Montag, 16. September 2013

Neumarkt

Kommentare:

Anonym hat gesagt…


Diese zum größten Teil wunderbare Bebauung des Neumarktes haben wir hauptsächlich der

Gesellschaft Historischer Neumarkt

zu verdanken.

Sie lebe hoch, hoch, hoch.

Anonym hat gesagt…

Ach du großer Gott. Genau! Sie lebe hoch.

Diese Bebauung haben wir vor allem zahlungskräftigen Investoren zu verdanken, auf die und ihre Architekten an anderen Stellen hier im Forum immer gern geschimpft wird.

Sie leben hoch, hoch, hoch!

Marc

Ronny hat gesagt…


Heute 18.09. kann man in der SZ lesen, daß der jetzt verstorbene Herr Hänsch ( Architekt des Kulturpalastes )es nicht gut findet, wenn historische Rekonstruktionen des Neumarktes neben "seinen" Kulturpalast gestellt werden.

Link in
http://www.neumarkt-dresden.de/

Da sieht man wieder, was manche Menschen für ein Selbstverständnis haben. Tolerant sollen nur die Anderen sein. Wir sind hier der Platzhirsch und dulden keinen der uns vielleicht die Show stehlen könnte durch eine schönere Bebauung.

Umgekehrt natürlich!

Wir stellen Investorenarchitektur
auf die Hauptstraße in Neustadt neben alte Barockhäuser.
Das müßt ihr ertragen.

Da schwillt einem der Kamm.

Anonym hat gesagt…

@Mark
"Diese Bebauung haben wir vor allem zahlungskräftigen Investoren zu verdanken, auf die und ihre Architekten an anderen Stellen hier im Forum immer gern geschimpft wird"

Das ist auch richtig, aber die GHND
hat erst das Bewußtsein und die Stimmung für eine historische Bebauung geschaffen.

Außerdem sind Architekten Leute, die sich auch gerne prostituieren, um einen schönen Auftrag zu bekommen.
Das beste Beispiel ist der erklärte Gegner von Rekonstruktionen, der Herr Peter Kulka, der in Potsdam das Stadtschloß plant, weil da ja großes Geld in die Kasse kommt.

Für Geld machen diese Leute alles.
Jeder hat seinen Preis.


Anonym hat gesagt…

"Da sieht man wieder, was manche Menschen für ein Selbstverständnis haben. Tolerant sollen nur die Anderen sein. Wir sind hier der Platzhirsch und dulden keinen der uns vielleicht die Show stehlen könnte durch eine schönere Bebauung.

Umgekehrt natürlich!"

Meinen Sie damit, dass sich stattdessen die Befürworter historisierender Bebauung als Platzhirsche auftun sollten, weil Sie Angst vor moderner Architektur haben?

"Eigentlich müßte man die ganze Innenstadt von Dresden rekonstruieren, um sie schön und lebenswert zuhaben, die heutigen Architekten können es nicht."

...haben Sie vor nicht allzulanger Zeit geschrieben. Ist das also Ausdruck Ihrer persönlichen Angst und gleichsam Vorstellung Ihres Beitrages zu tolerantem Umgang?

Wer bestimmt was schön ist? Ist es ein objektives Kriterium? Sollen die, die auf dem Markt stehen und am lautesten ihre Angst vor allem Nachgestrigen herausröhren, nach Investoren rufen um im Namen des Schönen und der Toleranz, ihre Angst und Investoren beseitigen? Stadt ist Dynamik. Dabei ensteht Unbequems und zuweilen Fragwürdiges. Soll stattdessen ein Erstarren im Forderungskatalog der bunten Fassaden eintreten? Gelähmt in weite Zukunft steht der wiederkäuende Paarhufer stolz auf dem Neumarkt und muss sich nicht mehr fürchten vor der Welt, die abseits all seiner Blickachsen weiterläuft

Anonym vom 29.02.

Anonym hat gesagt…

Ich möchte einen schlichtenden Kommentar hinterlassen: Ich verfolge seit Jahren mit großer Begeisterung was in Dresden passiert und bin ein Fan der Rekonstruktionen. Die Disney-Argumente der Gegner habe ich so satt. Jedes einzelne Haus feiere ich, so auch ganz besonders meinen Liebling Rampische 33. Und jetzt das Schockierende: Ich finde den Kulturpalast und wie die "neue Altstadt" um ihn herumwächst toll. Genau dieser Kontrast wird einen großen Reiz ausmachen, finde ich. Ich hoffe auch sehr auf den Durchbruch der Moritzstraße und die Verbindung der Wohnhäuser mit den barocken Palais. Ich finde es eher schade, dass nicht gegenüber dem Kulti die zwei Parzellen rekonstruiert wurden. Aber egal, Dresden ist göttlich und wenn ihr beneidenswerten Dresdner daran zweifelt, fahrt mal nach Heilbronn (wo ich leben muss), Stuttgart oder Pforzheim. Also freut euch und liebt euren Kulti neben dem Dinglingerhaus. Liebe Grüße.

