie Ihren Zeitgeschmack für adäquater halten.

Und dann würde ich mich noch über eine Antwort auf meinen Beitrag vom 10. Februar 16:15 Uhr freuen. :)

Sonnige Grüße aus Freiburg,
The Woerth

Micha hat gesagt…

@Traditionalist: Warum werfen Sie mir Unsachlichkeit vor? Ich habe mit dem Beispiel Prinzipalmarkt Münster nur aussagen wollen, dass im Gegensatz zu Dresden in anderen wichtigen Städten Deutschlands schon früh mit dem Wiederaufbau und sogar mit der Rekonstruktion begonnen wurde und das Dresden erst jetzt sein teilweise entstelltes Gesicht wieder erhält. Ich habe ihnen nicht vorgeworfen, sich nicht mit dem Neumarkt befasst zu haben. Doch wo Sie sich nun so angegriffen fühlen: Haben Sie sich einmal wirklich mit diesem Ort befasst? Kennen Sie alte Aufnahmen? Kennen Sie die architektonischen Sünden, die zu DDR-Zeiten und in jüngster Zeit in Dresden verbrochen wurden? Waren Sie überhaupt schon mal in Dresden?
Gruß, Micha

Traditionalist hat gesagt…

@Woerth
Ihre oft geäußerte Forderung nach einer regionaltypischen Architektur klingt auf der ersten Blick sympathisch und nachvollziehbar. Ich finde trotzdem, dass es ein paar bedenkenswerte Punkte dazu gibt:
Ist das Bild einer Europäischen Stadt nicht spätestens seit der Renaissance eher durch das Gegenteil von einer Regionalbezogenen Architektur geprägt? Die Stadt als Ort des Handels und Wandels war und ist darauf angewiesen, sich und Ihre Bewohner in einen überregionalen Kontext zu stellen. Der Einsatz bestimmter Baustile diente da eher zum Beleg für besondere Weltoffenheit und den Anschluß an den Rest der Welt mit der man sich verbunden fühlte. Leider wurde gerade aus diesem Grund eine heimatbezogene Architektur gerade zu den Zeiten propagiert, als sich bestimmte Staaten bzw. ihre Bürger unter bestimmten Regierungsformen weniger weltoffen zeigen durften..
Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, sich z.B. mit dem Wirken von Schultze Naumburg auseinanderzusetzen um vielleicht zu einer differenzierten und behutsamen Verwendung des Begriffes in der heutigen Zeit zu finden.

Grüße zurück :-)

traditionalist hat gesagt…

@Woerth

Achso da waren ja noch drei Punkte offen..

1. Ob "moderne" Architektur gleichzeitig auch "regionalfremd" ist mal dahingestellt, ich glaube schon, dass unserer Gesellschaft Architektur mehr wert sein sollte und dass Budgets momentan sehr zu Lasten der Gestaltung und zu sehr zugunsten einer immer aufwendigeren Gebäudetechnik verteilt werden.

2. Ich weiss, dass viele schon mit wenig zufrieden sind, was die Rekofassaden angeht. Ich finde das nicht gut, weil durch konstruktiv und gestalterisch stark veränderte Fassaden ein verzerrtes Bild von barocker Architektur erzeugt wird (die ich im übrigen sehr schätze).

3. Ich bemühe mich, mich nicht zu sehr auf bestimmte Vorlieben festzulegen..

@Micha

Seihen Sie beruhigt, ich kenne mich in Dresden allerbestens aus und lebe hier :-)

Meinhold hat gesagt…

Also, ich finde es ok und richtig. Beton ist das richtige Material, Barock sieht einfach gut aus und passt da hin. Eine besondere Idee zu verwirklichen, das ist doch der eigentliche Reiz.

Was die Baustile betrifft, Herrgott, schauen sie sich Kassel an.