ji hat gesagt…

@anonym 2013-10-18-20:11

Folgendes Bild: Wenn Ihnen der Arm abgehackt wird, wollen Sie dann nicht doch wieder einen Arm dran haben und nicht Quader aus Beton oder sowas? Genauso ergeht es dem Dresden, das 1945 zerbombt wurde. Da kann es nur Wiederaufbau geben und nicht Neubau. Neue, futuristische Gebäude kann man dort bauen, wo vorher nichts war. Da gibt es genug Orte auf der Welt.

Man sollte auch im Stande sein, altes zu bewahren, was den Werdegang der Menschheitsgeschichte zeigt. Alles grundlos abbrechen, nur damit ein neueres Investorenhochhaus Platz hat kann einfach nicht der Sinn sein. Dresden hat die Chance, für das wofür es bekannt ist, wiederherzustellen. Wenn Sie futuristische Hochhäuser suchen, gehen Sie nach Dubai oder Doha. Da ist genug Platz dafür.

Soll nicht heißen, dass man in Dresden auch mal etwas moderneres bauen kann, aber der eindeutige Großteil sollte historisierend sein, vor allem die Leitbauten und einzigartigen Großobjekte. Das ist Dresden.

Stefanius hat gesagt…



"Wer bestimmt was schön ist? Ist es ein objektives Kriterium? Sollen die, die auf dem Markt stehen und am lautesten ihre Angst vor allem Nachgestrigen herausröhren, nach Investoren rufen um im Namen des Schönen und der Toleranz, ihre Angst und Investoren beseitigen? Stadt ist Dynamik. Dabei ensteht Unbequems und zuweilen Fragwürdiges. Soll stattdessen ein Erstarren im Forderungskatalog der bunten Fassaden eintreten? Gelähmt in weite Zukunft steht der wiederkäuende Paarhufer stolz auf dem Neumarkt und muss sich nicht mehr fürchten vor der Welt, die abseits all seiner Blickachsen weiterläuft"

"Dresden war eine wunderbare Stadt, voller Kunst und Geschichte und trotzdem kein von sechshundertfünfzigtausend Dresdnern zufällig bewohntes Museum. Die Vergangenheit und die Gegenwart lebten miteinander im Einklang. Eigentlich müßte es heißen: im Zweiklang. Und mit der Landschaft zusammen, mit der Elbe, den Brücken, den Hügelhängen, den Wäldern und mit den Gebirgen am Horizont, ergab sich sogar ein Dreiklang. Geschichte, Kunst und Natur schwebten über Stadt und Tal, vorn Meißner Dom bis zum Großsedlitzer Schloßpark, wie ein von seiner eignen Harmonie bezauberter Akkord. E. Kästner
"

Traurig steht er am Neumarkt, gekränkte Pseudointellektualität, welche das Hässliche schön sehen möchte und das Elende als "Hip" begreift. Angewiedert wendet er sich von der tumben, wiederkäuenden Masse ab, welche die bunten Fassaden betrachtet, verzückte Ahs und Ohs von sich hören lässt, und in Ihrer Borniertheit nicht erkenne will...darf...kann...das doch die Beliebigkeit eingesperrt in kubistischer Symemtrie die einzige Warheit ist......er ist einsam.. ihm ist kalt....

Spaziergänger hat gesagt…

@anonym 18. September 2013 22:26

Heilbronn und Dresden hatten eine Parallele: In beiden Städten wurde nach der Zerstörung den Besitzern durch eine selbst ernannt "fortschrittliche" Stadtverwaltung verboten, Ihre Gebäude auf den alten Grundstücken wieder aufzubauen...

Dresden hatte im Nachhinein mehr Glück. Neben erfolgreichen Bemühungen, die "alte" Stadt im Bewusstsein der Einwohner zu halten (Löfflers "Altes Dresden") und engagierten Fachleuten, ergaben sich vor allem aus der städtebauliche Leere und Eigentümerstruktur nach der Wende Möglichkeiten für eine Korrektur.

Ich bin außerdem denen von Herzen dankbar, die unbeirrt gegen alle Widerstände angekämpft haben und noch ankämpfen, um Dresden nicht in austauschbarer Beliebigkeit endgültig untergehen zu lassen.

Im Übrigen kann ich mich auch über hochwertige "moderne" Architektur freuen. Das Eine schließt das Andere nicht aus.

Da ich beruflich den ständigen Vergleich habe, bin ich auch bzgl. der "modernen" Gebäude am Neumarkt der Meinung, dass (vom Inside Hotel mal abgesehen) dieses Areal nach Fertigstellung zum besten gehören wird, was städtebaulich und architektonisch in Deutschland seit dem Kriege gebaut wurde.

Nummer 13 hat gesagt…

@Stefanius -- ich habe so herzlich lachen müssen über ihre treffend-heitere Analyse über den Psyeudointellektuellen, der an seiner eigenen Seelenkälte zu erfrieren droht!
Bitte mehr davon! :)

Anonym hat gesagt…

Hallo ji,

bevor ich auf Ihr Beispiel eingehe, möchte ich erst einmal meine Vorstellung von dem Loswerden, was ich als „Stadt“ empfinde. Stadt ist für mich etwas dynamisches, was sich funktional an die Bedürfnisse seiner Bewohner anpasst oder wenigstens anpassen sollte. Leider tut es das gerade nicht. Dabei entsteht eben auch, wie geschrieben „Unbequemes und Fragwürdiges“. Der Dresdner Raum ist wohl seit rund 10.000 Jahren besiedelt. Seitdem hat sich Veränderung an Veränderung, Anpassung an Anpassung und Verschlimmbesserung an Verschlimmbesserung gereiht. Gerade die funktionsräumliche Zergliederung ist eine solche Verschlimmbesserung. Seit Anbeginn der Entwicklung von Siedlungen wurden aktuelle Bautrends überholt und kritisiert. Wie lange städtebauliche Eingriffe nachwirken, sieht man in Dresden ja allzu gut. Bei der historisierenden Bebauung in großem Maßstab sehe ich eben die Gefahr, aktuelle Bautrends für eine sehr sehr lange Zeit zu manifestieren, weil sie eben „schön“ aussehen. Dem Erhalt von „Leitbauten“ und historisch besonders wertvollen Bauten widerspreche ich nicht, aber es sollte genügend Raum für Entwicklung sein – und den sehe ich nicht, wenn es mehr Leitbauten als Nichtleitbauten gibt.

Ich bin mir da nicht sicher – verbessern Sie mich da gern – aber ich glaube mich zu erinnern, dass am Neumarkt auch Gebäude gebaut werden, die bereits bei der Zerstörung 1945 nicht mehr existierten. Baut man so etwas ein Mal oder zwei Mal, mag es ja ganz nett von der Idee her sein, aber wenn man großflächig damit beginnen würde, die Stadt so aufzubauen, wie man es sich wünscht, dass sie gewesen wäre, mit der Begründung, dass sie angeblich so war, ist das weit über das Ziel hinausgeschossen. Wenn man bei Gebäuden schon so handelt, wo sind dann die Grenzen? Würde es irgendwann zu einer Diskussion kommen, ob die Wilsdruffer zwischen Altmarkt und Pirnaischen Platz nicht weggelassen werden sollte, da es diesen Durchstich erst seit dem späten 19. Jahrhundert gibt? Die Frage ist, wo das Bewahren aufhört und wo daraus eine Manie wird, die jegliche Entwicklung in naher und mittlerer Zukunft blockieren würde, weil immer wieder das Argument auftauchen würde: „Das ist historisch einer Fassade nachempfunden, die an ähnlicher Stelle, in ähnlicher Farbe, mit einem anderen Haus dahinter, zwischen 1799 und 1854 diese Blickachse beeinflusst hatte.“

Aber gut. Nun zum Arm (ich verwende ihn hier auch mal synonym als Hand):

Ich begreife meinen Arm durchaus auch als sehr kleidsam, in erster Linie aber als Funktionsobjekt. Ich fühle damit, greife, winke, hebe usw... Würde ich meinen Arm verlieren, würde ich mir natürlich auch eine optische Wiederherstellung wünschen. Aber mehr noch eine funktionale Wiederherstellung.

Nur vergessen wir bei solchen Beispielen immer zwei Komponenten: Dynamik und Zeit. Ein Arm ist im allgemeinen ein Arm, vom Zeitpunkt unserer Bewusstseinswerdung, bin hin zum Zeitpunkt, an dem uns unser Bewusstsein verlässt. Stadt ist nicht gleich Stadt. Unsere (wir als Menschheit) Anforderungen wandeln sich – und so auch die Stadt. Unsere Anforderungen werden sich weiter wandeln – da sollte es unserer Stadt auch tun. Das zweite war die Zeit. Bezüglich des Armes muss ich persönlich leider feststellen, dass 1945 nicht mein Arm das Opfer war, sondern der Arm meiner Großeltern. Das Alte Dresden – so sehr ich mich auch an den alten Bildern erfreue – ist nicht mein Dresden. Wir stellen uns nur vor, wie es gewesen wäre – ohne uns vorzustellen wie es war.

Davon Mal abgesehen empfinde auch ich keinen Drang ernsthafte Hochhäuser zu begrüßen. Weder hier, noch in Arabien. Ich will aber auch kein „weiter so!“ der großflächigen Bebauung in einem Ritt. Ob Hochhaus oder Barockensemble – es steckt ein Investor dahinter, der kurzfristig Rendite sucht und wenig an einer nachhaltigen Entwicklung des Organismus Stadt an sich interessiert ist – nur das sich eine Altmarktgalerie sicher leichter abreißen lassen wird, als ein Quartier I.

Anonym vom 29.02.

Anonym hat gesagt…

Hallo Stefanius,

schade, dass Sie nicht verstanden haben, was ich meinte. Im letzten Post habe ich es ja nochmals etwas ausgebreitet.

Mir geht es nicht um die Fassaden als solche, sondern um das, was dahinter steckt. Es ist – gezwungener Maßen – in erster Linie ein Renditeobjekt, was da errichtet wird. Es ist kurzsichtig geplant – es soll sich ja rechnen. Wenn wir diese Praxis weiter fördern, um das Traumbild von Kästner, welches wenig mit dem Leben im Hinterhof einer Seitenstraße zu tun hatte und kaum mehr als ein Trugbild der wirklichen Verhältnisse darstellt, aufzubauen, haben wir ein starres Stadtbild, welches sich kaum mehr weiter entwickeln wird. Doch wie ist denn ursprünglich dieses Stadtbild entstanden? Durch Aufbau, Umbau, Zerstörung, Verheerung – seit Anbeginn der Menschheit bis heute. Das niemand Elendsquartiere wieder haben will, steht da sicher außer Frage. Es geht hier ja um Fassadengestaltung. Meine Kritik war dabei nicht das Aufbauen oder Wiederaufbauen von einzelnen Gebäuden, sondern der inflationäre Umgang damit. Soll das so weiterlaufen? Nach dem Motto:

Der Straßenzug wird wieder errichtet, aber Haus Nr. 10 wird durch den Vorgängerbau ersetzt und Haus 2-6 sind ein Haus mit drei Fassaden, damit es die Mediamarkt Kunden hinterher bequemer haben.

Und wie sieht es dann hinterher aus? Die Stadt wird sich wandeln – immer und immer wieder. Altes wird obsolet und durch Neues ersetzt. Doch wird dies dann kaum möglich sein, weil ja alles „schön“ ist und aussieht, wie auf alten Bildern.

Was dann bleibt, ist das Betrachten schöner Fassaden, die kaum die Leere dahinter verbergen können, sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist.

Ein bisschen zweifel ich an Ihnen. Habe ich etwas von „Beliebigkeit“ oder „kubischer Symmetrie“ gesagt? Das ist genau das Problem, das ich meinte. Sie verallgemeinern und werfen mich in einem Topf, den Sie sich in Ihrem Kopf zusammengebraut haben. Ich kritisiere eine mögliche Erstarrung der städtischen Entwicklung, die meines Erachtens droht, wenn Fassadenrekonstruktion zur einzigen Determinante wird. Nicht mehr und nicht weniger. Und „hip“ scheint ja eher Fassadenreko zu sein. Auch wenn ich mich wiederhole, ich habe dazu aufgerufen, NACHZUDENKEN, bevor man losbaut, andere Meinungen nicht zu verteufeln, wenn sie aufkommen und einer für alle bewohnbare Stadt zu schaffen, wenigstens anzustreben.

Hallo Nummer 13,

vielen Dank für Ihren überaus konstruktiven Beitrag zur Diskussion.

Mehr davon, es hilft ungemein, einen Einblick in Ihre Seele zu gewinnen. Leute, die aus der zweiten Reihe die Meinungen anderer Leute vorbehaltlos beklatschen, ohne selbst mal den Kopf einzuschalten, haben schon immer großartige Beiträge zur Entwicklung der Menschheit geleistet. Sie hätten stattdessen aber auch ruhig mal meine Frage beantworten können, inwieweit es sinnvoll ist, die subjektive Vorstellung von „Schönheit“, als zentrale Determinate des Städtebaus zu erheben. Es wird hier viel von Historizität gesprochen, aber die Stadt war in erster Linie Funktionsraum und eben kein Vergnügungspark, den man zentral planen kann.

Anonym vom 29.02.

Stefanius hat gesagt…

@ Nummer 13

vielen Dank :-)

letzendlich sind es anonyme Aussagen wie diese

"Stadt ist Dynamik. Dabei ensteht Unbequems und zuweilen
Fragwürdiges."

welche mich kopschüttelnd zurück lassen.
Inhaltlich stimme ich der Aussage zu allerdings wird hier sugeriert das das Unbequeme und Fragwürdige die Ausnahme wäre, so wie ich die Entwicklung in Dresden und vielen Anderen Städten wahrnehme ist es aber eher die Regel. Am schlimmsten ist dan der Versuch in langweilige,banale Investorenarchitektur noch etwas hineinzuinterpretieren.

Und wenn dann noch der "typische" Neumarkt Bewunderer als dümmlicher, nicht emanzipierter, ewig gestriger Kleingeist bezeichnet wird, bin ich sprachlos. Diese Kritik kommt oft von Leuten, welche sich nicht einmal die Mühe machen zu verstehen, warum den Menschen die Rekonstruktion zusagt, das ganze wird dann von oben herab behandelt, dabei sollte sich der jemand deer Gestalltet doch einmal hinterfragen, warum das eine besser gefällt als das andere? Warum eine Speicherstadt in Hamburg als gescheitert gilt, ein Neumarkt aber nicht. Und letztendlich mit verlaub der größte Schwachsinn, wieso soll man heute nicht alte Baustile aufgreifen dürfen? Sowas nenne ich Kleingeistig.

Anonym hat gesagt…

@Stefanius

" Traurig steht er am Neumarkt, gekränkte Pseudointellektualität, welche das Hässliche schön sehen möchte und das Elende als "Hip" begreift. Angewiedert wendet er sich von der tumben, wiederkäuenden Masse ab, welche die bunten Fassaden betrachtet, verzückte Ahs und Ohs von sich hören lässt, und in Ihrer Borniertheit nicht erkenne will...darf...kann...das doch die Beliebigkeit eingesperrt in kubistischer Symemtrie die einzige Warheit ist......er ist einsam.. ihm ist kalt...."

Welches Menschenbild spricht aus diesen Worten?

Kann ein Architekt mit dieser Einstellung FÜR MENSCHEN BAUEN?

Diese tumben, wiederkauenden Individuen sollen sich von ihm ihren Lebenstraum planen lassen?

Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken ........ich friere!

Ronny hat gesagt…

Hallo Diskutanten!

Ich bin sehr beeindruckt von allen hier abgegebenen statements, hoffentlich lesen viele Bauschaffenden mit.
Das bringt die ganze Branche weiter.

Anonym hat gesagt…

...:-) sehr unterhaltsam, tatsächlich! Es offenbart sich aufs neue, dass die meisten der hier aktiven Diskutanten in einer Art Klischeewelt leben, die sich von der Realität immer weiter abzukoppeln scheint. Seit wann gilt denn die Hamburger Hafencity als gescheitert"? Alleine der Vergleich hinkt doch völlig.. Hier die peinliche Puppenstube einer Provinzstadt, dort die moderne Stadterweiterung einer selbstbewussten Weltstadt. Sicherlich hat beides seine Funktion, das eine besucht man vielleicht mal am Wochenende um sich zu amüsieren, das andere wird zum Leben und Arbeiten genutzt und orientiert sich in die Zukunft.

Anonym hat gesagt…

Kurze Zwischenfrage:
Hat schon mal jemand Touristen auf der Prager Straße oder auf dem Robotronareal gesehen und sie hören sagen: "Aaaaah... Ooooooh.. welche anmutigen Bauten"
Nein?
Was ist das größte wirtschaftliche Standbein unsere Stadt? Der Tourismus.
Wie zieht man Touristen an? Durch Sehenswürdigkeiten. Und wer als Tourist nach Dresden kommt, will keine Plattenbauten sehen, er will das alte Dresden sehen (Bitte jetzt keine sinnlosen Bemerkungen, wie bspw. "der Neumarkt ist ja nur historisierend und nicht historisch" oder "das alte Dresden existiert nicht mehr" etc., eine solche Argumentation ist ziemlich lächerlich).
Man sollte in der Innenstadt darauf achten, den Charakter des alten Dresdens zu bewahren und dort, wo es möglich ist, ihn wiederherzustellen.

Anonym hat gesagt…

Hallo Stefanius,

„"Stadt ist Dynamik. Dabei ensteht Unbequems und zuweilen Fragwürdiges."

welche mich kopschüttelnd zurück lassen.
Inhaltlich stimme ich der Aussage zu allerdings wird hier sugeriert das das Unbequeme und Fragwürdige die Ausnahme wäre, [...]“

Gut, da will ich mich nicht streiten, ob in den letzten 10.000 Jahren des Siedlungs- und Stadtbaus Einiges oder Vieles schief gelaufen ist – ETWAS ist auf jeden Fall immer Antrieb für Kritik, neue Sichtweisen und Veränderungen gewesen, weil das Bestehende und Vergangene als „falsch“ angesehen wurde.

Aber genau diese Kontinuität von Fehlplanung und Kurzsichtigkeit, die seit Anbeginn den Siedlungs- und Städtebau charakterisiert, lässt mich daran zweifeln, dass das Maß aller Dinge ein Errichten ganzer zusammenhängender Quartiere durch einzelne Investoren ist. Natürlich rechnet sich besonders ein Objekt, wenn es möglichst variable große Flächen im Inneren anbietet – nur hat das Zupflastern der Innenstädte mit endlosen Reihen von Hotels, Büros und Malls wenig mit einer Stadt zu tun, die aus dem klassischen Modernismus herauswachsen möchte.

Das sich nun aber für eine Stadt etwas zum Positiven entwickelt, wenn das Gebäude mit einer historisierenden – Kleinteiligkeit suggerierenden – Fassade verhangen wird, kann ich schwerlich begreifen. Diese Gebäude haben in dieser Form keinen historischen Wert. Stattdessen hemmen sie die Weiterentwicklung eines Gebietes, weil sie als erhaltenswert gelten – und man immer mehrere Parzellen oder gar ganze Blöcke abreißen müsste, um etwas neues zu bauen – ein Problem, welches uns wenigstens irgendwann die Altmarktgalerie, das Centrum oder Karstadt ersparen – da sie diese Geltung sicher nicht erreichen werden.

Der Wiederaufbau einzelner Gebäude, mit halbwegs historischen Arbeitsweisen und einem halbwegs historischen Innern kann da deutlich mehr leisten – und als öffentlicher Raum sehr viel zum historischen Bewusstsein beitragen, weil er ein reales Bild vermittelt, wie es wäre, wenn man „wie damals“ leben würde.

Ich kann mich Ihnen nur anschließen, dass Menschen, die eine bestimmte Meinung vertreten, dafür nicht in ihrer Persönlickeit angegriffen werden sollten, geschweige denn, sie in irgendwelche Töpfe zu werfen, um sie zu stigmatisieren.

Anonym vom 29.02.

Stefanius hat gesagt…

@ Anonym I

bezüglich des "Erfolges" der Hafencity in der modernen Weltstadt Hamburg brauchen Sie lediglich Google zu bemühen und Sie werden vielfältige Publikationen über die Probleme der Hafencity finden.

Ansonsten ist es natürlich wesentlich einfacher anderen Diskutanten eine Klischeewelt vorzuwerfen. Zumal Sie sich eben auch einmal der Frage stellen könnten, warum es doch so viele Menschen gibt, welche den Neumarkt eben nicht als peinliche Puppenstube betrachten, schwierig was :-)?


@ Anonym II

ich kann Ihnen in weiten Teilen folgen, und vermute mal das unsere Meinungen gar nicht soweit auseinander liegen.

"Diese Gebäude haben in dieser Form keinen historischen Wert. Stattdessen hemmen sie die Weiterentwicklung eines Gebietes, weil sie als erhaltenswert gelten – und man immer mehrere Parzellen oder gar ganze Blöcke abreißen müsste, um etwas neues zu bauen – ein Problem, welches uns wenigstens irgendwann die Altmarktgalerie, das Centrum oder Karstadt ersparen – da sie diese Geltung sicher nicht erreichen werden."

An dieser Stelle kann ich Ihnen nicht folgen. Sollte der Anspruch an den Städtebau darin bestehen, das bei der Errichtung eines Gebäudes schon der Abriss geplant wird?

Aus meiner Sicht müssen die Gebäude auch keinen "historischen" Wert haben, Sie dürfen auch gerne als Neubauten betrachtet werden und mit den Neubauten an anderen Stellen der Stadt in Konkurenz treten.




SingerZ hat gesagt…

Îch glaube ein Warschauer könnte über diesen Diskurs hier nur den Kopf schütteln.Seine Stadt wurde auch total zerstört und vor nunmehr 50 Jahren bauten
die Bürger(oder gar Kommunisten?)ihren Altmarkt in historischer Form wieder auf um der Stadt ihre Indentität zurück zu geben.Und niemand schwadroniert von Stagnation und Disneyland.Und trotzdem weiß jeder ,daß die Nachbauten nicht authentisch sind,nicht sein können.

Anonym hat gesagt…

Hallo Stefanius

Nein, ich meine nicht, dass der Städtebau den Abriss einplanen soll. Es geht hier um zwei andere Aspekte.

Zum einen darum, dass ganze Blöcke an einen Investor veräußert werden, der diese dann monolithisch bebaut – mag auch die Fassade Kleinteiligkeit vorspiegeln, so ist doch das Innere als ein Gebäude ausgelegt (Fluchtwege, Technik, Raumaufteilung, Tiefgarage, Fahrstühle usw.). Nichts ist für die Ewigkeit gebaut und eine Stadt sollte sich den Bedürfnissen anpassen. Diese Blockbauweise lässt aber zukünftig keine evolutionäre Entwicklung im Kleinen zu. Wenn es in diesen Arealen zu Entwicklung kommen soll, kann dies nur über großflächigen Abriss geschehen. Der „Städtebau“ wird sicher nicht mehr solchen Lösungen bevorzugen. Vielmehr sind es Grundstückseigner, Investoren und Interessenverbände, die nach Kosten-Nutzen-Kalkül entscheiden. Entwicklung ist hier also wieder nur durch Brüche und Beräumung ganzer Areale möglich, sodass es innerhalb großer Flächen immer und immer wieder zu einer Gleichzeitigkeit von Entwicklungsschüben kommt. Stadtbilder macht das besondere Nebeneinander verschiedenster Stilepochen aus, die durch unterschiedliche Erhaltungsperioden einzelner Grundstücke und Gebäude entstanden sind.

Zum anderen wird dieses Problem, meines Erachtens nach, noch verstärkt, wenn diese Art des Bauens durch historisch anmutende Fassaden verhangen wird. Was passiert, wenn das Gebäude in seiner Form nicht mehr nutzbar ist? Wird man es als Neubau betrachten und es abreißen, um einen Nachfolgebau oder gar mehrere Nachfolgebauten zu errichten? Wird dann wieder die Forderung im Raum stehen, die Fassade des Vorvorgängergebaudes anzubringen? Oder wird es gar Widerstände gegen den Abriss geben, sodass wir in der Stadt ein leeres Gebäudeensemble stehen haben, welches zwar ganz schmuck aussieht und Touristen ein schönes Motiv beschert, aber für die Stadt als solches keinen Wert hat? Die starke Befürwortung der historisch anmutenden Bebauung um jeden Preis lässt in meinen Augen das schlimmste vermuten. Es wird zwar sicher nicht in dieser Form von der Mehrheit der Bürger befürwortet, aber momentan wohl doch recht laut vorgetragen.

Anonym vom 29.02.

Anonym hat gesagt…

Hallo SingerZ

Die Zerstörung Warschaus bildete das Finale einer mehrere Jahrhundert wehrenden Verschiebung, Zerstückelung und Zerstörung Polens. Das Abbrennen und Beräumen der polnischen Hauptstadt sollte das Herz der polnischen Kulturnation auslöschen, seine Bürger physisch vernichtet werden. In einem Kraftakt ohne Vergleich wurde hier der Welt durch den Wiederaufbau das Überleben der polnischen Nation demonstriert.

Das alles kann ich in Dresden so nicht sehen. Weder wurde Deutschland seit Jahrhunderten immer mehr zur Verteilungsmasse Europas, es war nie in seinem Fortbestehen bedroht und Dresden war und ist zwar einmalig, aber nicht das symbolische Zentrum deutscher Kultur und Macht. Die Zerstörung der Dresdner Innenstadt ist traurige Folge des Bombenkrieges und nicht systematische Vernichtung einer Stadt oder gar eines Volkes.

Man kann durchaus die Frauenkirche als Symbol von Aussöhnung mit den Briten und Amerikanern „von damals“ sehen, aber mit der Neumarktbebauung wurde kein Symbol des nationalen Überlebenswillens geschaffen, sondern der ästhetische Wunschtraum der Kinder und Enkel. Der Aufbau ist kein Kraftakt, sondern eine wohl kalkulierte Investition.

Anonym vom 29.02.

Singer aus Z hat gesagt…

Hallo Anonym vom 29.09. Ich habe Warschau verglichen mit Dresden,nicht gleichgesetzt.Aber wenn Dresden keine systematische Vernichtung sein soll-was denn dann? Der berüchtigte Viertelkreis als Bombenziel der Nacht vom13.Februar ´45 sollte nur das historische Zentrum einer Kulturstadt von Weltruhm vernichten.Was in drei Angriffen (einschl.14.Feb.Mittags)gründlich gelang.Der Bahnhof Friedrichstadt war erst später als Ziel wichtig.Die Aussenbezirke von Warschau blieben auch erhalten,falls sie Einwände haben.Eine Rekonstruktion Warschaus im heutigen Polen wäre auch nur finanziert von renditeinteressierten Investoren.Klar kann man das kritisieren,aber wir leben nun mal im Kapitalismus.

Anonym hat gesagt…

Hallo Singer aus Z

Was in Dresden stattfindet, ist größtenteils keine Rekonstruktion, wenn es in Warschau geschehen würde, wäre es dieses ebenso wenig – zumal die „Rekonstruktion“ in Warschau ja genau genommen keine ist, da man Grundstücksgrößen und Straßenquerschnitte geändert hat. Nur, weil man in Dresden den falschen Ansatz verfolgt, wäre es auch nicht richtig, dies in Warschau ebenso zu machen. Rendite ersetzt keine langfristige Planung. Warschau hatte das „Glück“, dass es deutlich nachhaltiger geplant wurde.

Warschau wurde nun aber wohl doch etwas mehr eingeebnet als Dresden. In Dresden ist etwas mehr, als nur „Außenbezirke“ erhalten geblieben.

Es macht auch einen gewissen Unterschied, ob man nicht mehr weiß, was man mit seinen Bombern machen soll, als die nächst beste Großstadt zu zerstören, oder ob man – trotz naher Front – mit Geschützen oder Flammenwerfern alle niederreißt, was höher als ein Landser ist.

Und wie schon gesagt, es ist eine Frage des wann und warum. Wann und warum es die Polen gemacht haben, habe ich schon geschrieben. Es war Zeichen der nationalen Selbstbehauptung. Aber das können wir wirklich 50 Jahre nach Ende des Krieges nicht mehr behaupten. Zumal es ja nicht um einen funktionalen Wiederaufbau geht, sondern nur um eine optische Wiederherstellung eines Vorkriegs- und Früher-war-alles-besser-Zustandes geht. Warschau funktioniert als Stadtzeitrum, Dresden würde es ohne Touristen nicht tun.

Ich persönlich, als Dresdner, mit tiefen Dresdner Wurzeln empfinde es als äußerst anmaßend, wenn man die Zerstörung der Stadt meiner Groß- und Urgroßeltern als Zerstörung des „historische[n] Zentrum[s] einer Kulturstadt von Weltruhm“ wahrnimmt. Dieser fürchterliche Krieg hat maßloses Leid über Europa verbreitet. Der Bombenkrieg ist menschlich kaum zu rechtfertigen, aber er war kein Rachefeldzug gegen Dresden. Dresden ist in Flammen versunken, weil es sich aus der Logik der Zeit und der Umstände ergeben hat. Warschau hingegen war eine Bestrafungsaktion gegen einen Gegner, der bereits in Konzentrationslagern saß, deportiert war oder völlig demoralisiert – ohne Munition – in einem Erdloch saß. Die Alliierten konnten die Bomber schwerlich mit der Begründung „es sterben zwar täglich hunderte unserer Soldaten, aber eigentlich gibt es keine richtigen Ziele mehr“ zurückhalten, nachdem man 4-6 Jahre allen eingeredet hat, dass Deutschland das Zentrum des Bösen ist. Kann man die über Warschau sagen? Es hatte lediglich weltanschaulich-rassistischen „Sinn“ diese Stadt einzuebnen. Propagandistisch, taktisch oder strategisch war es völliger Schwachsinn. Polen war in der Propaganda unwichtig, taktisch war die Zerstörung eher nachteilig und strategisch irrelevant – selbst in der Logik der Zeitgenossen.

Dennoch Danke, dass Sie der Erste sind, der mich mit meinem recht unauffälligen „Namen“ angesprochen haben, wenngleich es nicht der September, sondern der Februar ist

Grüße
Anonym vom 29.02.

Singer aus Z hat gesagt…

Anonym vom 29.02 es ist ja anerkennenswert ,wie sie das Schicksal Warschaus analysieren,aber wir schweifen etwas ab und reden von Dresden.Vielei habe ich mit dem Weltruhm etwas übertrieben-beschränke ich mich also auf Europa.Zu kritisieren sind am Neumarkt die wenigen Wohnungen-ganz zu schweigen von Bezahlbaren.Das läßt die Urbanität fehlen,die in der Äußeren Neustadt so viele magisch anzieht.Deshalb gebe ich nicht den Fassaden die "Schuld",sondern der Nutzung.Erfreuen Sie sich am neuen Kopfbau (Rekonstuktion)Rampische Strasse und werden altersmilde!